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Noch immer stehen die Gebäude leer

Camp Cappel Noch immer stehen die Gebäude leer

Was wird aus dem ehemaligen Flüchtlingslager an der Umgehungsstraße in Cappel? Die Stadt erhofft sich bis Ende des Monats einen Fingerzeig.

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Die Flüchtlingsunterkünfte in der früheren Erstaufnahmeeinrichtung in Cappel stehen seit September vergangenen Jahres leer.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Bis zu 850 Menschen lebten zwischen Juli 2015 und September 2016 in der Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung Gießen (HEAE) in der Umgehungsstraße - zunächst in einem Zeltcamp, ab November 2015 in einem von sechs Holzbauten in Einfachbauweise, die nach und nach fertiggestellt und eröffnet wurden. Nach dem Abebben der Flüchtlingswelle baute das Land Hessen 8000 seiner insgesamt 19000 Plätze in Erstaufnahmeeinrichtungen ab - unter anderem das Camp in Cappel wurde geschlossen, obwohl Marburg die erste hessische Stadt war, in der Zelte durch einfache Holzbauten ersetzt worden waren. Rund 1000 ehrenamtliche Helfer hatten sich in der Betreuung der Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung engagiert.

Seit einem knappen halben Jahr nun stehen die Holzhäuser an der Umgehungsstraße leer. Ein Ortstermin von Hessischem Finanzministerium, dem Studentenwerk und der Stadt im November brachte das Ergebnis, dass das Studentenwerk kein Interesse hat, die Bauten für studentisches Wohnen zu nutzen. „Die Investitionskosten wären zu hoch gewesen“, sagt Bürgermeister Dr. Franz Kahle. Die Zimmer, in denen bis zu acht Personen untergebracht waren, müssten umgebaut werden, Nasszellen in jeden einzelnen Raum eingebaut werden. Im derzeitigen Zustand mit Sanitärräumen auf jedem Flur seien die Räume an Studenten nicht zu vermieten.

Land: Über Nachnutzung noch nicht entschieden

Die Stadt Marburg sorgt zumindest dafür, dass die Räume bewohnbar gehalten werden. Man habe sie über den Winter überschlagen gehalten, sagte Kahle auf Nachfrage der OP.

„Wir hoffen jetzt aber, dass sich bald etwas tut“, ergänzte der Baudezernent, „die Bauten werden nicht besser, wenn sie dauerhaft ungenutzt bleiben.“

Das Finanzministerium prüfe zur Zeit weitere Nutzungsoptionen für die Gebäude. Kahle hofft, dass das Land seine Zusage einhält, bis Ende des Monats zu entscheiden.

Die Errichtung hat seinerzeit rund sieben Millionen Euro gekostet, die das Land bezahlt hat. Der Stadt Marburg gehört aber der Grund und Boden, auf dem das Lager steht.

Am Freitag hieß es aus der Pressestelle des Ministeriums aber immer noch, das Land „prüfe“, ob die Liegenschaft „im Rahmen der vertraglichen Möglichkeiten kurz- oder mittelfristig aufgegeben oder einer anderweitigen Nutzung zugeführt werden kann“, sagte Markus Büttner aus der Pressestelle auf Anfrage. „Über eine Nachnutzung ist noch nicht entschieden.“ Sicher ist nur, dass die Gebäude auch im Falle wieder ansteigender Flüchtlingszahlen auch künftig nicht mehr als Flüchtlingsunterkünfte eingeplant sind. Das Land hat auch ohne die Einrichtung in Cappel mehr als doppelt so viele Plätze in Reserve als gebraucht werden.

Der Stadt schwebt vor, dass ein Bebauungsplan für das gesamte Gebiet erarbeitet wird, der Wohnen ebenso zulässt wie leichtes Gewerbe. Dazu müsste das Land aber die Gebäude erst freigeben. Egal wie: Nach Lage der Dinge werden die Gebäude wohl noch länger leerstehen.

von Till Conrad

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