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Aus dem Müll in 
ein besseres Leben

Die Waisen von Mombasa Aus dem Müll in 
ein besseres Leben

Im letzten Teil der Berichterstattung aus Kenia geht es um das „Shining Or­phans“-Waisenhaus des Kirchhainer Ehepaares Claus und Mareike Müller.

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Hausmutter Cynthia Cheboi füttert Baby Stefan, der in Plastiktüten gewickelt auf einer Müllkippe gefunden wurde.

Quelle: Nadine Weigel

Kashani. Gierig nuckelt der kleine Stefan an seinem Fläschchen. Das kenianische Baby mit dem deutschen Namen ist sechs Wochen alt. Der Kleine wurde auf einer Müllkippe gefunden – eingewickelt in Plastiktüten. Nur wenige Tage nach seiner Geburt wurde er weggeworfen wie ein Stück Müll. Jetzt geht es ihm gut. Er trägt einen blauen Strampler, seine kleinen Füße stecken in hellblauen Strümpfchen. In seinem Bettchen baumelt ein kleines Mobile. Stefan lebt nach seiner Rettung nun im „Shining-Orphans“- Waisenhaus von Claus und Mareike Müller in Kashani, nahe Mombasa. Das Kirchhainer Ehepaar begann dort im Jahr 2007 mit dem Bau eines Waisenhauses. Dank zahlreicher Spenden von OP-Lesern ist das Haus nun fertiggebaut. Seit Juli leben 16 bedürftige Kinder in dem großen, schönen Gebäude auf dem Hügel.
In dem weitläufigen Garten hinter dem imposanten Haus ist die dunkelrote, fruchtbare Erde aufgegraben. Grüne Früchte hängen an den Sträuchern eines Papaja-Baumes. Viele Obst- und Gemüsesorten werden hier angebaut. Noch macht dies der Gärtner, doch irgendwann sollen auch die Kinder lernen, wie man die Natur nutzt, um sich selbst zu versorgen. Ein weißer Babystrampler an der Wäscheleine flattert im Wind. Das „Shining-Orphans”- Waisenhaus liegt auf einem Hügel und entkommt somit der drückenden Schwüle Mombasas. Die 16 Kinder haben sehr viel Platz, um sich auszuleben. Sie rennen über die Wiese vor dem großen Haus, spielen Fußball oder toben ausgelassen herum.
Eigentlich sollten es 20 Kinder sein, diese Anzahl braucht es, damit ein Heim in Kenia registriert wird. Doch einige Kinder wurden in den vergangenen Wochen wieder vom Jugendamt abgeholt. „Einige der Kinder wurden ausgesetzt und manchmal findet die Polizei eben doch noch Angehörige”, erklärt Justin Wambua, der derzeit vor Ort das Kinderheim für das Kirchhainer Ehepaar leitet. Wird ein Kind in den Straßen Mombasas gefunden, sucht das Jugendamt erst einmal nach Angehörigen. Findet die Behörde keine Verwandten mehr, kann nach einem halben Jahr vom Waisenhaus ein sogenanntes Committal beantragt werden. Wird dies vom Jugendgericht genehmigt, verbleibt das Kind bis zu seinem 18. Lebensjahr im Waisenhaus.
Im „Shining Orphans”-Kinderheim von Ehepaar Müller werden die 16 Kinder von drei Hausmüttern betreut. Bernadette Nthenya ist rund um die Uhr da. Mit einem breiten Lächeln bedeutet sie den Kindern, sich in einer Reihe aufzustellen: Es ist Essenszeit und vorher ist Händewaschen angesagt.
Laut dem Kinderhilfswerk Unicef ist jedes fünfte Kind in Kenia unterernährt. Doch vor Hunger brauchen die Kinder im Müllerschen Waisenhaus keine Angst mehr haben. Sie werden gut versorgt, alle sind wohlgenährt. An diesem Tag gibt es zum Mittagessen Reis und Süßkartoffeln, zum Nachtisch gibt es Mangos. „Wir achten sehr auf eine gesunde Ernährung”, betont Bernadette und gibt auch den Jüngeren ein Stück der Vitamin C-reichen Frucht.
Die Kinder, die alt genug sind, gehen in die Schule. Den Jüngeren bringt Hausmutter Bernadette englische Grundkenntnisse bei. Überall im großen, hellen Aufenthaltsraum hängen Plakate mit Zahlen und Buchstaben.
Auch der kleine Stefan soll irgendwann einmal in eine Schule gehen. Bildung soll ihm die Chance auf ein besseres Leben geben. Eine Chance, die dem kleinen Baby vom Müll ohne das Engegament des Kirchhainer Ehepaares verwehr geblieben wäre.

 von Nadine Weigel

Mehr über das Projekt der Müllers finden Sie unter: www.shiningorphans.com und mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Ausgabe von Montag.

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