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­„Rotschwänzchen“ feiern 1200 Jahre

Michelbach ­„Rotschwänzchen“ feiern 1200 Jahre

Vor 1200 Jahren wurde Michelbach erstmals urkundlich erwähnt. Gefeiert wird in mehreren Etappen.

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Heiner Heinzmann (links) überreicht dem Vorsitzenden des Fördervereins 1200 Jahre Michelbach, Konrad Schäfer, ein Exemplar der druckfrischen Festschrift. Im Hintergrund: ein Rotschwänzchen, das Michelbacher „Wappentier“.

Quelle: Till Conrad

Michelbach. „Wichhelm übergab dem heiligen Bonifatius seine Güter in der michelbergere­ marcha (Michelberger Mark) im Dorf Calantra (Caldern) vollständig und unversehrt mit Häusern, Äckern und Hörigen“: Mit diesem unspektakulären Satz aus dem Codex Eberhardis des Reichsklosters Fulda aus dem Jahr 817 tritt der Marburger Stadtteil Michelbach erstmals urkundlich in Erscheinung - vor 1200 Jahren.

Nachzulesen ist dieser Satz in der Festschrift „1200 Jahre Michelbach“, die „der Förderverein für die 1200-Jahr-Feier des Stadtteils Marburg-Michelbach“ herausgibt und die seit dieser Woche erhältlich ist. Vorläufig bei Helmut Richter, Am Lorch 9. Weitere Verkaufsstellen werden noch bekannt gegeben.

Konrad Schäfer, der Vorsitzende des Fördervereins, ist „stolz“ auf das gebundene Werk und dankt allen Autoren, insbesondere aber Heiner Heinzmann, der sich nicht nur um Satz und Grafik, sondern vor allem auch um die Organisation verdient gemacht hat.

Und Schäfer nennt zwei ­„Alleinstellungsmerkmale“, die Michelbach von allen anderen Orten der Welt unterscheidet: die Kirche und die Rotschwänzchen. Die Kirche, wahrscheinlich aus dem Ende des 12. Jahrhunderts, ist die älteste ununterbrochen genutzte Kirche auf dem Marburger Stadtgebiet, berichtet Stephan Muth in seiner Chronik. Sie besaß das Taufprivileg für die Region rechts der Lahn. „So etwas gibt es kein zweites Mal“, gerät Schäfer beim Gedanken an das Gotteshaus ins Schwärmen.

Erster Teil des Grenzgangs am 30. April

Und das Rotschwänzchen? ­Eigentlich ein kleiner, lebhafter Vogel mit grauen Federn und rotem Schwanz, der ständig auf- und abwippt. Warum, weiß keiner so ganz genau, aber das Rotschwänzchen ist zu einem Symbol für Michelbach geworden, erläutern Heinzmann und Schäfer. In den umliegenden Dörfern jedenfalls werden die Michelbacher gerne als die „Rotschwänzchen“ bezeichnet - so, wie es in Goßfelden die Sandhausen gibt, in Caldern oder in Warzenbach Frösche.

Schäfer jedenfalls freut sich über die Rotschwänzchen so sehr, dass er allen Michelbachern anbietet, ein Rotschwänzchen aus Holz für sie zu bauen. Während der Festtage soll eine Gruppe Rotschwänzchen auf dem Verkehrskreisel zwischen Hauptdorf und Michelbach-Nord zudem die Gäste begrüßen.

Die Vorbereitungen für das Festprogramm sind derweil weit vorangeschritten: Es beginnt am Sonntag, dem 30. April, mit dem ersten Teil des Grenzbegangs. Abgeschritten werden soll der westliche Teil der Grenze zu ­Dagobertshausen, Elnhausen und Caldern. „Wir wollen den jüngeren Leuten und den vielen Neubürgern zeigen, wie groß die Grenze ist“, sagt Schäfer.

Stehender Festzug am 15. Juni

Kleine Nettigkeit am Rande: Auch die Bürger von Caldern begehen am 30. April ihre Grenze. Für das Verhältnis zwischen den beiden Dörfern spricht, dass der Frühstücksplatz, an dem die Grenzbegeher am Vormittag rasten werden, von den „Rotschwänzchen“ aus Michelbach und den „Ochsen“ aus Caldern gemeinsam genutzt wird.

Das Treffen von den Calderner Grenzgängern auf dem Frühstücksplatz findet fast genau auf der Gemarkungsgrenze statt. Ein gemeinsamer Frühstücksplatz bei Grenzbegehungen zweier Dörfer - das dürfte eine absolute Rarität bei den Grenzbegehungen sein - die allerdings in Michelbach nicht die Tradition haben wie etwa in Buchenau oder in Biedenkopf.

Der zweite Teil des Grenzgangs soll dann am 26. August stattfinden. Begangen wird dann die Grenze zu Sterzhausen, Goßfelden und Wehrda.

Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten wird aber die Festwoche vom 14. bis zum 18. Juni sein. Sie wird gekrönt von einem stehenden Festzug am 18. Juni zwischen 11 und 18 Uhr.

von Till Conrad

Festprogramm

23. April , 17 Uhr: Vortrag in der Martinskirche: „In Siebenmeilenstiefeln durch die Geschichte Michelbachs“

30. April , 8 Uhr: Grenzgang, Teil 1: Abmarsch der Gemarkungsgrenzen zu Dagobertshausen, Elnhausen und Caldern. Ab 12 Uhr musikalische Unterhaltung auf dem Frühstücksplatz durch die Grenzgangmusikanten Goßfelden.

14. Juni , 18 Uhr: Gedenkfeier am Ehrenmal, anschließend Kommers und „Michelbacher Abend“ im Festzelt

15. Juni , 15 Uhr: Familiengottesdienst mit Mini-Musical in der Martinskirche, 16.30 Uhr Kirchenführungen, 19 Uhr Chorkonzert „N-Joy-Chor“

16. Juni , 16.30 Uhr: Kirchenführungen, 18 Uhr: Vortrag „Reformation in Michelbach 1529“, 20 Uhr: Beach Party

17. Juni , 16.30 Uhr Kirchenführungen, 18 Uhr Schlagerparty mit „Aischzeit“

18. Juni, 9.30 Uhr: Mundartgottesdienst, 11 Uhr stehender Festzug.

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