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Mit Boot und Schlitten in Grönland

Alfred Wegener Mit Boot und Schlitten in Grönland

Auf die Spur eines Marburger Teilnehmers der Grönland-Expedition von Alfred Wegener im Jahr 1929 begab sich der emeritierte Marburger Geographie-Professor Alfred Pletsch.

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Der Marburger Walter Böhme – hier auf dem Forschungsboot „Krabbe“ – war 1929 Teilnehmer der Grönland-Expedition von Alfred Wegener.

Quelle: privat

Marburg. „Mit Alfred Wegener im grönländischen Eis“: Dies ist der Titel des Vortrags von Professor Alfred Pletsch am Dienstag, 31. Januar, ab 18.30 Uhr  im Großen Hörsaal des Fachbereichs Geographie, Deutschhausstraße 10. Unter dem Titel „Mit Motorboot und Schlitten in Grönland“ fasste Alfred Wegener die Ergebnisse einer Expedition zusammen, die ihn 1929 nach Grönland geführt hatte. In diesem Bericht wird elfmal ein gewisser „Böhme“ erwähnt. Um wen es sich dabei handelte, wurde jedoch nirgends erläutert. Durch einen Nachlassfund wurde dieses Geheimnis im Januar vergangenen Jahres von dem emeritierten Marburger Geographie-Professor Alfred Pletsch gelüftet (die OP berichtete).

Es handelte sich um Dr. Walter Böhme, der bis 1969 am Gymnasium Philippinum in Marburg als Lehrer tätig war. Im Jahr der Expedition war er 1929 als junger Doktorand in Grönland zufällig Alfred Wegener begegnet und wurde von diesem spontan in dessen Expeditionsmannschaft integriert – mit zum Teil abenteuerlichen Erlebnissen.

Anhand der Tagebücher Böhmes werden im Vortrag einige Ereignisse dieses Zusammentreffens aufgezeigt. „Der Nachlass ist ein bemerkenswertes Zeitzeugnis, das Alfred Wegener als verständnisvollen, liebenswürdigen, hilfsbereiten, fördernden Menschen skizziert und damit das Bild von dieser nur ein Jahr später im Grönlandeis verschollenen Forscherpersönlichkeit authentisch erweitert“, meint Pletsch.

Die zwei Tagebücher aus dem Nachlass Böhmes gelangten zusammen mit Fotos, Zeitungsausschnitten und weiteren Archivstücken über Böhmes Nachfahren Ende Dezember vergangenen Jahres in die Hände von Alfred Pletsch, der sie jetzt ausgewertet hat.

Anhand des Vergleichs mit der ebenfalls auf Tagebüchern beruhenden und ausführlich in einem Buch dokumentierten Wegener-Expedition fand Pletsch schnell heraus, dass sich die Wege von Böhme und Wegener überschnitten hatten.

In Jakobshavn fand am 27. September 1929 das erste Treffen zwischen Wegener und Böhme statt. Zeitweise begleitete der 25-jährige Neuling Böhme auf seiner ersten und einzigen Polarexpedition den Arktis-Veteranen Wegener und leistete ihm dabei wichtige Hilfsdienste. Besonders spannend fand Pletsch, wie ernst Wegener und sein erfahrenes Team damals augenscheinlich den jungen Nachwuchsakademiker genommen hatten.

In den Böhme-Tagebüchern kann man Ereignisse, die in Wegeners 1930 erschienenem Buch „Mit Motorboot und Schlitten durch Grönland“ dokumentiert sind, nun auch noch aus einer gänzlich neuen Perspektive lesen. Genau dieses macht aus Sicht des Experten Pletsch den Reiz der Tagebücher aus – genauso wie die Authentizität der Beschreibungen der Expeditionserfahrungen.

Jene Grönland-Reise 1929 war eine Vorexpedition des Geographen und Polarforschers Wegener für seine für die Jahre 1930 und 1931 geplanten Expedition, bei der in systematischen Messreihen meteorologische und klimatologische Fragen des Gebietes geklärt werden sollten.

Wegener starb im Jahr 1930 bei erneuter Expedition

Von 1909 bis 1919 forschte Wegener an der Marburger Universität. In dieser Zeit entwickelte er unter anderem die Kontinentalverschiebungstheorie.  Im Jahr 1929 war Wegener bereits Wissenschaftler an der Universität Graz.
Viel dramatischer als die Expedition des Jahres 1929 verlief dann Wegeners Grönland-Reise im Jahr 1930, im Laufe derer der Forscher bei widrigstem Wetter unter tragischen Umständen im Alter von 50 Jahren starb.

von Manfred Hitzeroth

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