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Zahl der Autodiebstähle gestiegen

Zahlen Marburg Biedenkopf Zahl der Autodiebstähle gestiegen

Im Kino sieht es ja immer einfach aus: Tür aufhebeln, Kabel unter dem Lenkrad rausreißen und verbinden – schon braust der Schuft davon. Tatsächlich sind Autodiebe aber hochqualifiziert und ­professionell organisiert.

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In Berlin passiert es zwar häufiger, aber auch in Marburg und Umgebung werden immer wieder Autos gestohlen.

Quelle: Julia Brinkmann

Marburg. Die gute Nachricht vorweg: Autos sind im Landkreis Marburg-Biedenkopf sicher. 28 Autodiebstähle wurden der Polizei im Jahr 2016 gemeldet. Bei rund 140 000 gemeldeten Pkw dürfen Betroffene durchaus von Pech sprechen, wenn ihr eigener Wagen entwendet wurde. Rein statistisch betrachtet ist es schließlich unwahrscheinlich.

Anderswo in Deutschland sind die Prognosen nicht ganz so günstig. Laut einer Studie des Verbraucherportals „billiger.de“ ist die Diebstahlquote in vielen Städten exorbitant höher als im Landkreis. Auf Platz Eins der Liste liegt Berlin, wo 2017 pro 100 000 gemeldeten Pkw 572 Diebstähle verzeichnet wurden. Auf den weiteren Rängen folgen Aachen (565) und Frankfurt an der Oder (524). Die naheliegenden Grenzen dürfen in diesen beiden Städten als günstige Standtortfaktoren für Autodiebe gewertet werden.

Die Zahl der gemeldeten Diebstähle im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist seit 2014 (17) nach Angaben der Polizei leicht angestiegen. Betroffen waren fast alle Gemeinden; einen Schwerpunkt gibt es im Landkreis nicht. Besonders abgesehen haben es die Autoknacker offenbar auf Fahrzeuge der Marke Audi, die in den Jahren von 2014 bis 2016 stets zu den am häufigsten gestohlenen Autos gehörten. Allgemein sind aber auch andere Marken im Fokus der Ganoven.

Bei hochwertigen Pkw, SUV-Modellen und Kleintransportern greifen sie gerne zu.

Ist der eigene Wagen einmal weg, darf sich der Bestohlene aber durchaus Hoffnung darauf machen, das Auto zurückzubekommen. Die Aufklärungsquote bei Autodiebstählen schwankt zwar, lag aber 2016 im Landkreis Marburg-Biedenkopf bei 66 Prozent. 2014 betrug die Quote lediglich rund 38 Prozent. Diese Schwankungen erklärt Martin Ahlich, Pressesprecher der Polizei Marburg-Biedenkopf, so: Wird ein Autodieb verhaftet, werden oft gleich mehrere Diebstähle auf einen Schlag aufgeklärt.

Wer aber sind diese Leute, die es auf die teuren Autos abgesehen haben? Nach Angaben der Polizei handelt es sich dabei in aller Regel um hochqualifizierte Täter, die in professionellen Banden organisiert sind. In diesen Banden erfüllt jeder eine besondere Aufgabe in der „Wertschöpfungskette“. So gibt es Auftraggeber, Hehler und die eigentlichen Diebe. Bevor Letztere an die Arbeit gehen, haben andere schon Vorarbeit geleistet und ganze Wohngebiete ausgespäht, um in Erfahrung zu bringen, wo wertvolle Beute abgestellt ist.

Mit Know-how und passendem Werkzeug

Die Diebe selbst sind technisch auf dem neuesten Stand ausgerüstet. Mit ihrem Know-how und den passenden Werkzeugen sind sie in der Lage, serienmäßig eingebaute Sicherungseinrichtungen zu überwinden. Das bedeutet allerdings nicht im Umkehrschluss, dass man die Technik des Fahrzeugs nicht benutzen sollte, die den Autoknackern das Leben schwer macht. Ganz im Gegenteil: Die Polizei rät Autobesitzern, dass sie eine eingebaute Diebstahlwarnanlage auf jeden Fall in Betrieb nehmen sollten. Darüber hinaus helfen einige simple Maßnahmen, das eigene Fahrzeug zu schützen.

So sollten Autos niemals einfach am Straßenrand oder in ungesicherten Carports abgestellt werden. Der sicherste Ort ist eine abschließbare Garage. Wenn es schon der Straßenrand sein muss, dann sollte der Parkplatz gut ausgeleuchtet sein und die Straße bestenfalls belebt.

Gemeldete PKW

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf waren nach Angaben der Kreisverwaltung Ende November 2017 genau 139 999 Pkw angemeldet. Davon waren in den einzelnen Kommunen gemeldet: Amöneburg (3 482), Angelburg (2 220), Bad Endbach (5 025), Biedenkopf (8 384), Breidenbach (4 284), Cölbe (4 139), Dautphetal (7 633), Ebsdorfergrund (6 107), Fronhausen (2 599), Gladenbach (7 616), Kirchhain (10 320), Lahntal (4 401), Lohra (3 736), Marburg (33 971), Münchhausen (2 305), Neustadt (5 038), Rauschenberg (2 972), Stadtallendorf (11 375), Steffenberg (2 666), Weimar (4 545), Wetter (5 636), Wohratal (1 545).

Das Lenkradschloss sollte eingerastet werden und der Zündschlüssel stets abgezogen – auch wenn nur kurz gehalten wird, um einen Kaffee zu kaufen. Fenster, Türen und alle anderen Öffnungen sollten fest verschlossen werden. Gefahr droht auch, wenn das Auto per Fernbedienung verschlossen wird. Kriminelle nutzen Funkblocker, die das Abschließen verhindern. Wer sein Auto mit einer Fernbedienung verschließt, sollte immer darauf achten, dass der Wagen das bestätigt, etwa mit einem Blinken.

Ersatzschlüssel im Auto zu verstecken, ist auch keine gute Idee. Diebe kennen solche Verstecke. Hinzu kommt: Wer seinen Zweitschlüssel im Auto lässt, handelt grob fahrlässig und bekommt unter Umständen von der eigenen Versicherung keinen Cent ersetzt.

Überhaupt sollten Schlüssel nie unbeaufsichtigt zurückgelassen werden, zum Beispiel in Gaststätten oder in Umkleidekabinen. Autodiebe brechen laut Polizei sogar in Häuser ein, nur um an die Schlüssel für das in der Garage geparkte Auto zu gelangen. Die Schlüssel an ein Board zu hängen oder auf eine Kommode in der Diele zu legen, macht es den Einbrechern dann zu leicht.

Schlüssel können gesperrt werden

Ist der Schlüssel aber weg, sollte der Weg sofort in eine Fachwerkstatt führen. Dort lassen sich moderne Schlüssel sperren und werden somit für Autodiebe nutzlos. Auch das sogenannte „Keyless-Komfortsystem“ hat seine Tücken. Mit diesem System schließt das Auto automatisch ab, wenn sich der Schlüssel entfernt, und es schließt wieder auf, wenn der Schlüssel sich nähert. Das Signal kann mit der passenden Technik abgegriffen werden. Allerdings lässt sich das System bei den meisten Modellen abschalten. Die Fachwerkstatt weiß wie.

Vorsicht ist geboten, wenn ein Fahrzeug mit auswärtigem Kennzeichen langsam durch die Straßen fährt. Wenn dann auch noch jemand Autos fotografiert, kann es sich dabei um die Vorbereitung eines Diebstahls handeln, denn häufig werden Fahrzeuge auf Bestellung gestohlen. Wer das beobachtet, sollte Kennzeichen und Autotyp notieren und der Polizei mitteilen.

von Dominic Heitz

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