Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Dorfgeschichte wird lebendig

1200 Jahre Michelbach Dorfgeschichte wird lebendig

„Mit seinem Werk „Hochwürden zu Michelbach“ hat Hartmut Wild mit viel Aufwand die lange Geschichte seiner Vorgänger im Pfarramt zusammengetragen.

Voriger Artikel
Kellerbrand war schnell gelöscht
Nächster Artikel
Von der Flüchtlingsfamilie zum Gastgeber

Hartmut Wild bei der Lesung aus seinem Buch.

Quelle: Marcus Hergenhan

Michelbach. „Dabei spielen natürlich die Amtsinhaber aber auch ihre Beziehung zu den größtenteils bäuerlich lebenden Zeitgenossen und dem Adel eine große Rolle.“ Mit diesen Worten eröffnete Dr. Peter Pittner vom Kulturcafé die Lesung Wilds in der Kulturscheune Michelbach. Ursprünglich hatte der pensionierte Gemeindepfarrer seine Forschungen in der Dorfchronik veröffentlichen wollen, doch nachdem diese noch nicht fertiggestellt werden konnte, veröffentlichte er das Buch „Hochwürden zu Michelbach“ einfach im Selbstverlag.

„Es ist natürlich eine recht umfangreiche Arbeit, die Geschichte des Amtes hier von 1235 bis in die Moderne zusammenzutragen. Gerade bei frühen Inhabern wie etwa einem Dominus Ludowickus, der 1311 erwähnt wird, ist mittlerweile kaum einzuschätzen, welche Quellen überhaupt verlässlich sind, ­also ob und wie viel er überhaupt mit Michelbach zu tun hatte“, berichtete Wild. Generell sei die Forschung zeitaufwendig, „da ich mich mit Quellen auf Latein, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch und Französisch beschäftigen musste, dazu an dieser Stelle vielen Dank an Karl-Heinz Koch, der mir sehr geholfen hat“, sagte Wild.

Predigten auswendig aufgesagt

Rund 30 Gäste hörten sich den Vortrag mit exemplarischen Lesungen und Berichten von Literaturrecherchen in miefigen Archiven oder Übersetzungsmühen aufgrund uneinheitlicher Handschriften an. Unter den 30 im Buch aufgearbeiteten Persönlichkeiten stellte Wild während der Lesung freilich nur eine Auswahl vor. Angefangen hatte alles mit den zunächst katholischen Vertretern, die zu Beginn häufig selbst noch nicht lesen und schreiben konnten, sondern ihre Predigten auswendig aufsagten.

Mit Johannes Wilderer kam 1529 der erste evangelische Theologe auf die Michelbacher Kanzel. Wilderer gehörte auch zu den ersten Studenten der 1527 von Philipp dem Großmütigen gegründeten Marburger Universität, begann sein Studium aber vermutlich noch andernorts. Bereits ein Jahrhundert später kam mit Georg Henkel abermals ein Protestant neu in das Amt, nachdem Michelbach zuvor eine kurze calvinistische Phase erlebt hatte. „Henkel musste nun alles wieder zurückstellen, also etwa auch die Liturgien wieder nach lutherischer Art singen, während parallel der 30-jährige Krieg in Hessen zu toben begann und die Stadt Wetter in dieser Zeit zerstört wurde“, las Wild vor.

So wurde im Laufe des Vortrags die Geschichte des Dorfs anhand der kirchlichen Würdenträger seiner Vorzeit lebendig. Wild bemerkte schließlich: „Ich hatte während der drei Jahre zweimal daran gedacht aufzugeben und bin nun doch sehr froh, es nicht getan zu haben.“

von Marcus Hergenhan

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr