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Neue Visualisierung ergibt anderes Bild

Windkraft Neue Visualisierung ergibt anderes Bild

Die Firma Krug Energie hat eine eigene Visualisierung von den geplanten Windkraftanlagen am Görzhäuser Hof anfertigen lassen. Auf ihr sind die Anlagen deutlich weniger auffällig als auf der der Windkraftgegner.

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Windräder über Marburg: Die Visualisierung im Auftrag der Krug Energie GmbH  sieht einen deutlich kleineren Einfluss auf das Stadtbild als die  von Stephan Muth von der Bürgerinitiative Windkraft Görzhausen.

Quelle: Bioplan

Michelbach. Die Visualisierung stammt von einem Büro für Umwelt-, Landschafts- und Freiraumplanung in Marburg und Höxter. Sie zeigt die geplanten Windenergieanlagen deutlich kleiner als die Visualisierung von Stephan Muth von der Bürgerinitiative Windkraft Görzhausen und zudem an einem anderen Standort. „Die Visualisierung der BI ist falsch“, sagt Geschäftsführer Steffen Krug vor der heutigen Sitzung des Ortsbeirats in Michelbach (19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus), in der es erneut um die geplanten Windkraftanlagen geht.

Windräder über Marburg: Die Visualisierung im Auftrag der Krug Energie GmbH  sieht einen deutlich kleineren Einfluss auf das Stadtbild als die von Stephan Muth von der Bürgerinitiative Windkraft Görzhausen.     Foto und Montage unten: Bioplan/Foto oben: Heinrich Stürzl, Wikipedia, CC BY-SA-3.0. Montage oben: Stephan Muth

Benjamin Gereke von dem ausführenden Fachbüro erläutert seine Berechnungsmethode: Der Fotomontage liege ein Kameramodell zugrunde, das in der Lage ist, einem Punkt auf einer Karte mit bekannten Koordinaten (X, Y und Z) die korrekte Position auf einem zweidimensionalen Foto zuzuweisen.

Vom gleichen Standpunkt aus fotografiert

Wenn dieses Kameramodell mit den nötigen Daten versehen wird (z.B. Position des Fotografen, Richtung der Aufnahme), könne eine perspektivische Darstellung einer Windenergieanlage mit korrekten Proportionen auf dem Foto erzeugt werden. Entscheidend sind Faktoren wie die Höhe des Fotografen über dem Boden und die Brennweite der Kamera. Eine Brennweite von etwa 47 mm kommt der Wahrnehmung durch das menschliche Auge am nächsten.

Das Büro habe die Koordinaten des von der BI verwendeten Fotos ermittelt und vom gleichen Standpunkt aus fotografiert.

Krug wendet sich gegen Vorwürfe der BI, das Unternehmen habe bislang unzureichend ­informiert. Bürger, Standortfirmen und der Ortsbeirat seien bereits seit 2015, ein Jahr vor Beschluss des Regionalplans, fortlaufend informiert worden und hätten den Planungen zugestimmt. „Unsere Zusage bleibt bestehen, dass wir, wenn alle Gutachten vorliegen, eine freiwillige öffentliche Beteiligung durchführen werden“, sagte Krug. Krug habe in allen Gesprächen mit dem Ortsbeirat mitgeteilt, dass die Umsetzung des Projekts von der Zustimmung der beteiligten Gremien abhängig sei. Krug Energie stelle sich weiter der fachlichen Auseinandersetzung und werde „alle genehmigungsrelevanten Unterlagen der Öffentlichkeit zur Einsicht“ geben.

Die BI hat unterdessen in Michelbach eine Unterschriftenliste kursieren lassen, in der die Bürger ihre Meinung über die Windkraft-Pläne äußern konnten. Als Zwischenstand teilte­ Vorsitzender Thomas Riedel mit, dass schon jetzt 800 Menschen mit Wohnsitz in Michelbach gegen die Windkraftpläne gestimmt hätten: „Das sind schon jetzt 53,6 Prozent der Wahlberechtigten bei der Kommunalwahl 2016“, sagte Riedel. Die Sammlung werde fortgesetzt.

Die BI Windkraft Görzhausen bemüht sich weiter um Anträge der Marburger Ortsbeiräte an den Magistrat, alles zu tun, um das Vorhaben zu stoppen. Auch unter den Standortfirmen soll noch einmal um Unterstützung geworben werden.

von Till Conrad 

Befürworter werben für Geduld bis zum Gutachten

Kritik an den Kritikern: Der Grünen-Politiker Uwe Volz fordert im Zuge der Energiewende „mehr Solidarität statt immerwährendes Sankt-Florians-Prinzip“ in Marburg.

„Die Kriterien für den Bau, und auch die Belastungen durch Windräder sind überall in Mittelhessen gleich“, sagt Volz, Ex-Grünen-Stadtverordneter und Kopf der parteiinternen Umwelt-Arbeitsgruppe. Der Sinn von Vorranggebieten wie Görzhäuser Hof sei es, „den Großteil der Flächen im Land von Windkraftanlagen freizuhalten.“ Deshalb sei es „unfair und unsolidarisch“, die Vorzüge erneuerbarer Energien zu genießen, etwaige Auswirkungen – die Bewohner etwa in Rauschenberg oder anderen Landkreiskommunen haben – aber nicht mittragen zu wollen.

Es werde nun auch in Michelbach „so getan, als ob die schnell im Internet gefundenen Anti-Argumente wie Schattenwurf, Abstände zu Siedlungen, Lärm, Immobilienwerte und Vogelschlag noch nie anderswo eine Rolle gespielt hätten und bei Einzelfallprüfungen ignoriert würden.“ Vielmehr sei es so, dass die bevorstehende Prüfung nach Leitlinien des Bundes-Immissionsschutzgesetzes – „eine der umfangreichsten und komplexesten überhaupt“ – durchaus ergeben könnte, dass einzelne Windräder gar nicht oder nur kleiner gebaut werden dürften. Sollte eine oder gar mehrere der vier geplanten Anlagen tatsächlich das Schloss oder die Oberstadt überragen – wie Kritiker in ihrer Visualisierung darstellten – hätten die Vorhaben „gar keine Genehmigungs-Chance“. Hintergrund sei ein „dann sicheres Veto“ der Denkmalschutzbehörden, die ins Genehmigungsverfahren ohnehin einbezogen werden.

Windstärken beruhen auf einem Rechenmodell

„Es kann nicht ehrlich und solidarisch sein, wenn Bürger meinen, die Windräder könnten ja über die kleinen Orte des Landkreises verteilt werden. Dort wo die Energie benötigt wird, wäre es, sofern möglich, sehr sinnvoll, sie zu erzeugen. Das trifft bei dem hohen Energieverbrauch der Behringfirmen ganz besonders zu“, sagt Peter Reckling, Dagobertshausens Ortsvorsteher, auf OP-Anfrage.

Im Vorfeld der Benennung der Vorrangflächen – zu denen neben Görzhäuser Hof auch weiterhin der „Lichter Küppel“ nahe Moischt zählt – gab es laut Grünen-Umweltpolitiker Volz überall Rechenmodelle für zu erwartende Windstärken. Diese­ ergaben für die Fläche bei ­Michelbach Geschwindigkeiten, die über das Mindestmaß von 5,75 Meter pro Sekunde hinausgehen. Und im Gegensatz zu Wehrshausen, Elnhausen und Dagobertshausen sei ausreichend Abstand zu Rotmilan-Vorkommen gewahrt.

Volz und Reckling plädieren daher dafür, die vom Investor Krug Energie noch vorzulegenden Gutachten abzuwarten „und dann sachlich, auch kritisch, zu diskutieren“. Der Dagobertshäuser warnt vor Scheindiskussionen und Stimmungsmache“. Der Ortsbeirat werde sich in Kürze mit dem Thema befassen.

Eine Karte zum Thema finde sie hier

von Björn Wisker

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