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Polizeieinsatz wegen Heckenschnitts

Naturschutz Polizeieinsatz wegen Heckenschnitts

Ein Streit um das Schneiden einer Hecke hat die Polizei auf den Plan gerufen. Doch die Hausbewohnerin bekam nicht die erhoffte Hilfe – stattdessen sei ihr noch ihre Kamera brutal von den Beamten weggenommen worden.

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Siegrid Schroer ärgert sich über den Heckenschnitt in ihrem Garten. Das Umweltamt der Stadt sieht jedoch keinen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Quelle: Patricia Grähling

Richtsberg. Siegrid Schroer ist sichtlich aufgeregt. Eine Gartenbaufirma hat dieser Tage im Garten des Mehrfamilienhauses gearbeitet, in dem sie lebt – und ist den Pflanzen laut Schroer radikal zu Leibe gerückt – trotz Brutzeit der Vögel. Die herbeigerufene Polizei habe ihr nicht geholfen, sondern habe sie brutal am Arm gepackt und den Film aus ihrer Kamera genommen.

Anlass des Streits: Die Hecke­ am Gehweg ist laut Schroer um mehr als einen Meter gestutzt worden. Im Garten wurde zudem ein Hang gemäht.

Den Arbeiten fielen laut ­Schroer unter anderem Holundersträucher, Margeritenwiesen und Brennnesseln zum Opfer, ebenso wie zahlreiche weitere Pflanzen, in denen Vögel und Schmetterlinge lebten. „Hier wurde noch gebrütet“, ereiferte sich Schroer.

Sie habe daher die Arbeiter gebeten, mit dem Stutzen der Hecken aufzuhören. „Die haben mich nur ausgelacht“, sagt sie. Auch der angerufene Hausverwalter, der die Gartenarbeiter beauftragt hatte, habe Schroer nicht ernst genommen, sondern behauptet, dass jetzt keine Vögel mehr brüten würden. Deswegen rief die Bewohnerin des Hauses in der Sudetenstraße die Polizei zu Hilfe. Diese habe sie jedoch nicht bekommen, sie sei im Gegensatz sogar noch hart angepackt worden.

„Die kamen erst nach einer Stunde“, klagt Schroer. Dann hätte einer der Polizeibeamten ihr gesagt, dass er Jäger sei und daher wisse, dass nun keine Vögel mehr brüten würden. Einer der Arbeiter habe dann gesagt, dass Schroer fotografiert habe. „Dann haben die Polizisten mich am Arm gepackt und meinen Fotoapparat aus meiner Tasche genommen.“ Erst nach einer Beschwerde in der Zentrale habe sie den analogen Fotoapparat zurückbekommen – allerdings ohne Film. „Den will ich zurückhaben, unbeschadet“, fordert Schroer. Schließlich seien dort auch noch andere private Fotos drauf.

Bei der Polizei bekomme sie keinen Verantwortlichen ans Telefon, werde nur hin und her verbunden. „Da fühlt man sich als Bürger derart im Stich gelassen!“ Dabei habe sie den Polizisten erklärt, dass die Arbeiter auf den Fotos nicht zu erkennen seien – sie habe lediglich den Schnitt der Hecke dokumentieren wollen. „Aus Verhältnismäßigkeitsgründen hatten die Beamten die Kamera nicht geöffnet“, sagt hingegen Polizeisprecher Martin Ahlich. „Ein Fehlverhalten der Beamten ist nach den Ermittlungen nicht erkennbar. Eine entsprechende Anzeige hat Frau Schroer bislang nicht erstattet.“ Auch habe die Polizistin Schroer nicht gepackt, sondern nur am Arm gehalten, da sie mit der Kamera habe gehen wollen.

Siegrid Schoer schaltete das Umweltamt ein

Schroer erklärt, sie habe den Vorfall mit der Hecke dokumentieren wollen. „Die Arbeiter haben gesagt, sie machen nur zehn Zentimeter Pflegeschnitt. Aber die haben einen Meter abgeschnitten“, regt sich Schroer­ auf. Mit diesen Vorwürfen hat Schroer auch das Umweltamt der Stadt Marburg eingeschaltet.

„Ein Mitarbeiter des Fachdienstes hat sich vor Ort an dem betreffenden Grundstück ein Bild von den dort ausgeführten Mäh- und Schnittarbeiten gemacht“, teilte Birgit Heimrich von der Pressestelle der Stadt mit. „Laut einer ersten vorläufigen Einschätzung des Fachdienstes liegt der getätigte Rückschnitt – unter anderem auch das Freischneiden des Bürgersteiges von überhängenden Ästen für die Verkehrssicherheit – im Bereich des Zulässigen.“

Allerdings sei die Prüfung noch nicht abgeschlossen. Ob brütende Vögel gestört wurden, könne der Fachdienst allerdings im Nachhinein nicht mehr feststellen. Wegen der Gehölzstruktur sei es unwahrscheinlich, dass sich in der Hecke ein Nest befunden habe. Schroer sieht das anders: „Die Amsel, die mich jeden Morgen wachgesungen hat, ist nicht mehr da.“

Hecken und Bäume dürfen in der Zeit zwischen 1. März und 30. September nicht geschnitten werden, lediglich Pflegeschnitte sind erlaubt. Das regelt das Bundesnaturschutzgesetz. Demnach ist es also nicht erlaubt, Holundersträucher zu entfernen.

Erfährt die Stadt von solchen Verstößen, wendet sie sich laut Heimrich in der Regel an die Grundstückseigentümer. Im Fall der Sudetenstraße habe das Umweltamt bereits mit Polizei und Grundstückseigentümer Kontakt aufgenommen.

Werden Verstöße gegen das Naturschutzgesetz festgestellt, könne die Stadt Auflagen machen oder sogar Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten – je nach Schwere des Verstoßes.  

„Keinesfalls lag ein Zurücksetzen bis auf den Stock vor“, so Ahlich zu dem Vorfall in der ­Sudetenstraße.

von Patricia Grähling

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