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Statt Vorfreude Sorgenfalten

Feuerwehr Cappel Statt Vorfreude Sorgenfalten

Der geplante Neubau ­des Stützpunktes und der ­daran angrenzenden Landesjugendfeuerwehrschule liegt seit einem Jahr auf Eis.

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Die frisch gewählten Vorstandsmitglieder und die langjährigen Mitglieder der Feuerwehr in Cappel.

Quelle: Patricia Grähling

Cappel. Bevor Feuerwehrverein und Einsatzabteilung sich mit Ehrungen, Neuwahlen und dem Rückblick auf das Jahr beschäftigen konnten, gingen pünktlich zur Eröffnung der Jahreshauptversammlung die Melder der Feuerwehrleute los. Die rückten dann auch sofort aus zu einer Verpuffung. „Das zeichnet die Feuerwehr doch aus“, sagte der Bundestagsabgeordnete Sören Bartol (SPD). „Da sitzt ihr in geselliger Runde zusammen, wollt das Jahr Revue passieren lassen – und zack, gehen die Pieper an, und ihr müsst weg.“

Die Einsatzkräfte kamen jedoch schnell zurück und konnten so die Diskussion mit ­dem Brandschutzdezernenten, Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), um den geplanten Neubau des Feuerwehrstützpunktes verfolgen. Das beschäftigt die Kameraden merklich. „Vor etwas über einem Jahr stellte ich hier die Pläne für den Neubau vor“, sagte Wehrführer und stellvertretender Vorsitzender André Cappeller. „Heute hat sich die Vorfreude in Sorgenfalten gewandelt.“

Nach drei Jahren Planungszeit sei noch nichts passiert – weil es plötzlich geheißen habe, dass der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs nicht umsetzbar sei. Der Sieger habe geklagt und mittlerweile klage auch das Land. „Und wir sitzen hier in ­einem energetischen Massengrab und bekommen keine ­Infos zum Stand der Dinge“, klagte Cappeller.

Spies versicherte den Feuerwehrleuten, dass die Stadt zu dem geplanten Neubau stehe. Allerdings liege das gesamte Wettbewerbsverfahren und auch die jetzige Klage in den Händen der Landesbauverwaltung – die Stadt „nervt jede Woche in Wiesbaden“, das Land jedoch eiere herum und verstecke sich hinter einem Prozess, der den Bau noch weiter verzögere. „Wir stehen trotz knapper Kassen zu unseren Zusagen. Umso blöder kommt man sich vor, wenn man jetzt hier steht und nicht sagen kann, wann es losgehen soll“, sagte der OB.

Genau wie bei der weiteren Nutzung des Flüchtlingscamps warte die Stadt auf eine Klärung mit dem Land. Cappeller wusste dabei zu berichten, dass „die gesamte hessische Feuerwehrführung“ bereits zu einem Besichtigungstermin im Camp gewesen sei. Spies hingegen betonte, dass die Stadt nicht an einem Plan B arbeite, falls das Land sich aus dem Neubau der Feuerwehrschule herausziehe: „Wir gehen davon aus, dass unsere Vereinbarungen mit dem Land tragen.“

Wehrführer: „Für ein Danke machen wir fast alles“

Neben allem Unmut gab es auch viele Dankesworte: Andreas Brauer, der stellvertretende Leiter der Marburger Feuerwehr, dankte den Cappelern, die ein „wichtiger Baustein der Gefahrenabwehr in Marburg sind“. Spies dankte den Feuerwehrleuten, die für ihr Ehrenamt auch bereit seien, ein persönliches Risiko einzugehen. „Und ich finde es sehr anständig, dass ich trotz knapper Kassen noch keine Feuerwehr gesehen habe, die auf dem Marktplatz demonstriert“, sagte der OB mit Blick auf geplante Haushaltskürzungen. „Die, bei denen am meisten gespart wird, sind nicht unbedingt die, die sich am lautesten melden.“ Trotz Kürzungen sei es aber selbstverständlich, dass Investitionen zum „Schutz der Feuerwehrleute auf hohem Niveau“ weitergeführt würden.

In einem Rückblick auf das vergangene Jahr sprach Cappeller nicht nur vom Frust bezüglich des Neubaus, sondern auch von geselligen Abenden und Ausflügen mit der Feuerwehr und dem Verein. Er berichtete zudem von insgesamt 89 Einsätzen, unter denen es unter anderem sechs Zimmerbrände­ und sechs Ölspuren gegeben habe, ebenso wie 250 brennende Strohballen.

Gefragt waren die Einsatzkräfte auch, als der Keller des Feuerwehrstützpunktes unter Wasser stand. Und gerührt waren die Kameraden von einem herzlichen Dank: So hatten Unbekannte den Stützpunkt mit Herzen beklebt, auf denen das Wort „Danke“ in verschiedenen Sprachen stand. „Mehr ist manchmal gar nicht nötig. Für ein Lächeln und ein Danke machen wir schließlich fast alles“, sagte der Wehrführer.

Im zurückliegenden Jahr ist jedoch auch der Vorsitzende des Vereins, Björn Weise, zurückgetreten. Daher standen einige Neuwahlen an: Die bisherige Kassiererin Stefanie Wenz ist nun Vorsitzende, neuer Kassierer wurde Klaus Gertenbach, für ihn rückt Dennis Schleich in den Feuerwehrausschuss nach.

von Patricia Grähling

Beförderungen und Ehrungen

Befördert wurden: Daniela Kranz zur Oberfeuerwehrfrau, Jeremias Kraus und Philipp Ceh zum Oberfeuerwehrmann und Sven Fräbel zum Hauptfeuerwehrmann.

Seit 25 Jahren im Verein sind Kurt Arke, Reinhold Naumann, Ludwig Rein, André Cappeller, Holger Spuck, Bernd Fischer.

Für 40 Jahre Mitgliedschaft wurden Heini Vaupel, Klaus Becker und Peter Althaus geehrt.

Seit 50 Jahren im Verein sind Dr. Kurt Kliem, die Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft, Gerhard Weimar, Hans-Heinrich Weise, Wilhelm Naumann, Erich Lauer und Johannes Schwarz.

Kurt Weiss und Konrad Werner haben während der Versammlung eine Ehrung für 60 Jahre Mitgliedschaft erhalten.

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