Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
WLAN über Kreisgrenzen hinweg

Landkreise planen Netzaufbau WLAN über Kreisgrenzen hinweg

Unterwegs in Mittelhessen und freies WLAN ist an vielen Orten verfügbar. Dies wollen fünf Kreise erreichen. Die hiesigen Kommunen haben einen Bedarf von 350 Hotspots angemeldet. Wie teuer das wird, ist noch offen.

Voriger Artikel
Ärzte-Bereitschaft zieht auf Lahnberge
Nächster Artikel
Wenn‘s Zeugnis die Ferienlaune vermiest

Ein Schild „Hier freies WLAN“ weist in Hildesheim (Niedersachsen) auf einen Hotspot vom kostenlosen Netzwerk „Freifunk Hildesheim“ hin. In Mittelhessen wollen fünf Landkreise kostenloses WLAN im Verbund aufbauen.

Quelle: Julian Stratenschulte

Marburg. Der Kreistag soll in seiner öffentlichen Sitzung am Freitag ab 9 Uhr im Tagungsgebäude des Landratsamts über die Teilnahme an dem Projekt „WLAN in Mittelhessen“ entscheiden. Erster Schritt ist eine Kooperationsvereinbarung zwischen Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Vogelsbergkreis und Gießen, zweiter Schritt das gemeinsame Vorbereiten des Projekts, wobei externe Berater helfen sollen. Dieser Prozess kostet: Jeder der fünf Landkreise soll 20.000 Euro bereitstellen, das Land Hessen hat zudem bis zu 100.000 Euro aus Mitteln für interkommunale Zusammenarbeit in Aussicht gestellt, um dies zu unterstützen.

In allen fünf Kreistagen würden gleichlautende Beschlüsse­ zu dem Projekt behandelt, ­berichtete Landrätin Kirsten Fründt (SPD) im Hauptausschuss. Das Ziel sei, in mittel­hessischer Kooperation ein ­Pilotprojekt zu stemmen, denn weder in Nord- noch in Südhessen gebe es bislang zusammenhängendes öffentliches und frei zugängliches WLAN. Die Kommunen von Marburg-Biedenkopf haben ihren jeweiligen ­Bedarf bereits definiert.

Kreistag soll am Freitag zustimmen

Auf Nachfrage der OP teilte der Kreis mit, dass die hiesigen Städte und Gemeinden 113 Außen-Hotspots und 237 Innen-Hotspots angemeldet haben. Vorgesehen sind öffentliche Plätze­ wie Fußgängerzonen, Hallen, Bürgerhäuser, Feuerwehrhäuser. Wie teuer das WLAN-Projekt für Mittelhessen wird, sei indes­ noch offen. Der Projektstart ­solle zeitnah erfolgen, wann der tatsächliche Ausbau beginnen könne, stehe noch nicht fest.

Aus Sicht der Nutzer sei wichtig, dass sie einfach auf WLAN zugreifen könnten, sagte Fründt. Lösungen, die von Kommune zu Kommune variierten, seien kaum mehr beherrschbar.

Parallel zum WLAN-Projekt läuft derzeit die Ausschreibung für den weiterführenden Ausbau des Breitbandnetzes im Landkreis. Dafür stehen 10,4 Millionen Euro bereit – 8,2 Millionen Euro davon übernehmen Bund und Land. Die verbleibenden 2,2 Millionen Euro finanzieren Kreis und Kommunen jeweils zur Hälfte. Diese­ ­Mittel würden keinesfalls in voller ­Höhe noch in diesem Jahr benötigt, führte Fründt aus. ­Eine vorgezogene Finanzierung des WLAN-Projekts aus diesem Geld sei somit möglich. Kreis und Kommunen müssten den WLAN-Aufbau gemeinsam ­finanzieren, sagte Fründt.

Grüne und AfD: Anschubkosten zu hoch

Im Hauptausschuss fand ­Michael Meinel (Grüne), dass 200.000 Euro für die gemeinsame Projektentwicklung viel Geld seien und dass die Landkreise mit dieser Initiative zu spät kämen. Fründt konterte,­ dass es sich um ein „Vorreiter-Projekt“ handele, „auch aus Sicht des Landes“. Fraktionsvorsitzende Anna Hofmann (Die Linke) sagte: „Ich finde es  positiv, zumal wir im Landkreis teils immer noch ein schlechtes Mobilfunknetz haben.“ Internetnutzung übers Smartphone sei vielerorts überhaupt nicht möglich.

Fraktionsvorsitzender Werner Waßmuth (CDU) fand 20 000 Euro für die Vorbereitung einer „guten, vorteilhaften Sache“ angemessen. Joachim Thiemig (SPD) führte­ an, dass der Bedarf groß sei. „Die Menschen werden äußerst dankbar sein.“ Der Kritik von Meinel hielt er entgegen, man solle etwas Gutes nicht schlechtreden. Ein Gesamtkonzept, an dem alle Kommunen und Kreise mitwirkten, bedeute einen großen Arbeitsaufwand. Ausschuss- sowie Fraktionsvorsitzender Werner Hesse (SPD) betonte, dass jede technische Entwicklung quasi schon überholt sei, sobald man mit dem Aufbau begonnen habe. Meinels Kritik, dass die WLAN-Initiative zu spät komme, sei folglich nicht gerechtfertigt.

Bei Enthaltung von AfD und Grünen sprach sich der Ausschuss für den Beschluss zum Aufbau von öffentlichen WLAN-Netzen in Mittelhessen aus. Die AfD schloss sich der Meinung der Grünen an, dass 200.000 Euro für die Projektentwicklung eine „etwas zu hohe Summe“ darstellten, wie Reimund Dittmann ausführte.

von Carina Becker-Werner

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr