Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -1 ° Schneeschauer

Navigation:
Ein Mensch mit visionärer Kraft

Tom Mutters Ein Mensch mit visionärer Kraft

Der Teil der Industriestraße, an dem die Lahnwerkstätten der Lebenshilfe liegen, heißt seit Mittwoch Tom-Mutters-Straße.

Voriger Artikel
Ein kleiner Ballon auf großer Reise
Nächster Artikel
Im Angesicht des Todes: geweint, gelacht, gelebt

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (links) und der Sohn des posthum Geehrten, Professor Reinier Mutters, enthüllten das neue Straßenschild.

Quelle: Thorsten Richter

Wehrda. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) enthüllte das neue Straßenschild in der bisherigen Industriestraße, die nun den Namen Tom-Mutters-Straße trägt. Um Tom Mutters für sein Lebenswerk zu ehren, hat die Stadtverordnetenversammlung im Juni einstimmig beschlossen, einen Teil der Industriestraße in Wehrda, von der Kreuzung Industriestraße/Cölber Straße/Am Kaufmarkt bis zum Wendekreisel, umzubenennen.

Einweihung Tom-Mutters-Straße im Kaufpark Wehrda. Foto: Thorsten Richter (thr)

Zur Bildergalerie

59 Jahre zuvor – am 23. November 1958 – hatte Mutters nach Marburg eingeladen, um gemeinsam mit Eltern und Fachleuten den Verein „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind“ zu gründen. Daraus entwickelte sich die Bundesvereinigung Lebenshilfe. Tom Mutters hat durch sein Engagement zudem grundsätzliche Fragen des Umgangs mit Menschen mit Behinderung weiterentwickelt und so das moderne Verständnis von Inklusion entscheidend mitgeprägt.

Tom Mutters wurde­ am 23. Januar 1917 in Amsterdam geboren und starb am 2. Februar 2016 in Marburg.

Nach der feierlichen Enthüllung fand ein Festakt in den Lahnwerkstätten statt. Musikalisch untermalt wurden die Feierlichkeiten vom Singkreis der Lahnwerkstätten und Holger Gesche an der Geige.

„Dr. Tom Mutters hat mit der Lebenshilfe weit über Marburg hinaus das Leben von Menschen mit geistigen Behinderungen erheblich verbessert“, betonte Spies und sagte weiter: „Er hat uns gezeigt, was Menschlichkeit im Umgang mit den Schwächsten heißt. Damit hat er unser ­aller Haltung verändert, sodass wir heute wie selbstverständlich von Teilhabe und Inklusion ­reden.“

Besonders bedankte­ sich der Oberbürgermeister bei den Anliegern, für die diese Umwidmung mit einem erheblichen Aufwand verbunden ist. Die insgesamt 48 Unternehmen und 7 Privatpersonen seien vorab einbezogen worden und hätten sich mehrheitlich für die Umbenennung ausgesprochen.

Die Benennung einer Straße ist für Spies ein Anlass, im Alltäglichen an Tom Mutters zu erinnern, an einem Ort, wo Menschen täglich vorbei gehen. Und Menschen, die den Namen nicht kennen, sollen einen Anreiz haben nachzufragen, warum die Straße ausgerechnet nach dieser Person benannt wurde.

„Wichtiger Wegweiser“

Stadtverordnetenvorsteherin­ Marianne Wölk (SPD)unterstrich: „Tom Mutters hat dazu­ beigetragen, dass Menschen mit Behinderung entsprechend dem Auftrag in unserem Grundgesetz in Würde in der Gesellschaft leben können und integriert werden.“

Auf die beeindruckende Persönlichkeit von Tom Mutters gingen Professorin Jeanne Nicklas-Faust, Bundesgeschäftsführerin der Bundesvereinigung Lebenshilfe, und Herbert Burger, Ehrenmitglied der Bundesvereinigung Lebenshilfe, ein. Sie schwärmten unter anderem von seiner unglaublichen Begeisterungsfähigkeit, seinem ausgeprägten Gestaltungswillen und seiner visionären Kraft. „Er hat dazu beigetragen, dass Kinder mit Behinderung mit Selbstvertrauen groß werden und ihre Eltern mit Zuversicht auf ein gemeinsames Leben sehen“, sagte Nicklas-Faust. Burger betonte: „Wenn der Name Tom Mutters nicht schon längst mit Marburg verbunden ist, dann jetzt symbolisch mit diesem Straßenschild. Tom Mutters ist ein wichtiger Wegweiser für nachfolgende Generationen.“

Auch Eva Nicklas, Frauenbeauftragte der Lahnwerkstätten Marburg, freute sich besonders, dass die Straße, in der ihre Werkstatt steht, jetzt Tom Mutters Namen trägt. „Unsere Arbeit ist uns wichtig. Hier werden wir ernst genommen. Menschen mit Behinderung leisten einen wichtigen Beitrag, darauf wäre Tom Mutters bestimmt stolz“, erklärte sie.

Stellvertretend für die Familie Mutters bekräftigte Professor Reinier Mutters, wie stolz er auf diese Ehrung seines Vaters ist. Er stellte aber auch heraus, dass es ein langer Weg bis dorthin ­gewesen ist und auch zahlreiche Begleiter seines Vaters dazu beigetragen haben.

Im Anschluss an die offiziellen Feierlichkeiten lasen zudem die Autoren Markus Becker und Klaus Kächler aus dem Buch „Tom Mutters. Pionier, Helfer, Visionär“.

von Stefanie Wellner

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr