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Unterstützung im realen Lebensumfeld

Das Mobile Reha-Team Unterstützung im realen Lebensumfeld

Die Mobile Reha startete vor mehr als 20 Jahren als ein Modellprojekt. Jetzt ist sie ein nicht wegzu­denkender Bestandteil der medizinischen Ver­sorgungslandschaft des Landkreises.

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Das Mobile Reha-Team (von links): Meike Siedler, Hilde Bau-de Wit, Mathilde Bursch, Thomas Raeth, Katja Merte, Anke Driehsen, Inga Fröhling, Kerstin Dersch, Helena Bieker, Melanie Moritz, Ina ­Petermeyer, Dr. Daniela Stöckmann.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Der Tag beginnt für das Mobile Reha-Team immer mit einer kurzen Besprechung des Einsatzplanes, dann ist Ausschwärmen angesagt. Denn die eigentlichen Arbeitsplätze der Mobile-Reha-Mitarbeiter sind nur sehr bedingt die Räume im Oberweg 51 oberhalb des Diakonie-Krankenhauses Wehrda. Viel mehr arbeiten sie in den Wohnungen ihrer Patienten.

„Nach einem Krankenhausaufenthalt geht es für ­unsere Patienten darum, möglichst schnell und vor allem gut wieder im häuslichen Umfeld zurechtzukommen. Das kann am besten da trainiert werden, wo sich der Patient auch später bewegen soll, in seinem Zuhause“, sagt Dr. Daniela Stöckmann, die ärztliche Leiterin der Mobilen Reha.

Hintergrund

Seit 20 Jahren gibt es das Mobile Ambulante Geriatrische Reha-Team am Diakonie-Kranken­haus Marburg-Wehrda. Bereits 1995 startete es auf ­Betreiben der Leiterin der Stabsstelle Altenhilfe des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Ruth Schlichting, als Modellprojekt. Das Ziel war klar umrissen: Es sollte ­älteren Menschen, die nach einem stationären Klinikauf­enthalt eine umfassende rehabilitative Nachbehandlung benötigen, ermöglicht ­werden, diese Rehabilitation vier bis sechs Wochen lang direkt in ihren eigenen vier Wänden, sprich in ihrem gewohnten Lebensumfeld zu erhalten.

An dieser Zielsetzung hat sich nichts geändert. Das Team etablierte sich schnell als sehr gut vernetzte Zusatzversorgung im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Auf Grundlage des ärztlichen Rehabilitationsplanes werden neben medizinisch-therapeutischen Leistungen aus den Bereichen Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie individuelle Hilfsmittelberatungen geboten, die abgestimmt sind auf das Wohnumfeld. Zudem werden auch pflegende Angehörige direkt vor Ort angeleitet und unterstützt, was von diesen als große Hilfe angesehen wird, um sicherer zu werden im Umgang mit dem zu Pflegenden.

Die Mobile Reha wird entweder durch den Stationsarzt oder durch den Hausarzt angemeldet. In der Regel werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen. Der Erfolg gab ihr schnell ihre Daseinsberechtigung. In den vergangenen 20 Jahren wurden rund 3 000 Patienten aus dem Landkreis durch Mitarbeiter der Mobilen Reha behandelt. Viele dieser Patienten konnten dadurch weiterhin zu Hause ­leben oder nach einer Kurzzeit pflege dorthin zurückkehren.

