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Kinder bewahren Kröten vor dem Tod

Amphibien-Schutz Kinder bewahren Kröten vor dem Tod

An den Straßen zwischen Hermershausen, Elnhausen, Dagobertshausen und Michelbach werden im Frühjahr viele Kröten von Autos überfahren.

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Ulla Eichhorn-Stullich (von links), Imke Petri, Friederike Kapitain, Eberhard Lübbeke, Nils Ole Kapitain und Malin Petri setzen sich für den Schutz von Kröten ein. Mit Schildern wollten sie Autofahrer um Rücksicht bitten – doch die inoffiziellen Schilder hat Hessen ­Mobil abgebaut.

Quelle: Patricia Grähling

Marburg. Das Frühjahr ist die Zeit der Fruchtbarkeit: Die Natur erwacht, Blumen blühen allerorts – und die Kröten wandern zu ihren Laichplätzen. Dabei interessieren die Kröten sich nicht für den Straßenverkehr, sondern nehmen den direkten Weg zum nächsten Tümpel. Sie überqueren die Straßen in den dunklen Stunden des Tages und kommen oftmals unter die Räder der vorbeifahrenden Autos.

„Wir sind hier abends langgefahren und alles war voll toter Kröten“, sagt die junge Malin Petri. Sie selbst sei dann ausgestiegen, habe die noch lebenden Kröten eingesammelt und über die Straße getragen. Zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen aus Dagobertshausen und Elnhausen hat Malin Warnschilder gemalt und etwa am Tümpel bei den Neuhöfen aufgestellt. Die Schilder weisen Autofahrer auf die Kröten hin, bitten um Vorsicht. „Aber manche Autofahrer haben extra Gas gegeben. Obwohl wir mit Warnwesten dort entlangliefen und die Kröten in Eimern eingesammelt haben“, erzählt Malin weiter. „Das hat dann wirklich eklig geknackst“, sagt sie entsetzt und traurig. Immerhin: 50 Kröten habe die kleine Truppe an einem Abend retten können.

Die Warnschilder indessen blieben nicht lange an der Kreisstraße stehen: Hessen Mobil hat sie entfernt. „Sie verstoßen gegen das Verkehrsrecht“, erklärt Eberhard Lübbeke vom Naturschutzbund (Nabu) Marburg. Erst durch Nachforschungen habe er herausgefunden, wo die Schilder der Kinder seien.

Wunsch, dass offizielle Schilder aufgestellt werden

Die Familien haben sie mittlerweile zurückgeholt. „Aber unser Wunsch ist es, dass dann offizielle Schilder aufgestellt werden, wenn unsere nicht bleiben dürfen“, sagt Nils Ole Kapitain. Auch er hat fleißig Schilder gemalt, um Kröten zu retten.

„Es ist sehr traurig: Die Kinder hier interessieren sich für Naturschutz und werden aktiv – und dann werden ihre Schilder direkt wieder abgebaut, ohne neue, offizielle Schilder hinzustellen“, urteilt Lübbeke. Neben Warnschildern wünschen die Kinder und ihre Eltern sich noch mehr Schutz für die Kröten entlang der Kreisstraßen zwischen den Stadtteilen – etwa durch eine Sperrung.

Und wenn es schon keine Sperrung gibt, dann zumindest Amphibientunnel und gepflegte Krötenzäune. Bei den Tümpeln in der Nähe der Neuhöfe gibt es einen Krötenschutzzaun – auf der Seite, die laut Lübbeke der Stadt Marburg gehört. Der müsse aber besser gepflegt werden, denn die Kröten halte er offenbar nicht auf. Sie schlüpfen überall durch Löcher und Ritzen. Und das, obwohl die Stadt auf dieser Seite der Straße auch einen Tümpel angelegt habe. „Die Kröten sollten auf dieser Straßenseite laichen, aber das machen sie einfach nicht“, erklärt der Naturschützer. Die andere Straßenseite, wo sich der natürlich Tümpel befindet, liegt laut Lübbeke übrigens wiederum in der Hand von Hessen Forst.

Nächtlicher Einsatz zahlt sich aus: jede Menge Laich

Denn das Laichgebiet ist zugleich Naturschutzgebiet und wird daher von diesem Amt gepflegt. „Und für die Straße selbst und damit auch für Schilder oder einen Durchlass sind wiederum der Kreis beziehungsweise Hessen Mobil zuständig“, erklärt Lübbeke die komplizierte Lage. „Ein Durchlass müsste direkt bei der Planung einer Straße berücksichtigt werden“, finden die Eltern. Sie fordern zwischen ihren Stadtteilen mehr gut gepflegte Krötenschutzzäune und Straßensperrungen zur Laichzeit oder Durchlässe unter den Straßen – eben mehr und bessere Maßnahmen von den vielen beteiligten Behörden zum Schutz der Tiere.

Der nächtliche Einsatz der Kinder für die Kröten zahlt sich übrigens schon aus: In dem Tümpel findet sich jede Menge Laich der Erdkröten – neben dem Laich von zahlreichen Fröschen.

von Patricia Grähling

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