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Ortsbeiräte befürworten neuen Supermarkt

Tegut-Pläne am Oberen Rotenberg Ortsbeiräte befürworten neuen Supermarkt

Nahversorgung, Verkehrsaufkommen, Konkurrenz, Anbindung, Beleuchtung – viel zu diskutieren gab es über den geplanten Tegut-Markt am Oberen Rotenberg.

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So könnte der neue Tegut-Markt am Oberen Rotenberg aussehen.

Quelle: Grafik: Werner Projektentwicklung GmbH

Marbach. Vor rund 40 Bürgern erläuterten Kai Krummel, Tegut-Gebietsverantwortlicher, und Klaus Diegelmann, Geschäftsführer der Werner Projektentwicklung GmbH, das Bauvorhaben. Laut Planung soll ein neuer Tegut-Markt mittlerer Größe westlich neben dem Blumengeschäft Philipps und dem dazugehörigen Wohnhaus am Oberen Rotenberg entstehen (die OP berichtete). Den Baugrund, ehemals im Besitz der Gärtnerei, erwarb die Werner Projektentwicklung GmbH, die bereits den Tegut-Markt in Cappel errichtete sowie die Planung für das Geschäft im künftigen Allianzhaus übernahm.

Für den Oberen Rotenberg planen die Projektierer einen im Verhältnis mittelgroßen Markt mit einer Verkaufsfläche von 1 500 Quadratmetern, samt Getränkemarkt, Frischetheke und Aufenthaltsbereich. Zum Vergleich: Die Verkaufsfläche des Cappeler Teguts umfasst 2 200 Quadratmeter, der Markt in der Ketzerbach rund 600 Quadratmeter.

Hinzu kämen 450 Quadratmeter an Nebenflächen für „ein kleines Dienstleistungszentrum“, also weitere Geschäfte im kleinen Rahmen, „ohne die Ortsmitte zu begrenzen“, erklärte Diegelmann. Möglich wären eine separate Bäckerei, eine Poststelle und eine Bank. Für Kunden stünden im Außenbereich 90 Parkplätze zur Verfügung. Der neue Bau soll mit moderner Gebäudetechnik ausgestattet werden, mit einer per Ökostrom betriebenen Kälteanlage samt Wärmerückgewinung.

Einzugsgebiet des Marktes wären sechs Stadtteile in der Umgebung, Zielgruppe der „Nahversorgung der westlichen Stadtteile“ vor allem die rund 8 000 Einwohner. Tegut würde, grob geschätzt, zwischen vier und fünf Millionen Euro in den Bau investieren.

Projekt noch „in einem sehr frühen Stadium“

Noch ist nichts entschieden, das Projekt befinde sich derzeit noch „in einem sehr frühen Stadium“. Erstes Ziel ist die Bauleitplanung für den neuen Markt, bevor die Sache vor der Stadtverordnetenversammlung landet. Erst danach stünde ein Bebauungsplan an.

Sollten Bauplan und Genehmigung erfolgen, wäre mit einem Baubeginn nicht vor 2019 zu rechnen. „Sehr optimistisch, aber realistisch“ wäre ein Baustart in etwa zwei Jahren und die Eröffnung im selben Jahr, schätzt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne). Die Bauzeit dürfte sieben bis acht Monate dauern. Einen Eingriff in das Gelände als Naherholungsgebiet sieht die Stadt nicht, da der Platz bereits zuvor gewerblich genutzt wurde.

Der geplante Neubau erregte großes Interesse bei den anwesenden Bewohnern, die zahlreiche Fragen an die Planer stellten und sowohl Zustimmung wie Bedenken äußerten. Ein kritischer Punkt zielte auf eine mögliche Konkurrenz des Marktes gegenüber bereits bestehenden Geschäften in der Marbach, etwa einer Bäckerei. Dass diese weiterhin Bestand haben könnte, bezweifelten einige der Anwesenden, „da fehlt die ökonomische Kraft“. Krummel beschwichtigte – Tegut gehe im Zuge der Planungen auf ortsansässige Einzelhändler zu. Gerade im Falle der Bäckerei könne man zusammenarbeiten und das Geschäft in besagtes „kleines Dienstleistungszentrum“ integrieren.

Neue Hoffnung auf Ausbau der ungesicherten Wege

Daneben stand die Anbindung des neuen Marktes an den ÖPNV im Mittelpunkt der Fragerunde. Darauf konnte Bürgermeister Kahle noch keine genaue Antwort geben, Gespräche mit den Stadtwerken laufen. Derzeit gibt es eine Bushaltestelle in der Nähe des Marktes, die ohne Einbuchtung „etwas unglücklich liegt“.

Eventuell kommt mit dem Projekt eine weitere Haltestelle hinzu. Auch das zusätzliche Verkehrsaufkommen stand in der Kritik, sowohl die Anfahrt von Kunden wie von Zulieferern des Marktes. „Schon jetzt ist viel Verkehr auf der kleinen Straße“, äußerte ein besorgter Anwohner.

Tägliche Warenlieferungen versuche man „so gering wie möglich“ zu halten, betonte Krummel. Im Durchschnitt wären mit „3,3 Anlieferungen“ am Tag zu rechnen, mal zwei oder auch mal vier Transporte. Auf welchem Wege die Lkw auf das Gelände fahren würden, dazu konnten die Planer noch keine Angaben machen. Man wartet das Verkehrsgutachten ab.

Besonders unter den Wehrshäusern regt sich mit dem Bau neue Hoffnung – nicht nur für eine nahe Einkaufsmöglichkeit, sondern auch für den lange gehegten Traum eines kombinierten Rad- und Fußweges zwischen Wehrshausen und Rotenberg. Der hat mit dem Neubau anscheinend höhere Chancen als bisher. Der Ausbau der ungesicherten Wege in Richtung Stadtteil steht bereits zum dritten Mal im Haushalt, „das könnte realisierbar sein“, sagte Kahle. Entschieden sei noch nichts.

Der Bereich am Oberen Rotenberg liegt bereits seit einiger Zeit im Blick der Stadtplaner. Unter anderem wäre ein neues, größeres Baugebiet in diesem Bereich möglich, die Idee solle im Sommer oder Herbst dem Stadtparlament vorgelegt werden. Dem Bau eines neuen Marktes stehe die Stadt generell „offen“ gegenüber.

Ob der Markt die Sicht der Anwohner beeinträchtigen könnte, stand ebenfalls im Raum. Das Gebäude soll rund sechseinhalb Meter hoch werden. Auch eine mögliche Belästigung durch die Beleuchtung wurde besprochen.

Zustimmung aus den Reihen der Zuhörer

Die geplanten LED-Leuchten des Gebäudes würden nach Ladenschluss, etwa gegen 21 Uhr, zum Großteil abgeschaltet, „außer die Sicherheitsbeleuchtung“, beruhigte Krummel einige Anwohner.

Nach rund eineinhalbstündiger, angeregter Diskussion vernahm Kahle eine „überwiegende Zustimmung“ aus den Reihen der Versammlung und führte spontan eine „Abstimmung“ durch: 18 Zuhörer reckten zustimmend eine Hand nach oben, neun enthielten sich, drei Anwesende lehnten den Markt klar ab. Beide Ortsbeiräte äußerten sich positiv über den Neubau, „wir sind dafür“, waren sich die Ortsvorsteher Andreas Bergmann (Wehrshausen) und Jürgen Muth (Marbach) einig.

von Ina Tannert

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