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Abwasser fließt jahrelang in die Lahn

Öffentliche Toilette Abwasser fließt jahrelang in die Lahn

Beim Bau des WC-Häuschens vor der Mensa wurden die Abwasserrohre an die Regenwasserleitung angeschlossen. Drei Jahre lang floss das Abwasser deshalb in die Lahn. Mit ökologischen Folgen durch das Schmutzwasser rechnet die Stadt nicht, weil in der Lahn eine „Selbstreinigung“ stattfinde. Den Fehler zu beheben, wird voraussichtlich 50 000 Euro kosten.

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Mit einem eiligen Bedürfnis muss man sich rund um das Lahnufer aktuell ein anderes Örtchen suchen. Die öffentliche Toilette dort bleibt voraussichtlich noch bis Mai geschlossen.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. Das Abwasser der öffentlichen Toilette direkt vor der Mensa floss seit der Eröffnung der Anlage im Juli 2013 in die Lahn. Grund: Die Abwasserleitungen des Toilettenhäuschens wurden falsch angeschlossen. Aufgefallen war dies erst bei ­einer routinemäßigen Kontrolle des sogenannten Regenwasser-Einleitungskanals in die Lahn im Bereich der Lingelgasse im April 2016. Das teilt die Pressestelle der Stadt Marburg auf OP-Anfrage mit. Die Anlage wurde­ umgehend geschlossen und bislang nicht wieder eröffnet.

„Die Entwässerungsleitungen wurden nach Planunterlagen angeschlossen“, sagt Pressesprecherin Sabine Preisler. Offenbar nach falschen Plänen. Die fehlerhaften Unterlagen haben die Stadtwerke und die Staatsbauverwaltung zur Verfügung gestellt, erklärte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne). In den Plänen habe es informelle Eintragungen gegeben, die die Regenwasserleitung als ­Abwasserleitung darstellten. ­Gewöhnlich gebe es keinen Grund, an Plänen von anderen Behörden zu zweifeln.

Abwässer wirken sich nicht auf Fischbestand aus

Die öffentliche Toilette wurde nach langem Vorlauf von April bis Juli 2013 gebaut. Mitsamt der Außenanlage hatte das WC-Häuschen 175 000 Euro gekostet. Die Arbeiten für die Beseitigung des Fehlers hat die Stadt bereits beauftragt. Die Toilette­ werde an den Schmutzwasserkanal im Bereich der Erlenringspange angeschlossen, erklärt Preisler. Einen anderen als den vermeintlichen Abfluss für Schmutzwasser gibt es vor Ort nämlich nicht. Insgesamt werden für die Arbeiten voraussichtlich zwischen 40 000 und 50 000 Euro fällig. In den Haushaltsplan 2017 sind 50 000 Euro hierfür eingestellt. „Die Kosten wären auch entstanden, wenn der Anschluss gleich richtig hergestellt worden wäre“, sagt Preisler.

Das Toilettenhäuschen kann nach Abschluss der Arbeiten ­voraussichtlich im Mai wieder geöffnet werden. Laut der Pressesprecherin ist es nicht möglich, in dieser Zeit eine Ausweichmöglichkeit für die geschlossene Toilette zu bieten.

Mit ökologischen Folgen sei nicht zu rechnen. „In Bezug auf sogenanntes häusliches Abwasser aus Toiletten erfolgt in einem Gewässer eine Selbstreinigung, sodass bei den relativ geringen Abwassermengen ­keine Folgeschäden entstanden sind“, heißt es aus der Pressestelle.

Rechtsstreit „wäre wohl rausgeworfenes Geld“

Auf den Fischbestand haben­ sich die Abwässer anscheinend nicht negativ ausgewirkt, sagt Jürgen Schwarz vom Fischereiverein Marburg. Der Verein untersucht regelmäßig die Fischgesundheit. Bei den Untersuchungen in den vergangenen Jahren sei nichts aufgefallen. Auch die Gewässeruntersuchungen der Fischereibehörden hätten nichts ergeben. „Vor Einführung der Klärwerke war es üblich, die Abwässer in die Flüsse zu leiten. Das war natürlich schädlich. Wenn die Mengen nicht zu groß sind, ist diese Selbstreinigung aber tatsächlich gegeben“, sagt Schwarz.

Die Haftungsfragen müssen noch rechtlich untersucht werden. „Eindeutige Verantwortlichkeiten zuzuordnen“, werde­ wohl schwierig, sagt Preisler.
„Zu klären, wer den Fehler ­gemacht hat, gleicht der ­Suche nach einer Nadel im Heuhaufen“, sagt Kahle. Auf einen Rechtsstreit will es der Bürgermeister deshalb nicht ankommen lassen, „das wäre
wohl rausgeworfenes Geld“.

von Philipp Lauer

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