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Betreutes Wohnen im Pfarrgarten

Altenhilfe Betreutes Wohnen im Pfarrgarten

Zusammen mit weiteren Beteiligten plant der Elisabeth-Verein im Cappeler Pfarrgarten betreutes Wohnen. Die Planungen stehen noch am Anfang. Die Anwohner befürchten bereits den Verlust von Luft und Aussicht.

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Viele Bäume und viel Grün: Das Cappeler Pfarrhaus steht inmitten eines großzügigen Gartens. Der Elisabeth-Verein plant ein Alten­hilfe-Projekt auf dem Grundstück. Die Anwohner äußerten dazu bereits ihre Bedenken im Ortsbeirat.

Quelle: Patricia Grähling

Cappel. Das Pfarrhaus in Cappel an der Marburger Straße steht inmitten eines idyllischen Gartens. Rund 5000 Quadratmeter Grünfläche, mit Bäumen und Büschen bewachsen, erstrecken sich hier. Als Pfarrhaus wird das Gebäude laut Nachbarin Petra Naumann seit 2012 nicht mehr genutzt. Mittlerweile leben zwei syrische Familien­ in dem 1906 errichteten und denkmalgeschützten Haus. „Die Kinder der Familien wissen den Garten sehr zu schätzen“, erklärt Marianne Becker, die ebenfalls in der Nachbarschaft wohnt.

In dem Garten soll gebaut werden – nach ersten Planungen vier Gebäude für ein Wohnprojekt der Altenhilfe des St.-Elisabeth-Vereins. Der Ortsbeirat Cappel befasste sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema, denn Anlieger brachten ihre Bedenken zum Ausdruck.  

Durch den Standort und die Höhe der Gebäude befürchten die Nachbarn, dass sie weniger Sonne, Parkraum und Licht haben werden, wie im Gespräch mit der OP deutlich wurde. Erste Pläne zeigen den Bau von vier Gebäuden direkt an der Grundstücksgrenze – zwei davon neben dem Garten von Petra Naumann. „Für uns wäre das die Chinesische Mauer.“ Neben­ der Sonne würden künftig auch Parkplätze fehlen, die ihre­ ­Eltern vor 30 Jahren von der ­Kirche ­gepachtet haben.

Zwei weitere Gebäude würden auf der anderen Seite des Pfarrhauses entstehen – laut Doris Schnücker mit zwölf Appartements für betreutes Wohnen. Das hätten St.-Elisabeth-Verein und Kirchengemeinde auf einer Infoveranstaltung erläutert.

„Der Elisabeth-Verein ist mit dem Wunsch an die Stadt ­herangetreten, auf dem Grundstück Angebote für seniorengerechtes Wohnen zu schaffen“, bestätigte Bürgermeister Dr. Franz Kahle auf Nachfrage der OP. Er betonte, dass die Planungen noch am Anfang stünden. „Ein Bauantrag, in dem Fragen von Grenzbebauung und ­genauer Standortvorschläge für die konkrete Bebauung festzulegen sind, liegt noch nicht vor.“

Der Verein habe seine Vorentwurfsüberlegungen aber bereits freiwillig im Gestaltungsbeirat zur Diskussion gestellt und Anregungen aufgenommen.

Kahle­ lobte die frühe Einbindung, denn „sie gewährleistet eine größtmögliche Transparenz und Beteiligung“.

Auch Manfred Günther, Pressesprecher des Elisabeth-Vereins, und Cappels Ortsvorsteher Heinz Wahlers betonten, dass die Planungen noch am Anfang stünden und viele Detailfragen zu klären seien. „Den Anliegern wurden erste Überlegungen nach den Vorschlägen des Gestaltungsbeirats gezeigt“, so Wahlers.

Planungen für Bebauung stehen noch am Anfang

Die Bedenken der Anwohner kann Wahlers nachvollziehen und betonte, dass der Ortsbeirat sie einbeziehen werde, sobald konkrete Pläne vorliegen. Auch die beiden Pfarrer der Kirchengemeinde hätten sich die Sorgen der Nachbarn angehört. „Es war ein sehr gutes Gespräch mit allen Beteiligten“, empfand der Ortsvorsteher.

„Das wunderschöne Pfarrhaus muss eine neue Verwendung finden, damit es erhalten werden kann“, so Wahlers. Es sei ohne Investitionen auf Dauer nicht mehr bewohnbar, daher mache die Kirche sich Gedanken, wie sie das alte Haus erhalten könne – das begrüße er. „Da sind wir jetzt alle gefordert mitzugestalten.“

Die Anwohner haben der Kirche bereits eine Alternative vorgeschlagen: „Das Paul-Gerhard-Haus ist wohl statisch nicht so toll. Also könnten das Haus und der dortige Kindergarten doch in das Pfarrhaus umziehen“, sagt Petra Naumann.

„Der Garten wäre für die Kinder toll und es müsste vielleicht nur ein weiteres Nebengebäude gebaut werden.“ Umgekehrt könnte der Elisabeth-Verein am Standort des Paul-Gerhard-Hauses bauen. „Das wäre perfekt: Das Gelände ist eben, die Diakonie ist auch dort, Bäcker und Ärzte sind fußläufig zu erreichen.“

Der Elisabeth-Verein arbeitet­ laut Günther aktuell noch an den Plänen und will sie in Kürze mit allen Beteiligten vorstellen.

von Patricia Grähling

„Frischluftschneise bleibt erhalten“

Die Anlieger befürchten den Verlust einer wichtigen Frischluftschneise durch die Ausweisung neuer Bauplätze. Der Pfarrgarten befindet sich am oberen Ende eines breiten, unbebauten Streifens bis hinunter zur Umgehungsstraße. „Die Eigentümer der anderen Grundstücke wollten längst Bauland daraus machen“, erklärt Anwohner Michael Feodor-Kurz. Die Stadt habe dies jedoch nicht genehmigt, weil das Grünland als Belüftungsschneise für den Ortskern von Cappel diene. „Wieso sollen dann jetzt an das obere Ende Häuser gebaut werden?“, fragt Christine Völker. Dann würde die Schneise geschlossen – „und den anderen Besitzern könnte man dann auch nicht mehr verwehren, dort zu bauen“, befürchten die Anwohner.

Bürgermeister Kahle erklärte auf Nachfrage der OP, dass der Flächennutzungs- und der Landschaftsplan zwischen dem Pfarrgarten und der Umgehungsstraße Grünflächen ausweisen. „Eine Bebauung dieser Fläche ist und bleibt ­damit ausgeschlossen.“ Daher bleibe auch die Klimafunktion in diesem Bereich erhalten. „Das Pfarrgrundstück selbst ist als Mischgebiet ausgewiesen“, erklärt Kahle weiter. Es könne daher in Teilen als bebaubar angesehen werden – ein Bebauungsplan existiere nicht.

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