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„Noch viel schlimmer als vermutet“

Windkraft „Noch viel schlimmer als vermutet“

Gegner der geplanten Windkraftanlagen in der Nähe des Görzhäuser Hofs wollen mit einer Unterschriftenliste beweisen, dass die Mehrheit der ­Michelbacher das Projekt ablehnt.

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So sieht der Blick vom Ortenberg in Richtung Schloss und Elisabethkirche aus, wenn am Görzhäuser Hof vier Windkrafträder installiert sind. Das glauben jedenfalls Windkraftgegner aus Michelbach.

Quelle: Foto: Heinrich Stürzl, Wikipedia, CC BY-SA-3.0, Visualisierung: Stefan Muth

Michelbach. Das Interesse an dem Thema ist riesig: Obwohl gar nicht auf der Tagesordnung des Ortsbeirats, waren die mehr als 50 Besucher einzig wegen der Errichtung von vier Windrädern im Bereich Görzhäuser Hof gekommen.

Der Ortsbeirat reagierte darauf, dass er kurz entschlossen eine halbstündige Diskussion über die Windräder zuließ.

Ortsvorsteher Peter Aab gab zuerst einen Überblick über den aktuellen Stand der Planungen und der Haltung des Ortsbeirats, der die Windkraft in der Vergangenheit prinzipiell positiv bewertete.

Konkret, so berichtete Aab, handle es sich heute um die Errichtung von 4 Windrädern der Firma Siemens mit einer ­Nabenhöhe von 165 Metern (die OP berichtete).

Die Firma „Krug Energie“ als Investor habe angeboten, eine der Anlagen genossenschaftlich zu betreiben und so Einwohner am Projekt und dem wirtschaftlichen Erfolg zu beteiligen.

Darüber hinaus werde freiwillig eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgenommen. Sämtliche Gutachten, seien aber derzeit noch in Arbeit.

Weiterhin habe Krug in der Sitzung im Dezember 2015 zugesichert, dass man sich bei großem Widerstand seitens der Bevölkerung aus dem Projekt zurückziehen werde.

Aus dem Publikum gab es Kritik an der Stadt Marburg, die durch ihre Genehmigung zum Teilregionalplan Energie Mittelhessen im November 2016 erst die Türe zum Bau der Windkraftanlagen geöffnet habe.

Der Firma Krug Energie wurde bei ihrer Informationsveranstaltung am 17. Februar (wir berichteten) eine „Verschleierungsaktion“ vorgeworfen, weil entgegen der ursprünglichen Planung die Windräder noch einmal um 10 Prozent größer ausfallen werden.

Inzwischen liegen maßstabsgetreue Visualisierungen vor, die den Blick von und nach Marburg nach dem Bau der Windräder simulieren. „Viel schlimmer als vermutet“, findet Windkraft-Gegner Thomas Riedel den Anblick.

Er fragt sich, ob die Stadtverordnetenversammlung sich über die Auswirkungen im Klaren war, als sie im November 2016 beschloss, den Flächennutzungsplan für das Gebiet an den Teilregionalplan Energie anzupassen.

Oberbürgermeister verweist auf das RP

Ein von Windkraftgegnern angestrebtes Gespräch mit Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies kam nicht zustande. Spies schrieb an Riedel, der Investor habe grundsätzlich ein Recht, in Görzhausen Windräder zu bauen. „Daran kann die Stadt nichts mehr ändern“, schrieb Spies.

Entscheidend sei jetzt nur noch, ob das Regierungspräsidium als Immissionsschutzbehörde die konkreten Bauvorhaben genehmigt. In dem öffentlichen Verfahren seien Einwendungen und Stellungnahmen möglich.

„Sind die Einwendungen stichhaltig, werden sie Einfluss auf die Entscheidung des ­Regierungspräsidenten haben“, schrieb Spies.

Inzwischen sind mehr als 140 Menschen, überwiegend aus Michelbach, in einem Mailverteiler organisiert, über den Informationen und Ideen zum Widerstand gegen die geplanten Windräder ausgetauscht werden.

Riedel teilte zudem mit, dass bis zum Wochenende ein Flyer für eine Unterschriftenliste fertig sein soll, mit der möglichst eine Mehrheit im Ort gegen die Windräder dokumentiert werden soll. Man geht auch davon aus, dass sich die angrenzenden Ortsteile, die ebenfalls betroffen sind wie Wehrshausen, Marbach, Wehrda ähnlich organisieren, wenn bewusst wird, was es bedeutet, solche Großwindräder auf den Hügeln von Michelbach zu haben. „Krug Energie“ hatte angekündigt, auf den Bau zu verzichten, wenn der ­Widerstand zu groß sei.

Applaus erntete der Ortsbeirat mit dem Vorschlag, eine separate Bürgerversammlung zum Thema Windräder am Standort „Görzhäuser Hof“ durchzuführen. Diese soll voraussichtlich im Zeitraum zwischen dem 18. und 21. April mit einem Vertreter von Krug Energie stattfinden. Der Ortsvorsteher will sich bemühen, auch einen Vertreter der Genehmigungsbehörde vom Regierungspräsidium dazu einzuladen.

Der Ortsbeirat habe seine Bereitschaft erklärt, gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, sollte die Ablehnung der Windkraftpläne dem Willen der Mehrheit der Bevölkerung entsprechen, berichtete Riedel. Diesen Willen wolle man durch die ­Unterschriftensammlung dokumentieren. Auch einen ersten Rücktritt hat das Thema Windkraft in Michelbach bereits gefordert. Ohne genauer auf die Hintergründe einzugehen, sagte das langjährige Ortsbeiratsmitglied Christian Kutschera (CDU), dass er wohl nicht mehr viele Michelbacher Bürger vertrete und verabschiedete sich aus dem Gremium.

von Till Conrad
und Heinz-Dieter Henkel

Hintergrund: Visualisierung

Die Visualisierung stammt von Stefan Muth, CDU-Stadtverordneter und Gegner der Windkraftpläne. Muth erläutert gegenüber der OP seine Methodik:

„Die Größe der Windräder ist berechnet nach der Entfernung der Räder vom Sichtpunkt sowie Referenzpunkte wie Elisabethkirche, Luftlinienentfernung Schloss/E-Kirche. Darüber hinaus wurden Entfernungen aus dem Geländequerschnitt und Entfernungen aus Luftbildaufnahmen in Bezug zur Windradgröße und Sichtpunkt in Korrelation gesetzt. Die Höhe der abgebildeten Windräder ergibt sich also aus der Entfernung vom Standort zum Sichtpunkt und der Bauhöhe der WEA´s.“

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