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Riesen-Eiswaffel in Cappel gestohlen

Facebook-Fans helfen bei der Suche Riesen-Eiswaffel in Cappel gestohlen

Ein kurioser Diebstahl sorgt derzeit für Entrüstung in Cappel: Der themengerechte Mülleimer in Form einen über­dimensionalen Eiswaffel ist verschwunden.

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Manfred Stein zeigt die Stelle, wo der gestohlene Eiswaffel-Mülleimer bis vor kurzem noch stand.Fotos: Ina Tannert, privat

Cappel. Der Frühling kündigt sich an, die Sonne bekommt zunehmend Kraft, bald beginnt die Eissaison. Der fiebern auch in Marburg viele Eisliebhaber entgegen. In Cappel wird die Vorfreude jedoch von einem dreisten Diebstahl der besonderen Art getrübt.

Seit Jahren steht vor der unter Eisfans beliebten Eisdiele „Adria“ ein themengerechter Mülleimer in Form einer überdimensionalen Eiswaffel. Das gelbe Gebilde gehörte bis vor kurzem fest ins sommerliche Straßenbild am Cappeler Markt. Anfang Januar stahlen Unbekannte das urige Konstrukt. Inhaber Manfred Stein ist empört über den dreisten Diebstahl eines sichtbar zu der Eisdiele gehörenden Utensils. „Ich verstehe nicht, warum jemand so etwas tut. Es war ein originelles Stück, vor allem die Kinder haben sich darüber gefreut“, erzählt der in der Stadt gut bekannte Eisverkäufer. Er hatte den Mülleimer um Silvester herum vorübergehend draußen stehen gelassen. Nach seiner Rückkehr, einige Tage später, klaffte eine Lücke vor seinem Laden.

Dabei kann der Transport des massiven Mülleimers nicht leicht gewesen sein. Das unhandliche Gebilde im Wert von mehr als 300 Euro hat einen massiven Fuß, „das ist richtig schwer, mindestens 30 Kilogramm, einer alleine kann das kaum tragen“, erzählt Manfred Stein. Er vermutet, dass das Stück von mindestens zwei Personen heimlich in der Nacht weggeschafft wurde, wahrscheinlich in einem Kleintransporter, „da muss sich jemand wirklich Mühe gegeben haben.“

Seit 1980 betreibt Manfred „Manni“ Stein seine Eisdiele mitten in Cappel, hatte seinen Laden vorher schon in der Schwanallee. „Seit 1974 bin ich mit dabei im Eisgeschäft, aber das ist mir noch nicht passiert“, erzählt er. In den nächsten Jahren plant er, in Rente zu gehen, „man wird auch nicht jünger“, erzählt der 67-Jährige. Eine seiner letzten „Eis-Zeiten“ muss er nun ohne das gelbe Maskottchen beginnen.

„Das war keiner von hier, den Leuten vertraue ich“

Der allseits bekannte Eismann gilt längst als Kultfigur im Stadtteil und hat so einige Fans. Es gibt Facebook-Gruppen über die Eisdiele und „ihren Manni“ mit hunderten Mitgliedern. Die Fans posten Fotos vom neuesten Lieblingseis, hübsch dekorierten Eisbechern, Bilder mit Manni und tauschen sich über die anstehende Eissaison aus. Von dem kuriosen Diebstahl sind so einige Fans empört. „Das ärgert mich, die Leute nehmen sich einfach, was sie haben wollen“, findet etwa Timo Graf, langjähriger Stammkunde der Eisdiele und Admin der Internet-Gruppe. Er erfuhr Mitte Februar von der verschwundenen Waffel-Figur, schaltete einen Aufruf, der bislang mehr als 200 Mal geteilt wurde. „Das ist dreist, darauf muss man aufmerksam machen“, ärgert sich Graf über den Diebstahl bei seiner Lieblings-Eisdiele. Insbesondere, da ein kleiner traditioneller Laden betroffen sei. „Wir hoffen, das Teil wird gefunden und kommt wieder zurück“, sagt er. Von einer Anzeige hat Manfred Stein abgesehen. Er vermutet, dass um Silvester herum ein oder zwei Passanten auf der Durchreise die Gelegenheit nutzten und den Mülleimer mitnahmen. „Das war keiner von hier, den Leuten vertraue ich“, ist er sich sicher.

An dem bisherigen Stellplatz will der Eismann demnächst einen neuen Abfalleimer aufstellen, allerdings keinen in besonderer Eis-Form, „die sind ja auch teuer“, erzählt Stein betrübt.

Seine Fans bitten die Öffentlichkeit darum, die Augen nach dem auffälligen Eiswaffel-Mülleimer offen zu halten. Mindestens ein großes Eis ist dem Finder schon mal sicher.

von Ina Tannert

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Riesen-Eiswaffel
Eisverkäufer Manfred Stein (links) freut sich über seinen Eis-Mülleimer, den ihm Timo Graf zurückgebracht hat.

Gut zehn Wochen nach dem dreisten Diebstahl, einer großen Such-Aktion über soziale Netzwerke und einem OP-Artikel am Montag stand die Eiswaffel am Dienstagmorgen auf dem August-Bebel-Platz.

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