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Alte Handys sind Gold wert

Kirchen sammeln für Hilfsprojekt Alte Handys sind Gold wert

Gemeinsam mit katholischen Christen aus Fronhausen und Lohra sammelt die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul bis Mitte Oktober alte Handys. Von der Wiederverwertung profitiert ein Hilfsprojekt im Kongo.

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Pfarrer Klaus Nentwich und Gemeindeassistentin Viola Sinsel werben fürs Handy-Recycling. In der Kirche St. Peter und Paul in Marburg steht eine Kiste zum Einwerfen bereit.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Das ist eine gute Sache – die Sammelwoche hat mich selbst dazu gebracht, mein altes Handy rauszusuchen und zum Recyceln hier abzugeben“, sagt Viola Sinsel. „Ich habe es ohnehin schon jahrelang nicht mehr benutzt – so geht es vielen anderen bestimmt auch.“ Die Gemeindeassistentin der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul betreut das Sammelprojekt, das seit einigen Wochen in der Biegenstraße läuft.

Gleich rechts neben dem Eingang steht die Box. „Wir sind Gold wert“, steht auf einem Schild an der Kiste. Die persönliche SIM-Karte entnehmen und das Handy einwerfen – so einfach geht das. Die Kirche ist jeden Tag von 8 bis 19 Uhr geöffnet, sonntags von 9 bis 19 Uhr.

Seit Anfang September läuft die Aktion. Die Marburger haben in der Kirche St. Peter und Paul bislang 22 ausrangierte Mobiltelefone abgegeben. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt Viola Sinsel und lacht. Die 21-Jährige hofft, dass in den kommenden drei Wochen noch viele Handys in der Sammelbox landen: „Es hilft anderen Menschen – und wozu etwas aufheben, was man doch selbst gar nicht mehr braucht?“

41 Handys enthielten mehr Gold als eine Tonne Gold-Erz

Mit der Sammelaktion schließen sich die katholischen Kirchengemeinden im hiesigen Pastoralverbund einem Aufruf des päpstlichen Missionswerks Missio an. Es richtete vom 1. bis 7. September die „Woche der Gold-Handys“ aus. Die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul verlängerte die Aktion, „so haben noch mehr Menschen die Möglichkeit, ihre ausrangierten Geräte abzugeben“, sagt Viola Sinsel. Das Ergebnis der Sammlung vor Ort, so kündigt Pfarrer Klaus Nentwich an, werde die Gemeinde am Weltmissionstag, dem 22. Oktober, im Gottesdienst erfahren.

Nach eigenen Angaben sammelte Missio durch die „Woche der Goldhandys“ bereits 16.000 Geräte ein, die das Missionswerk zum Recyceln an seinen Partner Mobile-Box weitergibt. Mobile-Box ist ein Rücknahmesystem für gebrauchte Mobiltelefone, gegründet 2012 in Köln. Das Unternehmen sammelt auch in Partnerschaft mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bundesweit alte Handys, führt sie nach eigenen Angaben einer „umweltgerechten Verwertung“ zu.

Ein Teil der Handys könne wiederverwendet werden, die übrigen Geräte würden umweltschonend recycelt, teilt Mobile-Box mit. Das entlaste Mensch und Umwelt, denn die in Handys enthaltenen Rohstoffe wie Gold, Silber, Kupfer, Coltan und Silizium würden oftmals umweltschädigend und unter unmenschlichen Bedingungen abgebaut. 41 Handys enthielten mehr Gold als eine Tonne Gold-Erz, erklärt Mobile-Box. Der Goldanteilanteil beim Erz liegt bei etwa einem Gramm pro Tonne.

100 Millionen Handys in deutschen Schubladen

Nach Schätzungen des Recycling-Unternehmens liegen 100 Millionen Handys in deutschen Schubladen. Würden diese verwertet, könne man 867 Tonnen Kupfer, 382 Tonnen Kobalt, 26 Tonnen Silber und 2,4 Tonnen Gold wiedergewinnen – Rohstoffe, die dann nicht mehr klimaschädlich abgebaut werden müssten. Das gilt auch für  Seltene Erden. Der Abbau von Neodym und Dysprosium, die bei der Produktion von Handys eingesetzt werden, sei mit großen Schäden für Mensch und Natur verbunden.

Durch die Sammelaktion schließen sich die katholischen Pfarrgemeinden dieser Aufforderung an. Missio fordert zudem: „Kein Blut für unsere Handys.“ Das Missionswerk verweist auf die Situation im Kongo. Im Osten der zentralafrikanischen Republik kämpften bewaffnete Milizen um Bodenschätze. Ihren Krieg finanzierten sie durch den illegalen Verkauf von Erzen wie Coltan. In Handys sorgt Coltan dafür, dass die Geräte nicht überhitzen.

Missio ruft Handy-Nutzer dazu auf, an Mobilfunkunternehmen zu appellieren, damit diese kein illegales Coltan aus der Konfliktregion verwendeten. Missio stellt dazu im Internet einen Vordruck bereit, den man unterschreiben und an Handy-Hersteller schicken kann.

Vom Erlös des Handy-Recyclings fließt bis zu einem Euro pro Gerät in das Missio-Projekt „Schutzengel“. Es rückt die Opfer von Ausbeutung und Bürgerkrieg im Kongo in den Fokus. In 16 Traumazentren werden Menschen behandelt, die Opfer  kriegerischer Auseinandersetzungen geworden sind – Missio unterstützt diese Arbeit.

Viola Sinsel freut sich darüber, dass das Sammeln über die Aktion vor Ort hinaus weitergeht. „Jeder kann auch mitmachen, indem er sein altes Handy einschickt“, erklärt sie.

von Carina Becker-Werner

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