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Geduldiges Warten auf den richtigen Moment

Juko-Projekt Fotografie Geduldiges Warten auf den richtigen Moment

„Ich habe vorher nicht wirklich fotografiert“, erklärt Gleb Loydman. „Ich habe nur Videos von Spielen aufgenommen und dabei versucht, coole Perspektiven hinzukriegen, wie wenn man einen Trailer für einen Film macht.“

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Lucas Wohlfarth (links) hat mit sieben Projektteilnehmern eine Fotoausstellung im Bistro „A Capella“ organisiert. Beteiligt waren unter anderem (von links) Kay Ebermann, Konstantin Vorobyov und Marcel Weber.

Quelle: Freya Altmüller

Stadtwald. Als Teilnehmer von „Checkpoint Job“, einer Maßnahme des Kreisjobcenters, die vom Jugendkompetenznetzwerk der Juko Marburg durchgeführt wird, beschäftigte der 24-Jährige sich gemeinsam mit sieben anderen Teilnehmern über einen Monat intensiv mit dem Thema Fotografie. 20 Bilder sind nun im Bistro „A Capella“ der Juko zu sehen. Auch aus dem Bereich „Qualifizierung und Beschäftigung“ stammten fünf der Teilnehmer.

Lucas Wohlfarth, hauptamtlicher Mitarbeiter und Amateurfotograf, vermittelte den Teilnehmern Grundlagen zu Perspektive, Arbeit mit Licht und Schatten sowie Komposition. Auch mit den Werken bekannter Fotografen wie Henri Cartier-Bresson setzten sie sich auseinander. Der 1908 in Frankreich geborene Künstler habe die Geduld gehabt, auf den richtigen Moment zum Abdrücken zu warten.

Denn auch Wohlfarth fotografierte mit seinen Teilnehmern mit analogen Kameras, mit Einwegmodellen. Jeder durfte eine begrenzte Anzahl von Bildern machen. „Am Ende musste man wie ein Kurator die Auswahl treffen, welche Fotos ausgestellt werden sollen“, sagt Wohlfarth. „Lebenswelten“ sei das Thema gewesen. „Die eigene oder die von anderen, Stadt und Umwelt im Raum Marburg-Biedenkopf“ seien dabei thematisiert worden.
Loydman hat in einem Marburger Tattoo-Studio fotografiert. Ein Bild zeigt den Laden von außen, dunkle Holzbalken umrahmen Schaufenster und Tür. Auch drinnen ist es düster, ein Foto zeigt ein Regal mit Tintenfläschchen, ein anderes den Besitzer des Ladens. Er blickt in die Kamera, um seinen Hals hängt eine dicke Metallkette, die tätowierten Arme hat er vor der Brust verschränkt. „Es war eigentlich sehr hell, wie in einem OP-Saal“, erklärt Loydman. Deswegen habe er ohne den Blitz der Kamera fotografiert.

Keines der Bilder sei bearbeitet, erklärt Wohlfarth. „Die Passepartouts, die wir zugeschnitten haben, waren die einzige Manipulationsmöglichkeit“, sagt der Projektleiter. Damit habe man den Bildausschnitt wählen können. Gerade die Naturbilder wirken grau, in eine diffuse Bildstimmung getaucht. So könnte beispielsweise der Blick auf die Aussichtsplattform am Spiegelslustturm oder den Flugplatz in Schönstadt auch einer anderen Zeit entstammen.

„Checkpoint Job“ dient der beruflichen Orientierung

Auch am Bahnhof in Kirchhain waren die Teilnehmer fotografieren. Loydman hat dort ein Bild aus der Froschperspektive aufgenommen. Die Kamera stand rechts der Gleise, auf denen ein Güterzug geparkt war. Die Steine im Vordergrund sind unscharf, ungefähr in der Mitte des Bildes liegt der Fluchtpunkt, auf den die rechte Schiene im Bild zuläuft.

„Ich finde es ästhetisch ansprechend, wenn man Kleines groß sieht und Großes klein“, erklärt Loydman. Die Häuser im Hintergrund des Bildes erscheinen im Vergleich zu den Steinen klein. „Ich hätte dort am liebsten mit einem Fischaugen-
Objektiv fotografiert, um einen weiteren Blickwinkel zu haben.“ Ohne das Projekt hätte er sich nie damit auseinandergesetzt, vermutet der 24-Jährige. „Es war cool, etwas Neues zu machen.“

Die Maßnahme „Checkpoint Job“ dient der beruflichen Orientierung, erklärt Wohlfarth. „Es geht zunächst darum, die Stärken und Interessen herauszufinden, um zu schauen, wo man steht.“ Nicht nur Kreativarbeit wie die Fotografie unterstütze die Teilnehmer, sondern auch die Arbeit in der „Probierwerkstatt“, wo die Arbeit mit Holz, Metall und Elektronik im Fokus stünden. Schließlich gehöre dazu auch die Unterstützung dabei, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden.

von Freya Altmüller

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