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Rote Taschen statt rote Zahlen

„Equal Pay Day“ Rote Taschen statt rote Zahlen

Im Vergleich zum Gehalt von Männern arbeiten Frauen 77 Tage im Jahr umsonst – darauf machen das Gleichberechtigungsreferat und der VdK Marburg am „Equal Pay Day“ aufmerksam.

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Horst Gunnesch (von links), Vorsitzender des VdK-Kreisverbands Marburg, Dr. Christine Amend-Wegmann, Leiterin des Gleichberechtigungsreferats Marburg, sowie ebenfalls vom VdK Klaus-­Dieter Weidemüller, Bianca Hoß, Ramona Hahn, Alexandra Schlag und Veronika Barth informieren zum „Equal Pay Day“.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. „Wer behauptet, Frauen seien gleichberechtigt, kennt die Fakten nicht“, erklärt Dr. Christine Amend-Wegmann, Leiterin des Gleichberechtigungsreferats Marburg. Um auf Lohn- und Gehaltsunterschiede aufmerksam zu machen, organisiert sie deshalb gemeinsam mit dem VdK-Kreisverband Marburg und seinen Ortsverbänden eine Veranstaltung zum internationalen „Equal Pay Day“. Am 18. März ab 11 Uhr können sich Interessierte informieren. Die Aktion findet nicht wie zuvor geplant am Erwin-Piscator-Haus, sondern auf dem Marktplatz in Marburg statt.

Der „Equal Pay Day“ findet immer an dem Tag statt, ab dem Frauen in einem Kalenderjahr im Vergleich zu Männern gleich bezahlt werden, wenn man die Gehaltslücke in Tage umrechnet. Demnach haben Frauen bis dahin also 77 Tage umsonst gearbeitet, bezogen auf die Gehaltslücke von 21 Prozent im Vergleich zu den Männern bezieht (siehe Hintergrund).

Hintergrund

Die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland werden nur langsam kleiner. Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Bruttostundenlohn der Frauen mit 16,26 Euro noch um 21 Prozent niedriger als der von Männern mit 20,71 Euro, wie das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden berichtete. Vor einem Jahr hatte der Unterschied 22 Prozent betragen. Drei Viertel der Gehaltslücke lassen sich auf strukturelle Gründe zurückführen, wie das Bundesamt erläuterte. So werden in frauentypischen Berufen durchweg geringere Gehälter gezahlt, Frauen arbeiten öfters in Teilzeit und seltener in qualifizierten Führungspositionen. Den Berechnungen zufolge bleibt eine bereinigte Gehaltslücke von zuletzt 6 Prozent. Das ist die Größenordnung, die Frauen bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit weniger verdienen als Männer. (dpa)

Seit der Tag in Deutschland veranstaltet wird, das heißt in den vergangenen neun Jahren, habe es kaum eine Verbesserung gegeben, so Amend-Wegmann. Von Jahr zu Jahr erhöhe sich die Bezahlung von Frauen um keinen ganzen Prozentpunkt.

Als Zeichen für die roten Zahlen im Geldbeutel tragen die Frauen am „Equal Pay Day“ rote Taschen als Symbol. Bis hin zur Rente wirke sich die Differenz aus. „Viele Frauen sind im Alter arm.“ Auch, dass sie meist die Aufgabe der Kindererziehung oder der Pflege eines Angehörigen übernehmen würden, trage dazu bei.

VdK fordert tarifgebundene Verträge

„Die Rahmenbedingungen müssen sich ändern, damit es für beide Geschlechter möglich wird, Kinder und Beruf zu verbinden.“ Außerdem befürworte sie, Quoten einzuführen, weil freiwillige und weiche Verabredungen nicht funktionierten.
Es sei wichtig, dass sich nicht nur Feministinnen und Frauenverbände für gleiche Bezahlung einsetzten, sondern auch der Sozialverband VdK. „Aufrufen und Aufwecken“ sei die Agenda, so Horst Gunnesch, Vorsitzender des Kreisverbands Marburg. Gerade vor der Bundestagswahl wolle man sozialpolitische Themen in die Gesellschaft tragen. „Unsere Forderungen stoßen in der Politik auf Gehör, weil wir immer Lösungsansätze mitliefern“, so Gunnesch.

Für gleiche Bezahlung fordert der VdK Hessen-Thüringen ­tarifgebundene Arbeitsverträge und die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf mindestens 11,50 Euro pro Stunde. Es solle flächendeckend kostenlose Kinderbetreuungsmöglichkeiten geben, damit Frauen nach der Familienpause wieder in den Beruf einsteigen können. Auch ein Rechtsanspruch auf Rückkehr von Teilzeit in Vollzeitbeschäftigung gehört zu den Forderungen. Zudem sollte die Angehörigenpflege eine bessere rentenrechtliche Anerkennung bekommen.

von Freya Altmüller

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