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Al-Wazir: Luftqualität wird berechnet

Stadtautobahn Al-Wazir: Luftqualität wird berechnet

Luftmessungen an der Stadtautobahn soll es auch künftig nicht geben.  Verkehrsminister Al-Wazir (Die Grünen) geht bei ­seiner Begründung aber offenbar von falschen ­Voraussetzungen aus.

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Die Stadtautobahn in Marburg zwischen der Straße St. Jost (links) und Weidenhausen: Hier grenzt die Wohnbebauung nahe an die Straße.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Stadtautobahn zähle nicht zu den am meisten belasteten Straßen in Marburg, antwortete Al-Wazir im Landtag auf eine Frage des Marburger Abgeordneten Jan Schalauske (Die Linke). Der Grünen-Politiker sieht zwar, dass hier täglich 40000 Fahrzeuge und mehr fahren, glaubt aber, dass „die vier- bis sechsspurige Stadtautobahn einen praktisch ungehinderten Verkehrsfluss“ zulässt.

Eine sechsspurige Stadtautobahn gibt es in Marburg aller­dings nicht. Einen Unterschied zwischen Pkw und Lkw, den Hauptverursachern giftiger Stickoxid-Gase, macht der ­Minister auch nicht.

Weitere Argumente für die Verweigerung von Emissionsmessungen entlang der Stadtautobahn sind für Al-Wazir: Nur auf einer Länge von 100 Metern befinde sich Wohnbebauung neben der Bundesstraße, der Abstand zwischen den einzelnen Häusern sei größer als 40 Meter, die Randbebauung sei also nicht geschlossen. Zudem verlaufe die Stadtautobahn an dieser Stelle in der Hauptwindrichtung, so dass  eine gute Durchlüftung gewährleistet sei.

Den letzten Argumenten widerspricht Gerhard Haberle von der Bürgerinitiative Stadtautobahn. Die Wohnbebauung werde vom Minister als viel zu gering angegeben und die Haupt-Windrichtung sei von West nach Ost, diene als nicht der Durchlüftung der Stadt an der Achse­ Stadtautobahn. Ein Blick auf die Messergebnisse der vergangenen Tage bestätigt, dass der Wind tatsächlich überwiegend aus westlichen Richtungen geblasen hat.

Stadtautobahn ist keine Umweltzone

Das Land hatte die Stadtautobahn bei der Einrichtung der Umweltzone im April 2016 außen vor gelassen. Unter anderem der Marburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) hatte dies kritisiert. Spies hatte von der Landesregierung gefordert, das Ziel von Umweltzonen – die Reduzierung von Stickoxiden – im Falle Stadtautobahn auf anderem Wege zu erreichen: durch die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer.  Auch diese Forderung, die von mehreren Verkehrsinitiativen seit Jahren erhoben wird, wurde vom Land nicht umgesetzt.

Spätestens seit Frühjahr dieses Jahres ist zudem klar, dass die Umweltzone nicht den erhofften Erfolg gebracht hat. An der Messstation Universitätsstraße maß das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt einen Jahresmittelwert von 47,1 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft – erlaubt sind 40 Mikrogramm.

Die Universitätsstraße war damit die Straße in Hessen mit der fünfthöchsten Belastung an Stickstoffdioxid.  

Umwelthilfe hat auch Marburg im Visier

Marburg war danach auch von der Deutschen Umwelthilfe ins Visier genommen worden, die Organisation droht mit einer Klage. Im schlimmsten Fall wäre mit Fahrverboten für Diesel-Fahrzeuge zu rechnen, die nicht der Euro-Norm 6 entsprechen. Das Umweltministerium in Wiesbaden will die Auswirkungen von eventuellen Fahrverboten auf die Luftqualität prüfen lassen.

Derweil beschränkt sich das Land darauf, die Luftqualität an den Stellen, an denen nicht – wie in der Universitätsstraße – gemessen wird, anhand von Modellrechnungen zu errechnen. Dabei wird die Luftqualität mittels der „örtlichen Verkehrs-,  Bebauungs- und Vorbelastungsdaten“ berechnet, wie Al-Wazir im Landtag mitteilte.

von Till Conrad

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