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Im Angesicht des Todes: geweint, gelacht, gelebt

St.-Elisabeth-Hospiz Im Angesicht des Todes: geweint, gelacht, gelebt

Todkranken Menschen ein würdevolles Sterben ermöglichen und den Hospizgedanken stärker in die Öffentlichkeit bringen – diesen Ansatz verfolgt das St.-Elisabeth-Hospiz Marburg seit 20 Jahren.

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Ex-Bundesjustizministerin Dr. Herta Däubler-Gmelin hielt den Festvortrag.

Quelle: Ina Tannert

Wehrda. Während eines feierlichen Empfangs in der Evangeliumshalle Wehrda sprach die ehemalige Justizministerin Dr. Herta Däubler-Gmelin (SPD), Schirmherrin des deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbandes. Sie hob Fortschritte der Hospizbewegung der vergangenen Jahrzehnte hervor, deren Wirken hin zu einem langsamen Ausbruch aus dem Tabuthema des „guten Sterbens“.

Dass ein Hospiz sein 20-jähriges Bestehen feiern könne – das sei ein Erfolg dieser Bewegung. Ebenso wie die Etablierung der Palliativmedizin als Ausbildungsfach, gegen den Widerstand der Ärzte, so die Referentin. Entwicklungen wie diese seien die ersten Schritte hin zu einem enttabuisierten Umgang mit der Sterbebegleitung, wie auch deren Eigenarten: dass etwa todkranke Hospizgäste rauchen können oder stark suchterzeugende Schmerzmittel nehmen – auch das gehöre zu einem würdevollen Ende mit dazu. Ebenso wie der letzte Besuch des geliebten Haustieres am Krankenbett. „Es ist ganz wichtig, diese Wünsche zu beachten, das Thema nicht zu verdrängen.“ Derlei Freiheiten von schwer kranken Menschen zu akzeptieren, müsse sich indes erst noch „in den Köpfen der Mediziner durchsetzen“.

„Wir brauchen wieder mehr Menschlichkeit“

Däubler-Gmelin sprach sich für eine Akzeptanz des Themas auf breiterer Ebene aus, „wir verdrängen diesen letzten Lebensweg, und das führt zu Angst“. Dabei reiche es nicht, einen menschlichen Umgang mit Kranken und Sterbenden nur innerhalb der Hospize suchen zu müssen, „Verantwortlichkeiten dürfen nicht in Schubladen gepackt werden“. So geschehen in Altenheimen oder Kliniken, wo Ärzte im straff geführten Klinikalltag mehr vor dem Computer als vor Patienten zu sitzen hätten.

Diese Tendenz gelte es nicht nur für das im Vergleich noch junge Hospizwesen zu verhindern, sondern generell für den medizinischen und palliativen Bereich zu verändern: „Wir brauchen wieder mehr Menschlichkeit“, forderte Däubler-Gmelin. Diesen Anspruch dürften nicht nur Hospize haben, „wir haben viel erreicht – das müssen wir jetzt in die Krankenhäuser und Altenheime tragen“. Dass die Hospizarbeit zunehmend Akzeptanz in der Öffentlichkeit erfahre, sehe man an der Stadt Marburg, in der diese „nicht nur Fuß gefasst, sondern Wurzeln getrieben hat“, lobte die Referentin.

Und die wuchsen zu Beginn noch langsam. Das St.-Elisabeth-Hospiz eröffnete im November 1997, damals noch im kleinen Rahmen in einem Seitenflügel des Elisabethenhofes, erinnerte Dr. Hans Albrecht Oehler. „Es war eng, aber gemütlich und hatte seinen eigenen Charme“, sagte der ärztliche Leiter des Hospiznetzes Marburg. Die Erweiterung von zwei auf zehn Zimmer folgte mit dem Umzug auf dem Gelände der Vitos-Klinik im Jahr 2012. Der Trägerverein wurde umbenannt, die Einrichtung wird seitdem gesamtverantwortlich von der St.-Elisabeth-Hospiz gemeinnützige GmbH geführt. Der Träger fördert die Hospizarbeit ideell und finanziell und sammelt Spenden, um den gesetzlich vorgeschriebenen Kostenanteil von fünf Prozent zu decken.

Landrätin lobt Einrichtung als „wertvolle Alternative“

Oehler dankte den Mitarbeitern wie Ehrenamtlichen der Einrichtung, von denen sich viele seit Jahren für den Hospizgedanken einsetzten, dafür, dem Tabuthema des begleiteten Sterbens seinen Schrecken zu nehmen. „Der Tod gehört zum Leben, im Hospiz ist er gegenwärtiger, und dennoch wird dort gelacht, geweint und gelebt“, sagte Oehler.

Die Entwicklung und Etablierung des Hospizes in der Stadt hoben mehrere Festgäste lobend hervor. „Es ist ein Glück für den Landkreis Marburg-Biedenkopf, dass es diese wertvolle Hospizarbeit gibt“, sagte Landrätin Kirsten Fründt (SPD). Sie bezeichnete die Einrichtung als „wertvolle Alternative“, als „einen Ort, der zum Sterben in schwierigen Situationen nicht besser sein kann“.

Wie Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) mitteilte, wolle die Stadt Marburg das 20-jährige Bestehen als Anlass nehmen, die „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen“ zu unterzeichnen, deren Ziele für eine verbesserte Betreuung zu unterstützen und „zur Maxime ihres Handelns zu machen“.

von Ina Tannert

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