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Das Rotschwänzchen-Dorf erinnert sich

1200-Jahr-Feier Das Rotschwänzchen-Dorf erinnert sich

1200 Jahre Michelbach wurde in diesem Jahr gefeiert. Die Geschichte des Marburger Stadtteils wird in einer jetzt als Stadtschrift erschienenen Chronik gewürdigt.

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Die neue Stadtschrift präsentierten: Ortsvorsteher Peter Aab (von links), Julia Wackerbarth, Jürgen Damm, OB Dr. Thomas Spies sowie Schriftleiter Dr. Ulrich Hussong und Grafiker Tom Engel.

Quelle: Birgit Heimrich/Stadt Marburg

Michelbach. Vor 1200 Jahren wurde der Ort in einem Codex des Klosters Fulda das erste Mal schriftlich erwähnt, und zwar als „michelberger marca“. Vor wenigen Wochen fand die große 1200-Jahrfeier Michelbachs statt, das seit der Gebietsreform im Jahr 1974 ein Marburger Stadtteil ist.

Das Jubiläum war Anlass für die Michelbacher, ­eine umfangreiche Chronik zu erarbeiten, die nun als Marburger Stadtschrift zur Geschichte und Kultur im Marburger Rathaus-Verlag vorliegt. Entstanden ist ein bunt bebildeter Streifzug von Geschichten und Berichten über Ereignisse aus der Dorfgeschichte auf 479 Seiten.

Am Beispiel von Schmidts Hob – also dem Bauernhof der Familie Schmidt  macht das Buch bäuerliches Leben aus mehr als 200 Jahren nachvollziehbar – nebenbei war dieser Hof sogar einmal eine Kulisse für einen Heimatfilm der 50er-Jahre.

Denn dort wurden die Filmaufnahmen für den Film „Men Bruder Josua – Der Bauer vom Brucknerhof“ gedreht.

Vom Leben auf den Bauernhöfen in Michelbach über die Arbeit der Imker und Steinhauer bis hin zu dörflichen Fixpunkten wie der Tracht, der Mühle und der Gemeindejagd reicht die Palette der Themen aus dem Alltag, die in der jetzt erschienenen opulenten Schrift detailliert beschrieben werden. Dass Michelbach auch heute noch ein Ort mit einem vielseitigen Vereinsleben ist, wird ebenfalls in der Stadtschrift sehr deutlich.  Gleich mehrere Vereinsporträts runden das Buch ab.

Auch kirchliche Belange werden gewürdigt. Einen ausführlichen Bericht gibt es beispielsweise über die Geschichte der Michelbacher Martinskirche, die ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert stammt.

Nicht zu kurz kommt aber auch die Darstellung des Schicksals der Michelbacher in den Kriegen der Vergangenheit – vom Dreißigjährigen Krieg und dem Siebenjährigen Krieg bis hin zu den beiden Weltkriegen. Diese historischen Passagen stammen fast durchgängig von Jürgen Damm, der auch ansonsten für eine Reihe von Texten in der Stadtschrift verantwortlich ist. Zwar sei auch Michelbach nicht von den schweren Zeiten der Vergangenheit unberührt gewesen. Aber es habe immer wieder Menschen gegeben, die umsichtig und engagiert angepackt hätten, schreibt Michelbachs Ortsvorsteher Peter Aab (SPD) im Vorwort zu der Stadtschrift.

Insgesamt schrieben 17 Autoren an dem Buch

Aab gehört zusammen mit Jürgen Damm, Georg Fülberth, Stephan Muth, Nortrud Schrammel-Schäl, Julia Wackerbarth, Hartmut Wild und zeitweise Siegfried Becker zum Redaktionsteam des Arbeitskreises. Die Schriftleitung für den neuen Band der Stadtschriften-Reihe hatte der frühere Leiter des Marburger Stadtarchivs, Dr. Ulrich Hussong, der selbst auch als Autor mitwirkte. Insgesamt schrieben 17 Autoren an dem Buch. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies stellte die Stadtschrift gemeinsam mit dem ­Arbeitskreis Dorfchronik in der Kulturscheune Michelbach der Öffentlichkeit vor.

„Mit einer Dorfchronik kann man sich in unserer schnelllebigen Zeit, in der sich Dörfer und ihre Strukturen sehr schnell verändern, darauf besinnen, wo wir herkommen“, sagte Spies. Der Arbeitskreis hat das Buch aus Anlass des Dorfjubiläums erstellt. Unterstützt wurden die Michelbacher von Wissenschaftlern der Philipps-Universität und des Hessischen Amtes für geschichtliche Landeskunde sowie vom Hessischen Staatsarchiv und dem Marburger Stadtarchiv. Die erste Idee für die Chronik und die Gründung des Arbeitskreises reicht bis in die 90er-Jahre zurück. In den vergangenen zwei bis drei Jahren vor der 1200-Jahrfeier erfolgte dann der Endspurt für die Fertigstellung des Buchs.

Als bisher einzige Ausgabe in der Reihe der Marburger Stadtschriften trägt die Michelbacher Dorfchronik übrigens einen Vogel im Titel – ein Rotschwänzchen. „Das ist der Spitzname des Ortes, ursprünglich spöttisch, mittlerweile aber auch der Eigenname der Michelbacher, ein Stück Identität“, erklärte Ortsvorsteher Aab.

  • Michelbach. Ein Marburger Stadtteil erzählt aus seiner 1200-jährigen Geschichte. Rathaus-Verlag. Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur, Band 107. 480 Seiten, 18 Euro.

von Manfred Hitzeroth

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