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Messer-Attacke an Asylbewerberheim

Erhebliche Verletzungen Messer-Attacke an Asylbewerberheim

Messerstecherei in Schröck: Bei einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen in der Straße „Zum Elisabethbrunnen“ ist ein Mann lebensgefährlich verletzt worden.

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Polizeieinsatz in Schröck.

Quelle: dpa

Schröck. Die Attacke ereignete sich am Asylbewerberheim in dem Stadtteil – und zwar bereits in der Nacht zu Sonntag, 30. April. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag entsprechende OP-Informationen auf Nachfrage.

Entgegen den in der Universitätsstadt kursierenden Gerüchten, handele es sich allerdings nicht um einen Mord, es habe bei der „körperlichen Auseinandersetzung mit Messereinsatz“ keinen Toten gegeben. „Das Opfer wurde erheblich verletzt, befindet sich aber mittlerweile außer Lebensgefahr“, sagt Nicolai Wolf, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Bei allen Tatbeteiligten handelt es sich nach Ermittlungen der Sicherheitsbehörden um Asylbewerber. Ob der oder die Täter gefasst oder flüchtig sind, dazu wollte die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen.

Die Stadt teilt am Freitag auf OP-Anfrage mit, dass rund 30 Menschen in dem Asylbewerberheim leben. In der Vergangenheit kam es laut Schröcker Bewohnern dort immer mal wieder zu Streits und gewalttätigen Auseinandersetzungen.

von Björn Wisker

Kommentar:
Weder Freund noch Feind

In einer Schröcker Wohngegend wird ein Mensch bei einem Messerangriff schwerst verletzt. Eine Woche lang wird von den Ermittlungsbehörden zu diesem Gewaltdelikt, an dem Asylbewerber beteiligt waren, geschwiegen. Die Folge ist, dass sich selbst in Marburg, einer Stadt mit einem Höchstmaß an Flüchtlings-Toleranz, Gerüchte von Mord und Vertuschung verbreiten. Es sind Gerüchte, die selten genug bei uns Journalisten landen, um sie dann zu überprüfen. Denn trotz aller Quellen, die auch wir OP-Redakteure haben, können und werden auch Journalisten weder alles wissen noch alles erfahren. Das gilt für Politisches ebenso wie für Gewalttätiges, für Deutsche wie für Ausländer. Lügenpresse? Mitnichten. Allen erhaltenen Informationen gehen wir nach, aber es braucht nunmal für jede ­Recherche erst einen Ansatzpunkt. Wenn, wie im Fall  der Schröcker Messerstecherei, die zuständigen Behörden (oder wie in diesem Fall stattdessen Bürger) nicht Bescheid sagen, fehlt schon die Basis für die Berichterstattung: Das Wissen, dass es etwas zu berichten gibt. Resultat: Da wir Journalisten nicht informiert wurden, werden auch Sie, liebe Leser, es nicht. Zumindest nicht richtig, nicht geprüft. Stattdessen sprießen Gerüchte, und das Misstrauen gegenüber den Medien, dem Staat wächst. Am Beispiel Schröck wird dabei für jeden sichtbar, wie – entgegen der landläufigen Unterstellung – wenig verschworen „der Staat“ und „die Medien“ sind. Selbstverständlich hat die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft, die Festnahme des Täters, die Spurensicherung am Tatort, die Zeugenvernehmung, die saubere, gerichtsfeste Dokumentation Vorrang vor Medien- und damit Bevölkerungsinformation. Und sicher kann man angesichts der politisch-gesellschaftlichen Auswüchse rund um das Flüchtlings-Thema auch die behördliche Zurückhaltung nachvollziehen, sobald Asylbewerber Teil des Delikts, Teil des Problems sind. Diese Haltung ändert aber weder etwas an den realen Vorgängen noch daran, dass das öffentliche ­Interesse an Vorfällen wie in Schröck immens ist. Medien und Staat sind keine Freunde, sie sind aber auch keine Feinde. Den Menschen zu sagen, was geschehen ist – das muss beider Aufgabe sein.

von Björn Wisker

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