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Von der Flüchtlingsfamilie zum Gastgeber

Neue Freundschaften Von der Flüchtlingsfamilie zum Gastgeber

Die Familie Barxhaj aus ­Albanien hat im Sommer 2015 im Flüchtlingscamp in Cappel gewohnt. Dabei hat sie neue Freunde gefunden. Vier Cappeler Familien haben die drei Albaner nun in deren ­Heimat besucht.

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Freundschaft über Ländergrenzen hinweg: Vier Cappeler Familien halten den Kontakt zu der albanischen Familie Barxhaj aufrecht, die im Sommer 2015 im Cappeler Camp gelebt hat.

Quelle: privat

Cappel. Als das Cappeler Flüchtlingscamp noch mit Leben gefüllt war, waren dort Familien aus den verschiedensten Herkunftsländern untergebracht. Eine davon war die Familie Barxhaj aus Albanien. Vier Monate lebte sie in dem Camp – und fand in dieser Zeit neue Freunde in dem Marburger Stadtteil.

„Die Familie kam regelmäßig in unseren Gottesdienst“, erzählt Pfarrer Wolf Glänzer. Vor allem der damals zwölfjährigen Tochter haben die Cappeler sich dann angenommen. „Eine Frau gibt hier Flötenunterricht und hat die Tochter der Familie dann in die Gruppe dazugeholt“, so Stephanie Nickel von der Kirchengemeinde. Denn sonst habe das Kind den ganzen Tag im Camp gesessen und keine Beschäftigung gehabt. Schließlich seien enge Kontakte entstanden, die Asylsuchenden aus Albanien fuhren mit ihren neuen Freunden zum Schloss und lernten Marburg kennen.

„Es war ja absehbar, dass sie nicht bleiben konnten“, sagt Glänzer. Dennoch wollten beide Seiten die neuen Verbindungen pflegen und nicht abreißen lassen. „Da sie nicht mehr herkommen können, müssen wir uns eben zu ihnen bewegen.“
Vier Familien aus dem Marburger Stadtteil sind daher vor kurzem nach Albanien gereist, um die Barxhajs zu besuchen und deren Land kennenzulernen. „Wir wollten keine Touristen sein, sondern mit den Menschen vor Ort sprechen, ihr Leben kennenlernen“, sagt Stephanie Nickel, die ihren siebenjährigen Sohn Felix dabei hatte.

„Die Familie lebt in Tirana in sehr einfachen Verhältnissen“

Die Familie Barxhaj unterstützte die Cappeler dabei, revanchierte sich nun und zeigte den Gästen ihre Heimat. „Die Familie lebt in Tirana in sehr einfachen Verhältnissen“, erklärt Nickel. Der Vater habe seine Arbeit nach der Rückkehr nicht wiederbekommen, die Mutter arbeitet sechs Tage in der Woche in einer Fabrik. „Das reicht gerade so zum Auskommen.“ Dennoch habe die Familie sich viel Zeit genommen, um den Gästen Tirana und das Land zu zeigen. So ging es etwa nach Pogradec in Ostalbanien, wo die Cappeler das deutsche Projekt „medizinische Nothilfe Albanien“ kennenlernten – ein kleines Café und eine Werkstatt, in der Menschen mit Behinderung arbeiten und eine orthopädische Werkstatt, in der Prothesen gefertigt werden. „Gerade Prothesen für Arme und Beine werden dort oft gebraucht“, erklärt Glänzer. Denn der Arbeitsschutz sei in Albanien viel schlechter als in Deutschland.

Überall spürbar sei trotz der Armut und der Probleme, mit welcher Aufgeschlossenheit und Kraft die Menschen in Albanien etwas verändern wollen. „Das hat uns beeindruckt“, so Glänzer. „Da steckt echter Optimismus drin und so ein positives Europabild. Sie wollen etwas lernen, etwas aufbauen und zu Europa dazugehören“, ergänzt Nickel.

Den Kontakt zur Familie Barxhaj wollen die Cappeler nicht abreißen lassen und auch das neu liebgewonnene Albanien weiter entdecken: Die nächste Reise ist daher schon geplant für den Herbst 2018. Die vier Familien und die Kirchengemeinde laden jetzt schon ein, sich bei Interesse zu melden und an den Planungen zu beteiligen.

von Patricia Grähling

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