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Zugangs-Debatte schwelt weiter

Alter Botanischer Garten Zugangs-Debatte schwelt weiter

Naturschützer befürchten durch den Bau eines neuen Eingangs zum Alten Botanischen Garten dessen zunehmende Beschädigung. Die Universitäts-Leitung stellt den barrierefreien Zugang zum Park in den Vordergrund.

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Bedrohtes Erholungsgebiet? Der Alte Botanische Garten soll künftig vom Sprachatlas direkt erreichbar sein. Kritiker befürchten Beschädigungen durch eine wachsende Zahl an Fußgängern, die den Park als Abkürzung nutzen.

Quelle: Freundeskreis Alter Botanischer Garten

Marburg. Im Zuge der Planungen des Campus Firmanei warnten bereits vor rund zehn Jahren mehrere Arbeitsgruppen vor baulichen Veränderungen rund um das Areal. Der Garten solle vielmehr als „Erholungs- und Ruheraum und nicht als Durchgangspark“ genutzt werden, heißt es in der gemeinsamen Wettbewerbs-Dokumentation von Philipps-Universität und Stadtverwaltung 2007-2009. Die Hauptwege der historischen Anlage, der Teich und der alte Baumbestand sollten demnach erhalten werden, das sensible Gartendenkmal dürfe keine Beeinträchtigung durch zusätzliche Bebauung erfahren.Bei der Wegeplanung sei zu berücksichtigen, „dass intensiver Fußgängerverkehr durch den Botanischen Garten vermieden wird“.

Der nun geplante neue Zugang vom Sprachatlas in den Garten – bei gleichzeitigem Abriss der Behringtreppe am Pilgrimstein – würde „gemeinsame Beschlüsse grob missachten“, sagt nun Johannes Linn, Forstsachverständiger aus Wehrda.

Ein Großteil der Universitätsbibliotheks-Benutzer – mehrere Tausend pro Tag – würden künftig den kürzesten Weg mitten durch das Gartendenkmal in Richtung Hörsaalgebäude oder Sprachatlas nehmen, fürchtet Linn. „Die Ruhe wäre zerstört, ebenso würden die empfindlichen Gehölzwurzeln durch Bodenverdichtung stark beschädigt.“

Auch der Wiesbadener Gartendenkmalpfleger Horst Becker, der sich seit langem mit dem Innenstadt-Garten befasst, kritisiert die Schaffung eines neuen Durchgangsweges und Abriss der Behringtreppe. Das sei „absolut unverträglich mit dem Gartendenkmal.“ In Zeiten, in denen man sich in Kernstädten immer mehr Gedanken um die Reduzierung von Stickoxiden machen müsse, sei der Garten über seinen Denkmalwert hinaus „die wichtigste ‚Grünlunge‘ und Ruhezone in der Innenstadt“. Deshalb sei von „weiteren substanzschädigenden Eingriffen jeder Art dringend abzuraten. Ansonsten geht der Alte Botanische Garten unwiederbringlich verloren.“

„Betonbrücke passt sicher nicht in Gartendenkmal“

Universitätspräsidentin Professor Katharina Krause verteidigt den geplanten Abriss der Behringtreppe und den Bau ­eines neuen Zugangs auf dem Sprachatlas-Gelände: „Eine Betonbrücke aus den 1970er-Jahren passt sicher nicht in ein Gartendenkmal und schon gar nicht an eine historische Sandsteinmauer.“ Die Treppe sei auch „ohne Rücksicht auf historische Schichten des Gartens errichtet“ worden. Nach Entfernung der Treppe sollen nach historischem Vorbild wieder Farnpflanzen entlang der Pilgrimsteinmauer ausgebracht werden. „Das stellt sicher eine­ Verbesserung der Situation dar.“ Ein Zugang vom Pilgrimstein aus werde nahe der Universitätsbibliothek weiterhin bestehen und der neue Eingang grundsätzlich dafür sorgen, dass Barrierefreiheit herrscht, mehr Menschen in den Garten gelangen können. Die Universität hat sich mit einem Parkpflegewerk zum sorgfältigen Umgang mit Wegenetz, Wiesenfläche und Gehölzen verpflichtet.

Zuletzt kritisierten Mitglieder des Freundeskreis Alter Botanischer Garten sowie Lokale­ Agendagruppen den drohenden Abriss der Behringtreppe samt der Zugangs-Verlegung.

Zuletzt habe es immer wieder mutwillige Zerstörungen im Innenstadt-Park gegeben, etwa einen Müllcontainer-Brand im Januar (OP berichtete). Die Lokale Agenda Ökologie hat während des Umweltausschusses daher angeregt, den Garten künftig nachts durch Drehkreuze, wie sie am Neuen Botanischen Garten auf den Lahnbergen stehen, zu verschließen.

von Björn Wisker

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