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Couragierter Nachbar zögert nicht

Brand Couragierter Nachbar zögert nicht

Im Nachbarhaus der Menches hat es gebrannt, die Flammen loderten direkt über ihrer Haustür. Ein mutiger Nachbar eilte unter den Flammen zur Tür hinauf und half Katharina und Hans Menche sicher hinaus.

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Werner Becker brachte Katharina und Hans Menche in Sicherheit, als der Balkon direkt oberhalb des Treppenaufgangs zur Haustür in Flammen stand. Auf dem Balken im Vordergrund sind noch Spuren des herabtropfenden Materials zu erkennen.

Quelle: Philipp Lauer

Bortshausen. Als an einem Abend Ende Januar gegen 21.30 Uhr in Bortshausen die Sirene ertönt, steht der Dachstuhl des Fachwerkhauses in der Bodenfeldstraße 15 bereits eine Weile in Flammen. „Geh mal horchen, wo es brennt“, sagt Katharina Menche zu ihrem Mann Hans. Die beiden schauen gerade fern, sitzen im Wohnzimmer, das in Richtung Fahrradweg liegt. Dass das Feuer in dem direkt an ihr Zuhause angrenzenden Gebäude tobt, haben die beiden bis dahin nicht gemerkt.

Vor ihrer Haustür leuchtet ­alles im hellen Schein des Feuers. Als ersten Reflex holt Katharina Menche, 78 Jahre alt, einen Eimer Wasser und versucht die Flammen vor der Haustür zu löschen. „Da stand der Balkon direkt über dem Treppenaufgang zu unserer Haustür schon komplett in Flammen“, berichtet Hans Menche.

Werner Becker wohnt einige Häuser weiter. Auch ihn interessiert, warum die Sirene geht. Vor der Haustür hört er schon das Knistern und Knacken des Feuers. Er folgt den Geräuschen. Ein weiterer Nachbar kommt ihm entgegen. Er läuft in die andere Richtung weiter, zur Feuerwehr. „Als ich dann Frau Menche oben an der Haustür gesehen habe, direkt unter den Flammen, musste ich helfen“, sagt Becker. Lange nachgedacht habe er nicht. „Je länger Du da stehst, desto mehr Zeit geht verloren.“

Also läuft er die Treppe zur Haustür hinauf – unter dem brennenden Balkon hindurch. Von oben tropfen Flammen und flüssiges Metall von den Regenrinnen hinab. „Dass ich auch ­etwas davon abbekommen ­habe, wurde mir erst später klar, als ich die Brandlöcher in meiner Kleidung bemerkte“, sagt Becker. An der Haustür angekommen, bringt der 60-Jährige die Menches erst mal zurück ins Haus. Damit die Flammen nicht übergreifen, schließt er schnell die Haustür.

Über Umwege auf die Straße

„Draußen waren es minus 15 Grad, wir haben uns schnell ­etwas übergezogen und wollten dann raus“, berichtet Hans Menche. Die Treppe zur Straße hinaus war wegen des Feuers nicht sicher, deshalb flüchteten sich die drei in den Garten und dann über Umwege über den Innenhof auf die Straße. „Wir haben dann mehrere Stunden draußen gestanden, während die Feuerwehr das Feuer bekämpfte“, sagt Hans Menche.

Dabei machte anfangs die winterliche Kälte den Bortshäuser Feuerwehrleuten zu schaffen. Die Armaturen der Hydranten waren zum Teil festgefroren, berichtet Wehrführer Gerhard Fett. Marco Schneider von der Marburger Feuerwehr leitete den Einsatz in Bortshausen. „Das Engagement von Herrn Becker ist auf jeden Fall sehr ­lobenswert“, sagt Schneider. In einer solchen Situation gelte jedoch der Grundsatz, sich nicht selbst in Gefahr zu begeben. Ob er das getan hat, kann Schneider schwer einschätzen, weil er erst später am Einsatzort eintraf.

In dem brennenden Fachwerkhaus war keiner der vier Bewohner zuhause, die beiden eingeschlossenen Hunde rettete die Feuerwehr. „Wir standen richtig unter Schock, ich konnte nicht lachen und nicht weinen“, beschreibt Katharina Menche die Situation vor dem brennenden Haus. Für die Nacht kamen die Menches dann bei Verwandten in Moischt unter. „Wir haben aber die ganze Nacht kein Auge zugemacht“, berichtet Hans Menche.

Das Fachwerkhaus aus dem Jahr 1909 hat Hans Menches Großvater erbaut, der Brand beschädigte es schwer. Das Haus der Menches hat einen Wasserschaden und kleinere Schäden davongetragen. „Nach dem Feuer hat die Dorfgemeinschaft viel beim Aufräumen geholfen“, berichtet der 79-Jährige. Er und seine Frau Katharina blieben unversehrt. „Dank unseres Retters Werner Becker“, sagt Hans Menche.

von Philipp Lauer

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