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Raritäten erinnern an alte Pionierzeit

Rennrad-Sonderausstellung Raritäten erinnern an alte Pionierzeit

Am 23. April gibt es wieder grandiose „Oldies“ im Doppelpack zu sehen. Attraktive Polizei-Einsatzfahrzeuge ab den 50er-Jahren sowie einmalig – und auch in der Zusammenstellung einmalig – klassische Rennräder.

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Timor Shams (links) und Georg Kaiser präsentieren das Stollenwerk-Rennrad von 1951 mit Original-Lohmann-Sattel. Die Schriften und Bilder auf dem Rahmen sind in einem Top-Zustand.

Quelle: Götz Schaub

Cyriaxweimar. „Träume sind dazu da, gelebt zu werden. Und manchmal gehen auch ganz kuriose Träume in Erfüllung.“ Mit diesem Satz begann im vergangenen Jahr der Artikel über die Rennrad-Ausstellung im Polizeioldtimer-Museum.

Damals präsentierte Mitorganisator Georg Kaiser für diese­ Ausstellung ein  historisches Rennrad des fünffachen ­Tour-de-France-Siegers Jacques ­Anquetil aus dem Jahr 1965. Damals sprach der ehemalige Amateurradrennfahrer davon, dass sich für ihn ein Traum erfüllte, ein solches Rad einmal zu besitzen.

Rennräder und Einzelstücke zu bewundern

Was er dabei verheimlichte: Er hat noch mehr Träume. Und einer hat sich binnen eines Jahres ebenfalls erfüllt. „Wirklich ganz unverhofft. Damit war nicht zu rechnen“, sagt Kaiser. Sein zweites Traumrad, das am 23. April neben rund 30 anderen Rädern im Polizeimuseum zu bewundern ist, ist ein Rennrad des Aachener Herstellers Matthias Stollenwerk. Typ „Grand Prix“ von 1951. „Früher wurden die Rennmaschinen gefahren bis sie kaputt waren. Dann wurden sie natürlich  weggeschmissen. Das ist der Grund, warum es heute nicht mehr so viele davon gibt. Stollenwerk war vor wie nach dem Zweiten Weltkrieg ein erlesener Rennradhersteller. Die Firma durfte sich damit rühmen, dass es praktisch kein Straßenrennen gab, das nicht einmal von einem Fahrer eines Stollenwerk-Rads gewonnen wurde. Matthias Stollenwerk selbst fuhr Bahnrennen. In den 50er- und 60er-Jahren war im Marburger Raum Arnold Jung „der“ Name im Radsport. „An ihm führte kein Weg vorbei, wenn man Rennfahrer werden wollte“, sagt Kaiser.

Jung stammte aus Aachen und wusste deshalb umso besser um die Qualität der Stollenwerk-Räder, die er in seiner Zeit als Fahrradhändler auch in Marburg verkaufte – als einziger hiesiger Anbieter. „Die waren schon damals sehr teuer, es war einfach was Besonderes“, schwärmt Kaiser. Und dann das: Über einen Nachlassverwalter erhielt er die Nachricht, dass in einem Haus bei den Räumungsarbeiten tief unten im Keller unter alten Möbeln liegend ein Fahrrad gefunden worden sei. „Die Reifen waren praktisch nur noch Staub“, erzählt Kaiser. Doch der Rahmen sagte ihm alles. Es handelte sich um ein Stollenwerk-Rad von 1951. „Ein Wunder, ein Glücksfall“, sagt er. Er geht davon aus, dass das Rad gute 40 Jahre in absolute Vergessenheit geraten ist.

Hintergrund

Die Rennrad-Sonderausstellung ist am Sonntag, 23. April,  von 10 bis 17.30 Uhr im Rahmen der Saisoneröffnung des Polizeioldtimer-Museums Cyriaxweimar, Herrmannstraße 200, zu sehen. Die Zufahrt zum Museum liegt an der Kreisstraße 69.

Jetzt erlebt es alle Huldigungen für diese grobe Missachtung. „Das kann nur ein Rad sein, dass Arnold Jung hier verkauft hat“, sagt Kaiser. Und so schließt sich für ihn ein ganz persönlicher Kreis, nun erstmals Besitzer eines solchen Rads zu sein. Zu den Ausstellern im ­Polizeimuseum gehören auch  Timor Shams und Thomas Bruns. Beide sind passionierte­ Sammler von Rennrad-Oldies. Bruns bringt unter anderem ein Rad mit einem Teledyne-Rahmen von 1974 mit. Und aus Wiesbaden wird Olaf Splittgerber erwartet, der historische Räder sammelt und verkauft, vornehmlich französische Fabrikate. Er bringt echte Weltmeister-Räder mit. Unter anderem eins, das von Greg LeMond gefahren wurde.

Der US-Amerikaner LeMond gewann 1986 als erster nicht-europäischer Radprofi die Tour de France „Wir haben uns bemüht, eine Zeitschiene von den 50er-Jahren bis Anfang der 80er abzudecken, aber dabei das zu zeigen, was damals das Beste vom Besten war“, sagt Kaiser. Wer ein bisschen Zeit mitbringt, kann sich während der Ausstellung auch selbst ein Bild davon machen, wie sich die Rennmaschinen entwickelten, allein bei der Wahl des Materials für den Rahmen und was die Vor- und Nachteile von Stahl- und Aluminiumrahmen waren.

von Götz Schaub

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