Das Reha-Team besteht aus einer Ärztlichen Leitung, einer Teamleitung, einem Pflegeberater, zwei Logopädinnen, drei Physiotherapeutinnen, drei Ergotherapeutinnen und einer Verwaltungsangestellten. Die Mitarbeiter arbeiten selbstverantwortlich, aber nicht autark. In der Regel besteht immer eine enge Zusammenarbeit mit den entsprechenden Hausärzten, Pflegediensten, stationären Pflegeeinrichtungen, Kurzzeitpflegeeinrichtungen und Beratungsstellen des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Dabei können sich die Patienten darauf verlassen, auf sehr qualifiziertes Fachpersonal zu treffen. „Wer sich für die Mitarbeit bei der Mobilen Reha entscheidet, tut dies in der Absicht, dauerhaft dabei zu sein“, sagt Inga Fröhling, die die Team-Leitung inne hat. Dr. Stöckmann ergänzt: „Das ist keine Arbeit für Berufsanfänger. Wer hier arbeitet, verfügt schon über langjährige Erfahrungen, einige Zusatzausbildungen und ­ausgeprägte soziale Kompetenz. Das ist wichtig, weil alle vor Ort bei den Patienten komplett eigenständig arbeiten.“ Gerade der ­direkte Draht zum Patienten ist wichtig, um ihm Selbstsicherheit und Zuversicht zu geben, mit der Situation auch wirklich zu Hause zurecht zu kommen.

Fröhling versteht die Arbeit der Mobilen Reha als Basisarbeit, von der schon sehr viel abhängt. Gelingt sie gut, kann es für den Patienten auch im Nachgang nur bergauf gehen, „weil er in der Regel durch die Betreuung in den vier bis sechs Wochen im eigenen Zuhause motiviert ist, an sich zu arbeiten“, sagt Fröhling. Zudem bleibt bei den Besuchen vor Ort bei Einheiten von 45 Minuten Länge auch Zeit, pflegenden Angehörigen zu zeigen, wie sie am besten mit dem Patienten umgehen, wie sie unterstützend wirken können, ohne sich selbst zu großen Belastungen auszusetzen.

Fröhling betont: „Wir sind keine Konkurrenz zu niedergelassenen Therapeuten. Wir übernehmen nur für bestimmte Patienten ab 65 Jahren die wichtige Anfangszeit. Dann geht es auch für diese meist ambulant bei Therapeuten weiter. Unser gemeinsames Ziel besteht darin, den betroffenen Menschen die größtmögliche Selbstständig­keit zurückzugeben.“

Arbeitsplatz ist das Zuhause der Patienten

Die Wohnungen der Patienten sind wie das Leben: total unterschiedlich. Klein, groß, eng, geräumig, modern, rustikal, ebenerdig oder über mehrere Geschosse verteilt, aber in den wenigsten Fällen barrierefrei. Deshalb ist jeder Hinweis, wie es in der eigenen Wohnung besser mit der Mobiliät gehen kann, Gold wert. Mitunter sind bei den Besuchen auch mehrere Menschen dabei, nicht nur die nächsten Angehörigen. Bei Patienten mit Migrationshinter­grund kann es leicht mal vorkommen, dass bei der Verständigung auch ein Angehöriger als Dolmetscher helfen muss. Die Arbeit der Kollegen vor Ort, sagen Dr. Stöckmann und Inga Fröhling unisono, gestaltet sich sehr vielfältig und das macht sie auch neben der eigentlichen Aufgabe sehr interessant. Man kommt eben mit Menschen zusammen, erlebt sie in ihrer vertrauten Umgebung, allerdings in einer Ausnahmesituation. Da ist es nötig, den richtigen Ton zu treffen, Verständnis zu zeigen, aber auch klare Ansagen zu machen, wie etwas in den eigenen vier Wänden gelingen kann, um dort so lange wie möglich auch wohnen bleiben zu können.

Und als sei jeder einzelne Erfolg nicht Motivation genug, können sich die Mitarbeiter der Mobilen Reha auch sicher sein, politisch gewollt zu sein. Landrätin Kirsten Fründt jedenfalls nutzte die Feierstunde zum 20-jährigen Bestehen im Sommer dazu, zum Ausdruck zu bringen, dass der Landkreis sehr stolz darauf ist, wie sich dieses ehemalige Modellprojekt entwickelt hat. Deutschlandweit gibt es tatsächlich nur 14 Einrichtungen dieser Art.

Ganz ehrlich, es dürfen gerne mehr werden, immerhin ist die Mobile Reha längst kein Modell-Projekt mehr, sondern eine gesetzlich verankerte Form der Rehabilitation.

von Götz Schaub

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