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Windräder am Bergkamm in Planung

Wirbel um Vorhaben Windräder am Bergkamm in Planung

Der geplante Bau mehrerer Windkraftanlagen nahe Michelbach sorgt für Wirbel. Ein regionaler Investor will angrenzend an den Pharmastandort bauen, ein weiteres Unternehmen hat sich mehrere Privatflächen gesichert.

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Im Wald zwischen Michelbach und Marbach ist – von zwei verschiedenen Investoren – der Bau von vier bis sechs Windrädern geplant.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Vier jeweils 236 Meter hohe Anlagen sollen nahe Görzhäuser Hof, auf Flächen von Pharmaserv gebaut werden. Investor ist das Unternehmen Krug Energie aus Münchhausen, das die Anlagen bis  
Ende 2018 am Netz haben will. Zwei Windräder sind nahe der Alten Weinstraße hinter dem 370 Meter hohen Vogelheerd – ein Berg des Marburger Rückens –  geplant. Je ein weiteres soll direkt am Werksgelände und in Nachbarschaft zur Landesstraße zwischen Marbach und Caldern stehen.

„Auf der Teilfläche, die wir uns gesichert haben, sind vier Räder das Maximum. Wir wollen aber außerhalb einer problematischen Sichtachse zu Marburg liegen“, sagt Hans Hermann Zacharias, Bereichsleiter bei Krug Energie. Bis Jahresende hofft er auf eine Genehmigung seitens des Regierungspräsidiums Gießen (RP) für das Projekt. Die profitabelste Anlage soll dabei für ein Genossenschaftsmodell geöffnet werden.

Investor ist Unternehmen aus Meißen

Seit 2013 verfolge das Unternehmen das Projekt, die naturschutzrechlichen Belange prüfe man doppelt so lange wie üblich, als heimische Firma setze man zudem auf „ständigen transparenten Informationsfluss für alle Betroffenen statt auf Eile zur Gewinnmaximierung“. Als Beispiel für den andauernden Austausch mit ­Anwohnern nennt er den zeitgleich zu Marburg geplanten, sechs Windräder umfassenden Energiepark Niederasphe. Die Firma entwickelt derzeit auch einen Windpark in Rauschenberg, ist seit mehr als fünf Jahren im Bereich Erneuerbare Energien aktiv.  

Offenbar gibt es neben den Münchhäusern aber mindestens einen weiteren Interessenten für den Bau zusätzlicher Anlagen. Angeblich sollen auf dem Bergkamm zwischen den Werksgebieten Marbach und Görzhausen ebenfalls einige Anlagen gebaut werden. Nach OP-Informationen haben mehrere private Grundstückseigentümer schon Bereitschaft signalisiert, Verträge unterschrieben, um ihre Flächen einem sächsischen Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

Bei dem Investor handelt es sich um UKA, Umweltgerechte­ Kraftanlagen aus Meißen. Das Unternehmen, seit 1999  in dem Bereich aktiv, wirbt explizit mit dem Bau von Windkraftanlagen im Wald – und bestätigt das ­Interesse auf OP-Anfrage. „Das Projekt befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Derzeit prüfen wir Standortbedingungen und Naturschutzbelange“, sagt Lisa Fritsche, UKA-Sprecherin. Ein oder zwei Windräder der Firma Vestas, Typ V136 (je nach Modell ähnlich hoch wie jene von Siemens, die Krug Energie bauen will), sollen errichtet werden. Vor 2019 sei mit einer Umsetzung aber nicht zu rechnen.

Bürgerinformationsabend: Betroffene äußern Kritik

Aus Sicht der Stadt ist es aber „zweifelhaft“, ob weitere Windräder gebaut werden könnten, sollten die vier Krug-Energie-Anlagen vom RP genehmigt werden, sagt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne). Die Gießener Behörde rechnet mit einer Beantragung durch Krug in den nächsten Wochen, von UKA habe es hingegen bislang nur ­eine Voranfrage gegeben, erläutert Gabriele Fischer, RP-Sprecherin. Das Gebiet Görzhäuser Hof gilt als eine der landesweiten Windenergie-Vorrangflächen und ist vergangenes Jahr im Teilregionalplan Mittelhessen aufgenommen worden.

Im November hatte das Stadtparlament den Weg für die ­Errichtung von Windrädern grundsätzlich freigemacht, den alten Flächennutzungsplan geändert. Um das Projekt Görzhäuser Hof und generell eine­ „geordnete Entwicklung der Windkraft im Stadtgebiet zu ermöglichen“ sei das geschehen, hieß es vom Magistrat.  

Bei CDU und FDP herrschte damals Skepsis, weil „faktisch auf allen möglichen Flächen der Windradbau freigegeben“ werde und sich die Kommune über die Änderung des Flächennutzungsplan eine Veto-Möglichkeit nehme – das hingegen bestreitet der Magistrat mit Verweis auf das RP: Die Klage  eines Investors und dessen Bau würde genehmigt, die Stadt könne den Prozess nicht verhindern.

In Michelbach wecken die aktuellen Geschehnisse jedenfalls Erinnerungen an die monatelange Kontroverse rund um den „Lichter Küppel“ nahe Moischt. Mehrere Besucher einer Bürger-Informationsveranstaltung äußerten vergangene Woche Kritik an den Planungen. Neben der Sorge um die Wertminderung von Immobilien und Auswirkungen auf die Qualität des Naherholungsgebiets etwa durch Waldrodung, fürchten Naturschützer „gravierende Konsequenzen speziell für viele Vogelarten“, wie Professor Martin Kraft, Ornithologe auf OP-Anfrage sagt (Bericht folgt).

Das Vorhaben der Stadtwerke am „Lichter Küppel“, zu dem Kraft Parallelen sieht, wurde nach anhaltenden Protesten mit Verweis auf die Gefährung von Rotmilan-Brutpaaren gestoppt. Nach jüngsten Aussagen der Stadtverwaltung gebe es für den Standort, der auch weiterhin als Wind-Vorrangfläche im Teilregionalplan ausgewiesen ist, derzeit und wohl auch über viele Jahre keine Interessenten.

von Björn Wisker

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