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Sanierungsstau von 170 Millionen Euro

Zachow will Immobilienstrategie überarbeiten Sanierungsstau von 170 Millionen Euro

Rund 80 Millionen Euro habe der Kreis als Schulträger in den vergangenen fünf Jahren an mehr als 30 seiner rund 70 Schulstandorte investiert. „Wir haben viel getan, aber auch noch viel zu tun“, sagte Schuldezernent Marian Zachow.

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Erster Kreisbeigeordneter und Schuldezernent Marian Zachow (CDU) hat Pläne für die Weiterentwicklung der Schulimmobilien-Strategie. Er rückt Ganztagsschulen, Inklusion und die Zukunft der Schulsportstätten in den Fokus.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Seinem Vorgänger, dem ehemaligen Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern (Grüne), sei er „extrem dankbar“ für die im Jahr 2012 entwickelte Schulimmobilien-Strategie beim Landkreis. Dies führte Zachow während der jüngsten Kreistagssitzung aus. Er reagierte damit auf einen Antrag der Fraktion Die Linke, die einen Zwischenbericht zur Immobilien-Strategie gefordert hatte.

Durch die von externen Ingenieuren entwickelte Strategie habe der Kreis gleich drei Mal Schluss gemacht: „Mit Schulrenovierungen dort, wo gerade am lautesten geschrien wird,  mit regionalem Geschacher und mit ideologischen Einflüssen bei der Schulbauplanung, nach dem Motto, dem Dezernenten gefallen gerade Gesamtschulen am besten“, sagte Zachow. Stattdessen sei erstmals durch fachkundige Gutachter  eine Tabelle und Prioritätenliste zum Zustand der heimischen Schulen und des Sanierungsstaus entstanden. Seit 2012 habe der Kreis erheblich investiert in Schulerneuerung und energetische Sanierung: So seien 80 Millionen Euro an die Schulen gegangen, „an vielen weiteren Schulen sind die Arbeiten in Vorbereitung“.

Prioritätenliste für die Schulsanierung

Gleichwohl: Am Zustand der heimischen Schulen gibt‘s aus der Opposition immer wieder Kritik. Zachow jedoch ist überzeugt: „Unsere Schulen stehen nach den Investitionen der vergangenen Jahre auch überregional gut da. Berücksichtigt man unsere Rahmenbedingungen, dann suchen unsere Schulen im ganzen Bundesland ihresgleichen.“

Der Schuldezernent legte den Kreistagsabgeordneten eine Prioritätenliste für die fortlaufende Schulsanierung vor. Sie teilt die Gebäude von 62 Schulstandorten im Kreis in drei Dringlichkeitsstufen ein, wobei die Gesamtschule Gladenbach an erster Stelle steht. Dort investierte der Landkreis seit 2012 insgesamt fast 5,5 Millionen Euro in Bauprojekte und energetische Erneuerung. An manchen Standorten mit dringlichem Bedarf stünden die Bauarbeiten noch aus, sagte Zachow. So tätige der Kreis beispielsweise an der Grundschule Rauischholzhausen, die auf der Bedarfsliste Rang neun einnimmt, noch keine größeren Investitionen. „Das liegt daran, dass natürlich auch die Machbarkeit im Vordergrund steht“, sagte Zachow und verwies darauf, dass an manchen Schulen zunächst die Voraussetzungen für Umbauten geschaffen werden müssten, beispielsweise, wenn Verhandlungen über Grundstückserwerb noch liefen.

Andere Projekte habe der Kreis zurückgestellt, „nach dem Motto, wenn wir dort sanieren, dann richtig“. Und manchmal gebe es auch organisatorische Gründe, beispielsweise, wenn zwei Baustellen an einem Standort einfach nicht möglich seien. Beim Abarbeiten der Liste spielten nicht nur der Sanierungsstau, sondern auch das Potenzial von energetischer Sanierung an einzelnen Schulen eine Rolle. So seien manche Schulen weiter nach vorn gerückt auf der Prioritätenliste, wenn sich durch energetische Erneuerung große Einsparpotenziale abzeichneten.

„Bildung aus einem Guss“ an heimischen Schulen

„Ingenieure haben diese Strategie gemacht, sie muss auch an den pädagogischen Bedarf angepasst werden“, sagte Zachow und kündigte an, dass die Schulimmobilienplanung aktualisiert und weiterentwickelt werde. Eine Aufgabe dabei sei, die Ansprüche an Inklusion und Ganztagsschule einzubinden, außerdem müssten die schulischen Sportstätten berücksichtigt werden. „Wir wollen Bildung aus einem Guss“, erklärte der Schuldezernent. Dazu gehöre auch eine stärkere Verschränkung von Schule, Jugendhilfe und Jugendförderung. „Wir haben da wirklich viel zu tun.“

Neue Chancen böten die Fördermittel, die Bund und Land dem Kreis durch das Förderprogramm „KIP macht Schule“ angekündigt haben. Marburg-Biedenkopfs Schulen sollen daraus 12,3 Millionen Euro erhalten.

Im Jahr 2010 bezifferte der damalige Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent McGovern den Sanierungsstau an heimischen Schulen auf weit mehr als 200 Millionen Euro. Nachdem der Kreis fünf Jahre lang erheblich in die Schulen investiert hat, nannte Zachow nun eine neue Zahl: Der Sanierungsbedarf liege immer noch bei etwa 170 Millionen Euro.

Die Linke wollte im Kreistag wissen, wie lange es noch dauern werde, den Sanierungsstau abzuarbeiten. Dazu mochte Zachow keine Prognose abgeben, da unklar sei, wie sich die Haushaltssituation des Kreises mittelfristig entwickeln werde.

von Carina Becker-Werner

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