Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° Regen

Navigation:
Nachspiel einer Straßenumbenennung

Industriestraße/Tom-Mutters-Straße Nachspiel einer Straßenumbenennung

Zoff um die Umbenennung der Industriestraße in Tom-Mutters-Straße: Der Wehrdaer Ortsvorsteher Dirk Vaupel (CDU) ist enttäuscht von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

Voriger Artikel
Ein Dorfplatz am Richtsberg geplant
Nächster Artikel
Verkehrsberuhigung durch Parkzonen

Die Lahnwerkstätten der Lebenshilfe sind Anlieger in der Industriestraße.

Quelle: Tobias Hirsch

Wehrda. Die Umbenennung des größten Teils der Industriestraße in Tom-Mutters-Straße im Kaufpark Wehrda sorgt auch nach der einstimmigen Entscheidung des Stadtparlaments in der letzten Parlamentssitzung vor der Sommerpause für Unmut im Marburger Stadtteil Wehrda. Nicht einverstanden zeigt sich Wehrdas Ortsvorsteher Dirk Vaupel (CDU) vor allem mit der Vorgehensweise von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) in der gesamten Angelegenheit.

Vaupel erläuterte gegenüber der OP, dass das gesamte Verfahren vonseiten der Stadt Marburg sehr intransparent gelaufen sei. „Der Ortsbeirat wäre gerne früher in die Beratungen eingebunden gewesen“, hieß es deswegen in der einstimmig vom Wehrdaer Gremium verabschiedeten Stellungnahme. Zwar spräche prinzipiell nichts gegen eine Benennung nach Tom Mutters, dem im Februar 2016 verstorbenen Gründer der Bundesvereinigung Lebenshilfe, in dem Areal, in dem sich auch die Lahnwerkstätten als  eine der wichtigsten Einrichtungen der Lebenshilfe in Marburg befinden.

Jedoch sollten die nicht als zumutbar anzusehenden Kosten für an der bisherigen Industriestraße gelegene Gewerbetreibende berücksichtigt werden, heißt es in der Stellungnahme des Ortsbeirates. „Unserer Ansicht nach sollte hier auf die Gewerbesteuerzahler Rücksicht genommen werden“, so der Ortsbeirat.

In dem Papier wurden zudem zwei alternative Vorschläge gemacht: einerseits die Benennung eines neu entstehenden Kreisels an der Kreuzung Industriestraße/Cölber Straße nach Tom Mutters und andererseits die Benennung einer Stichstraße zur Industriestraße, die beide ebenfalls am Gelände der Lebenshilfe entlanglaufen. In der Stellungnahme lehnte der Ortsbeirat die Umbenennung der Industriestraße ab und schlug vor, einen runden Tisch zum Thema einzurichten.

Zu diesem runden Tisch kam es dann jedoch nicht. Denn schon wenige Tage nach der Ortsbeiratssitzung und einer kurz darauf folgenden Sitzung des Hauptausschusses wurde über die Straßenumbenennung im Parlament abgestimmt. Bei Nichtbeteiligung einiger Abgeordneter stimmte das Stadtparlament in der letzten Sitzung vor der Sommerpause der neuen Namensbezeichnung einstimmig zu. Dabei hatte der Hauptausschuss eigentlich ebenso einstimmig empfohlen, die Abstimmung bis zur ersten Sitzung nach der Sommerpause zu verschieben, um für eine Klärung in Wehrda genügend Zeit zu lassen. Nach der nichtöffentlichen Sitzung des Ältestenbeirats am Donnerstagabend rief Spies den Wehrdaer Ortsvorsteher am Freitag wenige Stunden vor der Parlamentssitzung an.

Ob es in diesem Telefongespräch dann eine Klärung gegeben hat, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten von Vaupel und Spies. Der Oberbürgermeister habe Vaupel in dem Gespräch gefragt, was dieser machen würde, wenn im Parlament über die Straßenumbenennung abgestimmt werden würde, sagte Vaupel. Daraufhin habe er erwidert, dass er in einem solchen Fall nichts machen könne. Er habe aber dem OB vorgeschlagen, noch einmal ausführlich über das Thema zu reden, und aus seiner Sicht sei noch nicht alles in der Angelegenheit geklärt gewesen. Umso überraschter sei er gewesen, als er am Wochenende per Zufall davon erfahren habe, dass im Parlament doch schon über die Umbenennung abgestimmt worden war. Und deswegen hakt Vaupel jetzt noch einmal öffentlich nach und fordert eine Klarstellung von Spies.

Termin für Neubenennung steht noch nicht fest

Über diese Irritation Vaupels zeigte sich wiederum der Oberbürgermeister auf Anfrage der OP sehr verwundert. Er sei eigentlich davon ausgegangen, dass er im Gespräch mit dem Ortsvorsteher alle unklaren Fragen geklärt und auch die Einwände des Ortsbeirates entkräftet habe. Für die verspätete Einbeziehung des Ortsbeirates habe er sich entschuldigt, dies sei aber nicht mehr zu ändern gewesen. In seinem kurzen Statement vor der Abstimmung im Parlament erwähnte Spies allerdings nichts von einem abweichenden Votum des Wehrdaer Ortsvorstehers. Er sagte nur allgemein, dass in Wehrda alles geklärt sei.

Ein Termin für die Neubenennung der Straße steht übrigens noch nicht fest. Das erfuhr die OP auf Anfrage von Spies. Er hoffe aber, dass das noch in diesem Jahr erfolgen werde, sagte der OB.

Die Straßenumbenennung soll eine Ehrung der Stadt Marburg für den „unermüdlichen Einsatz“ von Mutters „für bessere Lebensbedingungen und die Lebensqualität für Menschen mit geistiger Behinderung“ darstellen, hatte es in der Magistratsvorlage geheißen.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr