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Anatomie zieht auf die Lahnberge

Universität Anatomie zieht auf die Lahnberge

Das Anatomie-Institut ­erhält einen 15 Millionen Euro teuren Neubau auf den Lahnbergen. Dafür gab es grünes Licht aus dem Finanzministerium.

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Das Anatomie-Institut der Universität mit den Präpariersälen befindet sich noch in der Robert-Koch-Straße.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die positive Botschaft für den Fachbereich Medizin verkündete der Marburger Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne im Uni-Senat. Das Vorhaben eines Neubaus für die Anatomie auf den Lahnbergen wurde von der hessischen Landesregierung gestattet.

„Wir können als Universität selbst bauen“, freute sich Nonne. Finanziert werde das Projekt ausnahmsweise im Vorgriff auf die Finanzmittel aus dem „Heureka II“-Programm der Landesregierung, das eigentlich für die Laufzeit zwischen 2021 und 2026 gültig ist.

Für den Neubau des Instituts für Anatomie und Zellbiologie gibt es schon einen konkreten Zeitplan. Das teilte Christina Mühlenkamp von der Uni-Pressestelle gestern auf OP-Anfrage mit. Zurzeit läuft das Verfahren, um die Planungsbüros zu finden. 2018 wird der Planungs- und Genehmigungszeitraum sein. Der Baubeginn ist für 2019, Fertigstellung bis Ende 2020 anvisiert. Der Bezug soll voraussichtlich im Jahr 2021 erfolgen. Die Kosten für den Bau und die Ersteinrichtung werden auf 15 Millionen Euro geschätzt.

Wichtigster Grund dafür, dass der Neubau schnell umgesetzt werden muss, ist die Tatsache, dass in dem historischen Anatomie-Bau im Lahntal die Anatomie-Praktika nicht mehr länger durchgeführt werden können. Zur Begrenzung der bundesweit für alle Anatomie-Institute neu geregelten neuen Formaldehyd-Grenzwerte müssten eigentlich auch im Marburger Institut eine neue Lüftungstechnik und neue Absaugtische eingebaut werden. Da dieses aber auch aus Gründen der Statik in dem Altbau nicht möglich ist, soll jetzt der Neubau kommen. Die Leichen, anhand deren Sezierung die Medizinstudierenden das Präparieren lernen, werden in der Regel mit dem schädlichen Stoff Formaldehyd konserviert.

In zwei Kohorten 480 Studierende

Anfang 2016 wurden die Richtwerte für die Konzentration an Formaldehyd in der Raumluft von Anatomie-Präparier-Sälen aufgrund einer EU-Verordnung bundesweit verschärft. Formaldehyd wird demnach als krebserregend eingestuft. Nach OP-Informationen sind in den Präparationskursen in zwei Kohorten 480 Studierende, die zweimal die Woche jeweils zweieinhalb Stunden die Kurse absolvieren. Zwischenzeitlich ist es nach OP-Informationen so, dass die zeitlichen Intervalle verkürzt worden sind, während derer die Studierender direkt im Präpariersaal arbeiten. Zudem wird wohl noch intensiver gelüftet.    

Auf Nachfrage von Uni-Senator Professor Siegfried Bien erläuterte Nonne, dass in dem Neubau auf den Lahnbergen vor allem die Praktika stattfinden sollen. Die Anatomie-Lehre solle hingegen in anderen Gebäuden auf den Lahnbergen stattfinden. Die Forschungslabore und die Büros der Professoren und Mitarbeiter sollen höchstwahrscheinlich im freiwerdenden Modulbau von Synmikro auf den Lahnbergen untergebracht werden. Vor allem für die Präpariersäle, die auch eine Leichenkammer und Kühlräume enthalten sollen, soll daneben der Neubau errichtet werden.

Das Anatomie-Institut befindet sich bisher in einem im Jahr 1902 fertiggestellten Gebäude im Lahntal.

Das alte Gebäude wird wahrscheinlich nach dem Auszug der Anatomie nicht mehr für experimentelle Fächer nutzbar sein. Zwar steht die konkrete zukünftige Nutzungsplanung der Uni dafür noch nicht fest, sagte der Kanzler. Es böten sich jedoch wahrscheinlich Flächen für ­Fächer im geisteswissenschaftlichen Campus Firmanei an. Zunächst einmal stehe dann aber nach dem Auszug eine Grundsanierung an.

von Manfred Hitzeroth

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