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Straße wird nach Tom Mutters benannt

Industriepark Straße wird nach Tom Mutters benannt

Die Umbenennung des größten Teilstücks der ­Industriestraße ist jetzt doch beschlossene Sache: Das Stadtparlament stimmte einstimmig zu.

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Die Industriestraße im Kaufpark Wehrda wird in Tom-Mutters-Straße umbenannt.

Quelle: Thorsten Richter

Wehrda. Aus der Industriestraße wird die Tom-Mutters-Straße. „Die größte Ehrung, die einem Marburger Bürger zuteil werden kann, ist sicherlich die Benennung einer öffentlichen Straße oder eines Platzes nach seiner Person“, heißt es in der von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies unterzeichneten Magistratsvorlage, die dem Parlament in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause zur Abstimmung vorlag.

„Dass sein unermüdlicher Einsatz, sein radikales Streben für bessere Lebensbedingungen und die Lebensqualität für Menschen mit geistiger Behinderung seinen Ort in Marburg fand, war ein großes Glück für Marburg“, heißt es weiter in der Vorlage. Denn Mutters stehe wie wenige andere für das soziale Marburg (siehe Kasten „Biografie“ unten). Unter den im Stadtparlament vertretenen Parteien war es unstrittig, dass es eine Straßen­benennung nach dem im Februar vergangenen Jahres in Marburg verstorbenen Mitgründer der Bundesvereinigung Lebenshilfe geben sollte. Ein wichtiges Argument für eine Umbenennung der Industriestraße war unter anderem die Tatsache, dass dort auch die Lahnwerkstätten angesiedelt sind - die größte Behinderteneinrichtung der Lebenshilfe in Marburg.

Abstimmung fiel einstimmig aus

Unklar war im Haupt- und Finanzausschuss nur gewesen, ob der Ortsbeirat Wehrda ausreichend eingebunden gewesen war. In der Parlamentssitzung machte Oberbürgermeister Spies dann aber deutlich, dass in Wehrda jetzt alles geklärt worden sei. Dies habe er auch im Ältestenrat erklärt. Und so stand einer Abstimmung im Parlament über den Ehrungsantrag nichts mehr im Weg, ohne dass es noch zu einer weiteren Aussprache kommen musste.

Und diese Abstimmung fiel dann erwartungsgemäß einstimmig aus. Die Umbenennung in Tom-Mutters-Straße ist jetzt endgültig beschlossene Sache. Für die meisten an der bisherigen Industriestraße ansässigen Unternehmen seien die Umstellungskosten wegen der Adressenänderung vertretbar, so der Magistrat.

Alle Anlieger waren auch im Vorfeld angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten worden.

Wegen der mit der Straßenumbenennung verbundenen Kosten in sechsstelliger Höhe für ein einzelnes Unternehmen wird der hintere Teil der Industriestraße nicht umbenannt. Und deswegen erfolgt nur die Umbenennung von der Kreuzung Industriestraße/Cölber Straße/Am Kaufmarkt bis hin zum Wendekreisel für Lastwagen (die OP berichtete).

Biografie:

Tom Mutters wurde am 23. Januar 1917 in Amsterdam (Niederlande) geboren. Von 1958 bis zu seinem Tod am 2. Februar 2016 lebte er in Marburg. Als UNO-Beauftragter für ehemalige Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und andere von den Nationalsozialisten verschleppte Personen hatte Mutters in der Nachkriegszeit auch das Elend von geistig behinderten Kindern in den Lagern und in der hessischen Anstalt Goddelau kennengelernt, wo er 1952 die Verantwortung von rund 50 Flüchtlingskindern mit geistiger Behinderung übernahm.

1958 gründete er dann in Marburg zusammen mit Eltern und Fachleuten die Bundesvereinigung Lebenshilfe, deren Geschäftsführung er dann für 30 Jahre übernahm.

Mittlerweile ist die Lebenshilfe in Deutschland die größte Selbsthilfeorganisation für geistig behinderte Menschen und deren Angehörige. Sie hat rund 130000 Mitglieder und ist in 16 Landesverbände sowie 512 örtliche Vereinigungen aufgegliedert.

von Manfred Hitzeroth

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