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Ingenieur zerpflückt Ausbau

Windkraft Ingenieur zerpflückt Ausbau

„Die Energiewende ist längst gescheitert“, sie sei physikalisch und ökonomisch gar nicht machbar. Das ist das Resümee von Dr. Detlef Ahlborn vom Verein „Vernunftkraft“.

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Dr. Detlef Ahlborn vom Verein „Vernunftkraft“ sprach im Bürgerhaus Michelbach.

Quelle: Ina Tannert

Michelbach. Um die Wirtschaftlichkeit von grünem Strom und eine angebliche Sinnlosigkeit der Energiewende drehte sich der Vortrag „Wunsch und Wirklichkeit“ von Dr. Detlef Ahlborn vom Verein „Vernunftkraft“ im voll besetzten Bürgerhaus Michelbach.
Um den hessischen Strombedarf zu decken, bräuchte es laut Ahlborn landesweit 4700 Windräder, „das heißt ein Windpark alle 6,5 Kilometer“, sagte der Ingenieur. Selbst bei einem flächendeckenden Ausbau seien Wind- wie Solarenergie die Verlierer im Stromwettkampf, da Energie nur unzuverlässig erzeugt werden könne. Als Grund nannte er die ungleichmäßige­ Stromeinspeisung, hervorgerufen durch das europäische Wetter, mit „flächendeckenden Hochdruckwetterlagen“.

Soll heißen: Wenn in Deutschland kein Wind weht, herrscht auch in anderen Ländern Flaute. Im Gegenzug würden europaweite Sturmfronten wiederum zu viel Energie für die Windkraft liefern, die Netze damit „verstopfen“. Auch gut ausgebaute Netze könnten diese Schwankungen laut Ahlborn nicht ausgleichen.

Der Stromüberschuss beim sogenannten „Blindstrom“ wird wiederum exportiert, zum Negativwert und angeblich mit ­einer „Entsorgungsgebühr“ in Millionenhöhe. Die Rechnung zahle der Verbraucher. „Immer mehr Ökostrom wird zu Energiemüll.“

Energiewende ist für Referenten „ein Desaster“

Auch neue Speichersysteme,­ um den Überschuss aufzufangen, wie den Pumpspeicher, betrachtet er dabei als „illusorisch“ – es blieben vielleicht 30 Prozent übrig. Das empfanden einzelne Zuhörer im Raum als „gar nicht so schlechtes, ausbaufähiges Ergebnis, um die Flauten zu überbrücken“. Nicht so der Referent. Allen ­anderen Erneuerbaren Energien bescheinigte er auf Nachfrage „schlechte Wirkungsgrade und zu teure Anlagen“. Die
Energiewende sei ein „Desaster, die EEG-Förderung muss abgeschafft werden“, lautet sein ­Fazit.

Anderslautende Berechnungen bekannter Windenergie-Forscher und Institute, wie dem Frauenhofer IWES, setzten laut Ahlborn an falscher Stelle an. „Die Zahlen stimmen nicht“, rechnete er anhand verbreiteter Verbrauchskurven vor. Diese sieht er als „Merkmal totalitärer Ideologie“, die „im Mäntelchen der Wissenschaft daher kommt“.

Zum Vortragsabend eingeladen hatte der Kreisverband der FDP. Das Podium auf der Bühne teilten sich nach dem Vortrag des Referenten der Liberalen-Vorsitzende Jörg Behlen und Bundestagskandidat Hanke Bokelmann sowie Thomas Riedel, Vorsitzender der Bürgerinitiative Windkraft Görzhausen.

Eine Diskussion wurde auf dem Podium nicht geführt, ­alle vier zogen bei dem abendfüllenden Thema an einem Strang, luden das Publikum zur Fragestunde.

Kritik: „Generell einseitige Darstellungsweise“

Ahlborn ist bekannt für seine provokanten Thesen zur Energiewende, hält deutschlandweit ähnlich gelagerte Vorträge – und erste kritische Zwischenrufe aus dem Zuschauersaal folgten schon nach der ersten Viertelstunde seines Vortrags und sorgten für teils ablehnendes Gemurmel im Saal. Nur vereinzelt wurden Gegenstimmen laut. Zuhörer Alexander Sasse beurteilte die Ausführungen zu negativen Strompreisen als „Ausnahmeerscheinung“, die generalisiert würden. „Es gibt nahezu gleiche Durchschnittspreise“, kritisierte Sasse eine „generell einseitige, sinnverstellende Darstellungsweise“ des Referenten. Die Debatte endete schlussendlich im Schlagabtausch mit teils lautstarken Wortgefechten zwischen­ FDP und einigen Mitgliedern der Grünen aus dem Publikum ­heraus.

Auch wenn der Windräderbau in Görzhausen eigentlich als ein Diskussionspart des Abends geplant war – tatsächlich Thema wurde sie nicht.

von Ina Tannert

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