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Alte Tradition lebt wieder auf

Präsentationsstadt Alsfeld Alte Tradition lebt wieder auf

Die Philipps-Universität Marburg und die Stadt Alsfeld haben einen ­Vertrag geschlossen.

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Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne (von links), Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule und Alsfelds Erster Stadtrat Jürgen Udo Pfeiffer unterzeichneten den Vertrag.

Quelle: Michael Noll

Marburg. In der gut gefüllten Universitätskirche verkündete Professor Karl Pinggéra ein Ereignis, das „sonst nur einmal im Jahrhundert“ vorkommt. Die Stipendiatenanstalt, die in einem Nebengebäude des Marburger Landgrafenschlosses ein selbstverwaltetes Wohnheim unterhält, „knüpft damit an alte Traditionen an“. Alsfeld war bereits bis 1607 Teil des von Landgraf Philipp dem Großmütigen mit der Gründung der Universität 1529 ins Leben gerufenen Stipendiums, das im Anschluss an die Reformation zunächst nur Studenten der Theologie unterstützte, aber seit dem 20. Jahrhundert Studierenden aller Fakultäten offensteht.

Als Präsentationsstadt erhält Alsfeld das Recht, einen Freiplatz als Stipendiat für einen Absolventen ohne Aufnahmebedingungen zu vergeben. Gleichzeitig verpflichtet sich die Stadt, zu der Finanzierung des Programms beizutragen. Zurzeit studieren vier präsentierte Stipendiaten von insgesamt 39 des Collegium Philippinum in Marburg, im Wintersemester sollen noch zwei dazu kommen. Auch der Alsfelder Bürgermeister Stephan Paule war froh, Abiturienten diese Möglichkeit geben zu können.

Er sieht ein „Zeichen einer guten Ökumene“ darin, dass der erste katholische Bürgermeister Alsfelds seit 1519 die Aufnahme als Präsentationsstadt vornimmt. Vor 500 Jahren, als Alsfeld eine der bedeutendsten Städte Hessens und einer der wichtigsten Finanziers der Stipendiatenanstalt war, wurde dort reformatorische Geschichte geschrieben, da Alsfeld die erste Stadt Hessens war, in der „das gute Wort nach evangelischer Art gepredigt wurde“, erzählt Bürgermeister Paule.

Auch der von Martin Luther promovierte langjährige Pfarrer Thielemann Schnabel prägte die Frühzeit der evangelischen Kirche in Alsfeld. Besonderen Dank äußerte der Bürgermeister gegenüber dem Alsfelder Stadtarchivar Michael Rudolf, der aufgrund einer von ihm vor einem Jahr entdeckten Urkunde aus dem 17. Jahrhundert die Stadt auf diese Tradition aufmerksam machte. Ebenso dankte er Dr. Friedhelm Nonne, dem Kanzler der Philipps-Universität Marburg, der in der kurzen Zeit von nur einem Jahr den Vertrag anfertigte. Als ­Zeichen seiner Dankbarkeit überreichte Paule einen Kupferstich der Stadt Alsfeld aus dem 16. Jahrhundert.

von Michael Noll

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