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Zwei Leistungshüten im Jubiläumsjahr

100 Jahre Kreisschäferverein Zwei Leistungshüten im Jubiläumsjahr

Ja, zugegeben, in manchen Landkreisen gibt es mehr Schafhalter als im hiesigen, doch die mit ­Abstand meisten Schafe leben tatsächlich im Raum Marburg-Biedenkopf.

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Manfred Damm aus Treisbach ist Nebenerwerbsschäfer aus Leidenschaft.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Kein anderer Landkreis bringt es in Hessen auf 15.000 oder gar noch mehr ­Schafe. Bei allem Stolz muss aber auch angemerkt werden, dass diese Zahl schon einmal, nämlich 1997 und dann von nur 291 Haltern, erreicht wurde. Jetzt sind es 400 offiziell registrierte Halter. 2007 gab es tatsächlich 527 Halter, die es zusammen auf 21.600 Schafe brachten.

Seither geht es wieder nach unten, aber zum Vergleich zu 1987, wo es gerade mal 112 Halter gab, die 11.000 Schafe besaßen, ist der Wert im Jubiläumsjahr des Kreisschäfervereins doch ein sehr guter. Und was noch sehr gut ist und eigentlich am allerwichtigsten: Der Kreisschäferverein besteht nicht nur auf dem Papier, er ist richtig aktiv und findet auch in der Öffentlichkeit viel Zuspruch, insbesondere bei seinen Veranstaltungen zum Leistungshüten, die immer eine vierstellige Besucherzahl aufweisen.

Das Leistungshüten, egal ob auf Kreis-, Bezirks- oder auf Landesebene, wird zwar sehr gerne zum internen Fachaustausch der Schafhalter genutzt, sie sind aber auch regelrechte Freizeit-Events. Zahlreiche Familien kommen dorthin, um live zu erleben, wie das so alles funktioniert mit den Schafen und den Hunden, die sie nicht nur zusammenhalten, sondern auch regelrecht führen. Dazu ist bei den Veranstaltungen auch immer für eine gute Verköstigung der Gäste gesorgt. Zum 100-jährigen Bestehen bietet der Verein mit dem Kreisleistungshüten am 23. Juli in Hatzbach und mit dem Landesleistungshüten am 26. August gleich zwei Veranstaltungen mit viel Beiprogramm, insbesondere für Kinder. Neben einer Hüpfburg wird es einen Malwettbewerb, Kinderschminken, einen Streichelzoo und diverse Spiele geben.  

Termine

Sonntag, 23. Juli: Kreisleistungshüten für die Landkreise Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg von 8 bis 17 Uhr in Stadtallendorf-Hatzbach auf dem Gelände an der neuen Grillhütte, ab 10.15 Uhr Gottesdienst unter Mitwirkung des Posaunenchors Hatzbach.

Samstag, 26. August: Landesleistungshüten mit Schäferfest und 100 Jahre Kreisschäferverein Marburg-Kirchhain-Biedenkopf in Kirchhain-Stausebach auf dem Gelände am Schützenhaus von 8 bis 17 Uhr.

Die offiziellen Begrüßungen finden gegen 10 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. Für Essen und Trinken wird gesorgt sein. Die Hütegelände werden gesondert ausgeschildert sein.

Die Herde für das zunächst anstehende Kreisleistungshüten besteht aus rund 200 Schwarzkopf-Schafen, die der Hatz­bacher Schäfer Martin Henkel zur Verfügung stellt. Die Teilnehmer werden für die Bewältigung der verschiedenen Aufgaben nur ihre eigenen Hunde dabei haben. Zwei Wertungsrichter werden über ein Punktesystem die erbrachten Leistungen der Schäfer bewerten. So wird ein Sieger ermittelt, der sich dann weiter qualifiziert.

Den Verein, so wie er sich heute darstellt, gibt es so noch nicht seit 100 Jahren, aber seine Anfänge reichen so weit zurück. Erst 1962 kam es zum Zusammenschluss der beiden Vereine aus Marburg und Kirchhain. Im Zuge der Gebietsreform kam dann 1972 der Kreisteil Biedenkopf dazu.

„Zur Zeit der Gründung der beiden Schäfervereine in den damaligen Kreisen Marburg und Kirchhain im Jahr 1917 kam noch mehr als die Hälfte des Erlöses aus der Schafproduk­tion von der Wolle“, sagt Norbert Fett, heutiger Geschäftsführer des Kreisschäfervereins.

Das sollte sich später ändern. „Während die Fleischerzeugung vom Schaf bis Mitte der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine recht befriedigende Preisentwicklung hatte, bewegte sich seit 25 Jahren auf dem Wollmarkt nichts mehr. Rund drei D-Mark gab es für ein Kilo Rohwolle. Wer die Umstellung auf die Fleischerzeugung nicht schaffte musste aufgeben“, erläutert Fett.  Zur aktuellen Lage sagt er: „Heute wird vielfach bedauert, dass auch die Schafproduktion dem Zwang zur Intensivierung unterworfen ist und ­hohe Produktionszahlen aufweisen muss.

Eine besondere Haltung zu den Tieren und der Natur

Dabei wäre sie im Rahmen einer großflächigen Landschaftspflege mit dem Erzeugungsschwerpunkt Wolle in unserem Zeitalter, in dem der Nahrungsmittelmarkt in unserem Land überfüllt ist, sicher ein zeitgemäßer Faktor für die heute wichtigen Aufgaben der Landschaftspflege.“

Und was lässt sich verdienen? Mit dem Scheren der Wolle weiterhin nichts mehr. „Ein Schaf bring vier Kilo Wolle à 50 Cent das Kilo. Das Scheren eines Schafs kostet aber 3 Euro bis 3,50 Euro. Aber es muss allein aus gesundheitlichen Gründen für das Tier gemacht werden“, sagt Fett. Also muss es der Fleischpreis bringen und, ja genau, die Prämienzahlungen aus Brüssel für das Beweiden von Flächen.

Das hat dann mit Schäferromantik nichts mehr zu tun. Und trotzdem: Schäfer zu sein, ob nun hauptberuflich oder im Nebenerwerb, hat immer ganz viel mit einer besonderen Haltung und Einstellung zu den Tieren und der Natur zu tun. Für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im europäischen Wettbewerb muss dann die Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände kämpfen.

von Götz Schaub

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