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Storch erstmals wieder im Stadtgebiet

Störche in Schröck Storch erstmals wieder im Stadtgebiet

Wegen großflächiger Trockenlegung von Feuchtwiesen verschwanden sie Anfang der 60er-Jahre aus dem Landkreis, seit zehn ­Jahren sind sie zurück. Nun auch in Marburg.

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Drei Jungstörche brachte die erste erfolgreiche Brut im Landkreis vor zehn Jahren auf dem Schornstein einer ehemaligen Molkerei in Rauischholzhausen hervor. Foto: Winfried Kräling

Schröck. . „Heute konnte ich zum ersten Mal ein Weißstorchenpaar auf dem Brutmast bei Schröck beobachten“, schrieb Winfried Kräling am 31. März dieses Jahres in sein Beobachtungsbuch. Der Nabu-Storchenbeauftragte des Kreisverbandes Marburg-Biedenkopf beobachtet die Art seit über zehn Jahren. In seiner „Storchenchronik“ kann man auf seiner Webseite lesen. Neben dem Eintrag steht ein unscharfes Bild, das einen einzelnen Storch zeigt. „Das Schröcker Paar war ganz besonders scheu“, erklärt Kräling. Bis auf hundert Meter habe er sich ihm nur nähern können.

„1960 gab es die letzte Brut in Kirchhain“, so Kräling. Fast ein halbes Jahrhundert brütete danach im ganzen Landkreis nicht ein einziges Paar. Die Trockenlegung von unwirtschaftlichen feuchten Wiesen habe den Tieren ihren Lebensraum genommen, weiß der Vorsitzende der Marburger Nabu-Ortsgruppe,­ Eberhard Lübbeke. Sie ernährten ihre Jungen vorwiegend von ­Regenwürmern, auch Insekten, Amphibien und Mäuse dienten als Nahrung.

„Der Weißstorch galt lange als vom Aussterben bedroht“, erklärt Kräling. Dank der Schaffung von Lebensraum sowie der Änderung des Zugverhaltens der Vögel, sei die Population schließlich wieder gewachsen. „Sie flogen eigentlich immer in die südliche Sahara in Afrika, heute überwintern sie in Spanien“, so Kräling. Damit sei die Reiseroute nicht nur kürzer, sondern auch ungefährlicher geworden. Durch die steigende Population habe es die Tiere auf der Suche nach geeigneten Brutplätzen schließlich auch wieder in den Landkreis verschlagen.

„Die ersten siedelten auf einem stillgelegten Kamin einer Molkerei in Rauischholzhausen“, so Kräling. Vor zehn Jahren war das. Seitdem breiteten sie sich in Lahntal, im Wetschaftstal und im Ohmtal aus. „In der Radenhäuser Lache fand dieses Jahr eine Konzentration statt“, erzählt der Storchenbeobachter. Dort habe es neun Horste gegeben. Nicht nur die Brutmasten hätten die Paare genutzt, sondern auch eigene Nester auf Strommasten und Bäumen gebaut. Seit 2007 sei die Zahl der Jungtiere von drei auf 40 gestiegen.

„Während der Schlüpfzeit war es kalt und nass“, erinnert sich Kräling. Das habe einige Jungtiere das Leben gekostet. Vielleicht sei es auch der Grund gewesen, aus dem bei dem Schröcker Storchenpaar nur eines von zwei Jungen überlebte. „Das Gefieder von ihnen ist noch nicht wasserabweisend“, erklärt Lübbeke.

2013 habe der Nabu den Brutmast gemeinsam mit der unteren Naturschutzbehörde Marburg, den Stadtwerken sowie der Vogelschutzwarte Frankfurt aufgestellt. Im vergangenen Jahr habe sich bereits ein Männchen dort eingerichtet. Der Storch blieb jedoch ohne Weibchen.

Kräling rechnet damit, dass das Nest von nun an jährlich besiedelt wird. „Wir gehen davon aus, wenn dort einmal eine ­erfolgreiche Brut stattgefunden hat, kommen sie immer wieder.“ Bis zu 35 Jahren würden Störche alt.

Pläne, im Marburger Stadtgebiet weitere Brutmasten aufzustellen, gebe es derzeit keine, erklärt Lübbeke. „Die Nahrungsquelle muss stimmen“, so der Vorsitzende. Erst der ­Zuwachs an feuchten Gebieten würde eine solche Maßnahme sinnig machen.

Am Donnerstag um 20 Uhr in der Kulturscheune in Schröck hält Kräling bei der Marburger Nabu-Ortsgruppe einen Vortrag zum Thema

Krälings „Storchenchronik“ findet sich unter www.winis-homepage.jimdo.com

von Freya Altmüller

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