Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
In diesem Jahr gibt es kaum Äpfel

Schlechte Ernte In diesem Jahr gibt es kaum Äpfel

Eckhard Herrmann stöhnt. In ganz Deutschland sei die Apfelernte in diesem Jahr ausgefallen, sagt er. Nicht gut für Liebhaber von Saft und Mus, nicht gut für Eckhard Herrmanns Geschäft.

Voriger Artikel
980 Euro für den Schlüsseldienst
Nächster Artikel
Für wen der Piks jetzt sinnvoll ist

Joachim Backhaus vom Lahntaler Nabu lässt sich einen Apfel schmecken.

Quelle: Dominic Heitz

Niederweimar. Seit 1995 keltert er Äpfel der Region, hat also schon gute und so manches schlechte Jahr erlebt für eine der beliebtesten Früchte der Deutschen. In diesem Jahr müssen sich Freunde von Boskop, Gravensteiner und Klarapfel in Verzicht üben. Der späte Frost im April hat die heimische Ernte fast komplett zerstört. Auch andere Obstsorten wurden damals in Mitleidenschaft gezogen.

Auf bis zu minus acht Grad sei das Thermometer gefallen, nachdem die meisten Obstbäume schon in Blüte standen, erinnert sich Herrmann. Jetzt machen sich die Folgen bemerkbar: Musste seine Kelterei im vergangenen Jahr noch drei- bis viermal in der Woche die Presse anwerfen, reicht in dieser Saison ein einziger Tag. Rund 90 Prozent weniger Äpfel wurden ihm gebracht, um daraus Saft zu gewinnen.

Das Ausbleiben der Apfelernte spüren auch die Naturfreunde vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Lahntal. Am vergangenen Sonntag feierten sie ihr Apfelfest – zum zweiten Mal erst. Im vergangenen Jahr gab es reiche Ernte und die mobile Saftpresse hatte viel zu tun. In diesem Jahr aber zeichnete sich schon früh ab, dass es nicht viel zu feiern geben wird. „Wir haben überlegt, ob wir das Apfelfest absagen sollen“, sagt Joachim Backhaus aus Goßfelden. Backhaus ist Vorsitzender der Nabu Ortsgruppe Lahntal.

Schutz vor Frost gibt es leider nicht

Die Gemeinden der Region­ versteigern die Früchte ihrer Obstbäume in jedem Jahr. In diesem Jahr habe man in Lahntal darauf verzichtet, erzählt Joachim Backhaus. Die schlechte Ernte habe den Aufwand nicht gerechtfertigt, sagt er. Der Nabu habe für eine Pauschale die Früchte einiger Bäume gekauft. Aus einer Streuobstwiese haben die Naturschützer dann auch etwas ernten können. „Wir mussten allerdings ordentlich rütteln“, sagt Backhaus. Es gibt dann eben doch einige, wenige Gebiete, wo etwas Obst gedeihen konnte.

Apfelsorten

Die Liste von Apfelsorten auf Wikipedia umfasst über 6 500 Namen von über 4 800 Sorten. Im Supermarkt finden sich davon häufig nur eine Hand voll wieder: Elstar, Gala oder Golden Delicious kennen sicher die meisten. Damit dürfte auch der durchschnittliche Geschmack der Deutschen umrissen sein – süß und saftig soll ein Apfel sein. Schaut man sich aber die Namen anderer Sorten an, keimt der Verdacht, dass noch unerforschte Geschmackswelten auf den Neugierigen warten. Oder haben Sie etwa schon mal etwas vom Heuchelheimer Schneeapfel gehört? Oder den Pommerschen Krummstiel probiert? Wer sich traut, auch in saure Äpfel zu beißen, kann sich auch mal an eine unbekanntere Sorte wagen.

Ob das an der Witterung oder an anderen Umständen lag, wusste Joachim Backhaus nicht zu sagen. Grundsätzlich seien­ Apfelbäume nicht besonders anspruchsvoll. Einmal im Jahr müssten die Äste zurückgeschnitten werden. Wenn der Baum dann noch genügend Feuchtigkeit erhalte, reicht ihm das und er kann Früchte tragen. Schützen könne man den Baum gegen den Frost nicht, sagt Backhaus. „Manche Obstbauern zünden Feuer an, damit die Blüten nicht erfrieren.“ Andere benetzten die Bäume vor den Frostnächten mit Wasser. Die Idee ist, dass das Wasser die Blüten umhüllt und gefroren dann eine Schutzschicht vor der Kälte bietet.

Für Liebhaber des Apfels gibt es aber auch eine gute Nachricht: „Im nächsten Jahr können wir mit einem guten Ertrag rechnen“, sagt Dr. Norbert Clement, der beim Landkreis als Berater für Obst- und Gemüsebau arbeitet. Alternanz nennt sich dieses Phänomen. Kurz gesagt: ­Haben Obstbäume in einem Jahr wenige Blüten und Früchte, werden sie in der Regel im folgenden Jahr eine reiche ­Ernte bescheren. Nach der Missernte 2017 könnte 2018 ­also ein Apfeljahr werden.

von Dominic Heitz

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr