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Wenn‘s Zeugnis die Ferienlaune vermiest

Gespräch mit einem Schulpsychologen Wenn‘s Zeugnis die Ferienlaune vermiest

Die Sommerferien sind zu lang! Das findet Schulpsychologe Josef Zollnertisch. Er ist der Ansicht, dass kürzere Sommerferien für bessere Noten sorgen.

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Wenn das Zeugnis keinen Anlass zur Freude bietet, sollten die Defizite strukturiert in den Ferien aufgearbeitet werden.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Ist der Puls beim Lesen des obigen Vorspanns schon in die Höhe gegangen? Dann folgt jetzt sofort die Entwarnung: Zollnertisch ist Schulpsychologe in Österreich. Und in Österreich gehen die Sommerferien über volle neun Wochen, nicht über sechs wie hierzulande. Aber auch wenn wir uns hier nur mit sechs Wochen begnügen müssen, sehen Schulpsychologen ausreichend Zeit für die Kinder, ihre Akkus wieder zu laden, und darüber hinaus auch eine gute Gelegenheit, gewisse Defizite im schulischen Wissen aufzuholen. Sechs Wochen, so übrigens auch der österreichische Schulpsychologe, ist eine gute Zeitspanne für die Ferien. Nach den doch mitunter sehr stressigen Wochen für die Schüler sei es durchaus angebracht, ihnen jetzt drei Wochen zum Entspannen zu geben, sagt Harald Diegelmann, einer von sechs Schulpsychologen des staatlichen Schulamtes in Marburg.

Hintergrund

Die Angebote der Nachhilfeinstitutionen sind breit gefächert. Von Einzelunterricht über Kleingruppen bis hin zu Feriencamps ist alles vertreten.Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Nachfrage steigt jährlich. Die Schüler nutzen sie besonders für Nachprüfungen oder um den Schulstoff vor dem Abitur nochmal zu wiederholen und zu festigen, so Ute Janich, die pädagogische Leiterin der Abacus-Nachhilfe Marburg-Biedenkopf.

Neben den Hauptfächern Mathe, Englisch, Deutsch werden auch zahlreiche Nebenfächer angeboten und auch spezielle Extra-Fächer. Die Schülerhilfe in Marburg bietet zum Beispiel Rechnungswesen für die Berufsschüler an, während die Eselsbrücke-Nachhilfeschule neben den obligatorischen Angeboten auch Specials wie „Schönschreiben“ oder „Mythologie“ im Programm hat. In den Feriencamps des „Lernteams“, die deutschlandweit unterwegs sind, gibt es neben viel Unterricht und dem Schwerpunkt Lernmethodik auch jede Menge Freizeit, denn die etwa 50 Kinder und Jugendlichen sollen ihre Ferien trotz Lernen immer noch genießen.

Die Angebote der Institutionen sind kostenpflichtig, jedoch versuchen sie nach eigenen Angaben, die Preise so zu gestalten, dass sie für alle erschwinglich sind. Klar ist aber, dass der Preis je nach Angebot variiert.

von Luisa Kutsch

Generell raten Experten gerne zum spielerischen Lernen in den Ferien. Dazu muss man nicht wegfahren, das geht auch ganz einfach im Alltag, indem die Kinder in ganz normale Aufgaben aktiv und in Selbstverantwortung mit eingebunden werden. „Das geht damit los, dass Kinder beim Tischdecken Zuordnungen treffen müssen, beim Einkauf das Gefühl dafür bekommen, wie ein Kilo Zucker aussieht und wie schwer es sich anfühlt“, sagt Diegelmann. Auch wenn sich ein Kind für ein Buch begeistern lässt und es dann auch liest, lernt es automatisch auf vielen Ebenen.

Diegelmann weiß, dass der Schlüssel fürs erfolgreiche Lernen in der Motivation des einzelnen Schülers liegt. Egal ob es in den Sommerferien nur ein bisschen darum gehen soll, leichte Defizite auszugleichen, etwa bei den Englisch-, Französisch- oder Lateinvokabeln, oder ob es tatsächlich ans Eingemachte geht, sprich um die Vorbereitung auf eine Nachprüfung zu Beginn des neuen Schuljahres, um mit der „alten“ Klasse doch noch gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen zu können.

„In diesen Fällen ist es wichtig, dass Eltern mit dem Schüler einen festen Plan erarbeiten, wann für diese Prüfung zu lernen ist, und natürlich, was gelernt werden soll“, sagt Diegelmann. Zwei bis drei Stunden konzentriertes Lernen in den letzten drei Ferienwochen sollten es dann schon täglich sein. Am besten vormittags, so dass das Kind danach noch freie Zeit vor sich hat, die Ferientage zu genießen. Eltern sollten sich die Zeit nehmen, die Art des Lernens mit ihrem Kind zu besprechen.

„Es ist wichtig, dass die Eltern ihre Kinder ins Boot holen. Bei dem Planungsgespräch zum Lernen sollte es um Forderungen, Unterstützung, Angebote und Kompromisse gehen, denn ein Lernen ohne die Selbstverantwortung des Kindes, ohne ausreichende Motivation des Kindes wird nicht den Erfolg bringen“, so der Marburger Schulpsychologe. Generell rät er Eltern dazu, nicht fokussiert auf die Schwächen und Defizite ihres Kindes zu schauen, sondern auch ganz bewusst die positiven Aspekte aufzugreifen, um so das Selbstwertgefühl ihres Kindes zu steigern, um es zu motivieren, nun auch schwierigere Dinge angehen zu wollen. Sollten Gespräche überhaupt nicht zielführend sein, gibt es weitere Hilfen: Die Schulpsychologen sind gerne bereit, in ein solches Gespräch zwischen Eltern und Kind mit eingebunden zu werden. Durchaus können auch gewerbliche Anbieter von Nachhilfeunterricht weiterhelfen sowie andere Familienmitglieder oder Freunde, wenn es mit den Eltern für das Kind einfach nicht geht.

von Götz Schaub

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