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Tatenlosigkeit ist das Schlimmste

2. Richtsberger Gesundheitstag Tatenlosigkeit ist das Schlimmste

150 Teilnehmer zählte die Veranstaltung in der Gesamtschule Richtsberg am Samstag. Ausrichter waren unter anderem der Islamische Kulturverein Hadara und das Universitätsklinikum Gießen/Marburg.

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Dana Elfarra (von links) übt an einer Puppe die Herzdruckmassage – beobachtet von ihrem Vater, dem Herzchirurgen Dr. Hamdi Elfarra, und dem Notfallmediziner Dr. Markus Spies.

Quelle: Benjamin Kaiser

Richtsberg. Dr. Markus Spies, Anästhesist und Notfallarzt am Universitätsklinikum Marburg, konnte die „goldene Regel“ nicht oft genug wiederholen. „Wenn ein Mensch einen Herzinfarkt hat, dann können Sie nichts falsch machen. Das Schlimmste ist, tatenlos daneben zu stehen, weil Sie Angst haben“, richtete er sich an seine Zuhörer, als er Erste-Hilfe-Methoden anhand einer Plastikpuppe erläuterte.

Laut Dr. Spies und Dr. Hamdi Elfarra, Herzchirurg am Universitätsklinikum Marburg und Vorsitzender des Islamischen Kulturvereins Hadara, sollte jeder der 150 Teilnehmer die Übung „mindestens“ einmal durchführen. Daher wurde das Prozedere gleich drei Mal wiederholt. „Es geht darum, Automatismen bei den Menschen einzustellen. Denn Erste Hilfe ist für den Helfenden eine Stresssituation. Um die Maßnahmen für den Hilfebedürftigen zu optimieren, braucht es viel an Übung“, erklärte Dr. Spies. Ob Senioren, Kinder oder Eltern, der Anästhesist ermutigte alle, sich bei der Ersten Hilfe an einer Plastikpuppe zu versuchen.

Die Erste-Hilfe-Übungen zogen sich in die Länge, denn Dr. Elfarra übersetzte die Erklärungen seines Kollegen ins Arabische. Der Großteil der Anwesenden war arabischsprachiger Herkunft. Ein Umstand, den Dr. Elfarra hervorhob: „Gerade in Familien mit Migrationshintergrund sind die Kenntnisse über Erste Hilfe nicht gut genug.“ Beim Gesundheitstag solle dem Abhilfe getan werden. Auch Flüchtlinge befanden sich unter den Teilnehmern.

In den eigenen vier Wänden fit halten

Neben Workshops mit den Themen Reanimation, Blutdruck- und Blutzucker-Messung sowie medizinische Beratung hörten die Veranstaltungsteilnehmer zwei Vorträge: Dr. Bilal Al-Sarraj aus Münster und Stefan Weil vom Fitnessstudio „Vita Fitness – Gesundheitszentrum Marburg“ sprachen über die Wichtigkeit von täglicher Bewegung für die Gesundheit. Königsdisziplin sei natürlich immer noch das Joggen oder Spazierengehen.

Allerdings unterstrich das Duo auch, dass sich jeder mit Sportartikeln wie Stretchbändern in den eigenen vier Wänden fit halten könne. Viel Geld für eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio sei nicht unbedingt notwendig. „Gerade hier am Richtsberg, wo viele Menschen von wenig Einkommen leben, halte ich dieses Thema für wichtig“, meinte Dr. Elfarra.

Einen weiteren Vortrag während der vierstündigen Veranstaltung hielt Ariya Avanloo von der Hochschule für Gesundheit Bochum. Er sprach darüber, dass Bürger oft überhaupt nicht wüssten, wie viele Sportangebote in ihren Stadtvierteln tatsächlich existieren.

Dem könne laut Dr. Elfarra am Richtsberg entgegengewirkt werden: „Es gibt hier in Marburg die Gemeinwesenarbeit AG, in der unter anderem Kitas und Vereine vertreten sind. In diesen Dialog müssen wir die Bürger mehr einbinden, um zu informieren und ihre Bedürfnisse kennenzulernen.“

von Benjamin Kaiser

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