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Gegenwind für Windkraft-Pläne

Görzhäuser Hof Gegenwind für Windkraft-Pläne

Auch die Ortsbeiräte von Wehrshausen und Wehrda kritisieren die Windkraft-Pläne am Görzhäuser Hof heftig.

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Windräder bei Speckswinkel. Gegen die geplanten Anlagen am Görzhäuser Hof regt sich Widerstand.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Vier Anlagen sollen auf der Windenergie-Vorrangfläche beim Görzhäuser Hof entstehen, bis Ende 2018 will Investor „Krug Energie“ aus Münchhausen die Räder ans Netz nehmen. Zwei weitere sollen hinter dem Vogelheerd, nahe der Alten Weinstraße entstehen. Noch laufen die Planungen, die Bebauung ist noch nicht beim zuständigen Regierungspräsidium Gießen beantragt.

Auch in Wehrshausen formiert sich Widerstand: Die Anlagen dürften zwischen 1200 Metern und 1700 Metern entfernt von der Ortsrandlage liegen, „es gibt welche, die sind näher, andere sind weiter weg“, informierte Ortsvorsteher Andreas Bergmann. Die Entfernung sei indes höher, als die gesetzliche Vorgabe von 1000 Metern bei Wohngebieten.

Kritikpunkte gab es am Dienstagabend so einige, vom ­befürchteten Wertverlust von ­Immobilien, Belastungen durch Lärm und Schattenwurf, ­Naturschutz und mangelnde­ ­Informationspolitik, so die ­Meinung einiger Anwesender. Rund zweieinhalb Stunden lief die ­rege, durch Zwischenrufe geprägte Debatte rund um das Thema und darüber hinaus.

Dass die geplanten Anlagen ökonomisch effizient sein werden, das bezweifelte unter anderem Ortsbeiratsmitglied Dr. Jörg Brock, insbesondere in einer „Schwachwindregion“.

Besonderes Missfallen erregte die geplante Höhe der Anlagen von 236 Meter. „Zu hoch“, befand ein Zuhörer. Einige Anwesende sahen daneben die örtliche Vogelpopulation bedroht, misstrauen generell den geplanten Gutachten rund um das Projekt. Fakt ist, dass im Zuge eines Genehmigungsverfahrens eine­ Vielzahl an Gutachten rund um zu erwartende Einschränkungen durch eine Windkraftanlage erstellt werden müssen. Dafür sorgt unter anderem das Bundesimmissionsschutzgesetz, das ebenfalls naturschutz- und forstrechtliche Genehmigungen einschließe, teilte Bergmann mit.

Gegen so manche Argumentation gab es auch Gegenstimmen. „Wenn keiner etwas tut, dann gibt es keine Energiewende“, teilte ein Zuhörer mit. Diese sei ein öffentlicher Belang, zu dem auch Wehrshausen „einen Beitrag“ leisten könne.

Bergmann ging einen Forderungskatalog des Ortsbeirats durch, in dem das Gremium Stellung bezieht. Es verlangt: „keine Lärmbelastungen für die nahen Wohngebiete“, der Schattenwurf darf nicht bis in die Wohngebiete reichen, sichtbare Drehbewegungen dürfen die Anwohner nicht ablenken, die Anlagen generell nicht als „übergroße Bauwerke“ wahrgenommen werden.

Darüber hinaus wünscht das Gremium eine Messung der Geräuschbelastung „unter realistischen Bedingungen“ und hebt das Waldgebiet als Naherholungsraum für alle umliegenden Stadtteile, samt Kernstadt, hervor.

Aufgrund der „Auswirkungen auf die Menschen, Natur und die Stadt“ befürwortet der Ortsbeirat eine breite Bürgerbeteiligung „mittels Bürgerentscheid“. Der Beschluss wurde einstimmig gefasst.

Für eventuellen „persönlichen Widerstand“ der Bewohner schlug Bergmann vor, dass sich Kritiker aus Wehrshausen bereits bestehenden Bündnissen anschließen, „anstatt etwas eigenes zu machen“.

Magistrat soll sich gegen Genehmigung wenden

Im Ortsbeirat Wehrda wendet  sich, wie Hans Dittmar deutlich machte, die CDU-Fraktion „mit allem Nachdruck gegen den Bau der geplanten vier bis sechs Windkraftanlagen“, da für deren Realisierung neben den Gemarkungsflächen anderer Stadtteile auch Waldflächen in der Gemarkung Wehrda betroffen seien.

Demzufolge stand zur Abstimmung, ob sich der Ortsbeirat schließlich an den Magistrat wendet, damit dieser sich beim Regierungspräsidenten in Gießen gegen die Genehmigung der Windräder einsetzt. Grund für den Antrag war für die CDU-Fraktion nicht nur die Beeinträchtigung des Naherholungsgebiets, auch bestünden Bedenken in puncto Gefährdung der Tierwelt sowie eine Bedrohung des Tourismus. Es müssten unter anderem zwei bis drei Hektar Laubwald der Gemarkung Wehrda gerodet werden, zudem würde die Alte Weinstraße für Zu- und Anlieferungsverkehr ausgebaut.

Aus dem Publikum berichtete der Michelbacher Matthias Kothe, dass sich in den vergangenen zwei Wochen eine Bürgerinitiative gegründet habe, die bereits die Erstellung eines Gutachtens seitens des Investors Krug-Energie bewirkt habe.

Die Gegner der Görzhäuser Windkraftanlagen machten immer wieder auf Wehrda als Region mit geringem Windpotenzial aufmerksam, was aus schlechten Erfahrungen mit den bestehenden Wehrdaer Windrädern resultierte, die lange Wind generieren müssten, um zu erwirtschaften, was sie verbraucht hätten. „Es wäre wünschenswert, dass wir an einem Strang ziehen“, schloss Kothe.

BI baut Windrad mit Menschentraube nach

Die neugegründete „Bürgerinitiative Windkraft Görzhausen“ führt ihre erste Mitgliederversammlung am 5. Mai durch. Am 29. April plant die BI eine Infoaktion auf dem Marburger Marktplatz. Sie wird auch beim stehenden Festzug am 18. Juni aus Anlass der 1200-Jahr-Feier in Michelbach vertreten sein.

Um die Größe der geplanten Windräder deutlich zu machen, plant die BI zwischen dem Kern Dorf Michelbach und Michelbach Nord ein Windrad mit einer Gesamthöhe von 236 Metern mit einer „Menschentraube“ nachzubauen und zu filmen.

Diese Aktion soll am 24. Juni stattfinden.

Die geplante Bürgerversammlung soll Ende April oder im Mai stattfinden.

von Ina Tannert, Beatrix Achinger und Till Conrad

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