Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Razzien in ganz Hessen

Terrorverdacht Razzien in ganz Hessen

Terrorverdacht in Hessen: Bei einer Razzia in mehreren Großstädten ist ein Hauptverdächtiger verhaftet worden. Er soll einen Terroranschlag vorbereitet haben. Auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf hat es Durchsuchungen gegeben.

Voriger Artikel
Die zweite Halbzeit beginnt
Nächster Artikel
Nur eins geht: Bart oder Atemschutzgerät

Zwei Polizisten stehen am 01. Februar vor dem Gelände der Bilal Moschee in Frankfurt im Stadtteil Griesheim auf der Straße. Die Polizei hat am Mittwoch mehrere Objekte in ganz Hessen wegen Terrorverdachts durchsucht. Insgesamt 54 Objekte seien betroffen gewesen, teilte die Oberstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit.

Quelle: Boris Roessler

Landkreis. Bei den Einsätzen im Landkreis Marburg-Biedenkopf haben Polizeikräfte eine Wohnung und ein Unternehmen durchsucht. Dies erklärte die Generalstaatsanwaltschaft auf Anfrage der Oberhessischen Presse. "Es ging bei diesen Durchsuchungen um mögliche Kontaktpersonen von Beschuldigten", erklärte Oberstaatsanwalt Alexander Badle, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt zum Grund der Durchsuchungen im Landkreis.

Der Inhaber des durchsuchten Unternehmens habe ebenfalls mit einem Beschuldigten Kontakt gehabt. Badle betonte, dass im Landkreis weder Moscheen noch Gebetsräume durchsucht worden seien. Wo sich die durchsuchten Objekte genau befinden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft auch auf Nachfrage nicht mit, um die Identität der Betroffenen zu schützen.

Nach OP-Informationen waren bei dem Einsatz keine Polizeikräfte aus dem Landkreis beteiligt.

Einsatz am frühen Morgen

Bei der groß angelegten Razzia gegen islamistischen Terror in Hessen hat die Polizei in der Nacht zu Mittwoch gegen 4 Uhr einen 36 Jahre alten Tunesier in Frankfurt festgenommen. Der mit Haftbefehl gesuchte Mann wird verdächtigt, als Anwerber und Schleuser für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aktiv gewesen zu sein und ein Netzwerk von Unterstützern aufgebaut zu haben, um einen Terroranschlag in Deutschland zu verüben. Er soll versucht haben ein Unterstützer-Netzwerk aufzubauen. Ein konkretes Anschlagsziel habe er aber noch nicht gehabt. In seinem Heimatland soll der 36-Jährige an einem Anschlag auf das berühmte Bardo-Museum in der Hauptstadt Tunis mit mehr als 20 Toten im März 2015 beteiligt gewesen sein.

Auch bei einem Angriff von Dschihadisten auf die tunesische Grenzstadt Ben Gardane im März 2016 soll er dabei gewesen sein. Damals hatte es Dutzende Tote sowie Straßenkämpfe zwischen Extremisten und Sicherheitskräften gegeben. Nach Deutschland eingereist ist der Tunesier den Angaben der Behörden zufolge im August 2015 als Asylbewerber.

Davor habe er schon zwischen 2003 und April 2013 in der Bundesrepublik gelebt. Wegen der mutmaßlichen Beteiligung an den Terroraktionen in Tunesien gab es ein Festnahmeersuchen der tunesischen Behörden, wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Zwischenzeitlich saß der 36-Jährige deshalb hierzulande in Auslieferungshaft. Diese sei allerdings auf maximal 40 Tage begrenzt. Weil bis zum Ende der Frist die tunesischen Behörden nicht die vollständigen Auslieferungsunterlagen vorgelegt hätten, sei der Mann am 4. November 2016 aus der Haft entlassen worden.

54 Wohnungen durchsucht

Von da an sei er bis zu seiner Festnahme am Mittwoch rund um die Uhr observiert worden. 150 Beamte waren laut hessischem Landeskriminalamt daran beteiligt. Am Mittwoch habe sich der Tunesier in Frankfurt widerstandslos festnehmen lassen. Er sitzt inzwischen in Haft. Auch im Fall des Attentäters vom Berliner Weihnachtsmarkt, Anis Amri, war eine Auslieferung gescheitert. Amri galt als Gefährder und war ausreisepflichtig. Er konnte aber nicht abgeschoben werden, weil sein Heimatland Tunesien nicht rechtzeitig Papiere dafür ausgestellt hatte.

Die Ermittlungen richten sich insgesamt gegen 16 Beschuldigte im Alter zwischen 16 und 46 Jahren. Die Polizei durchsuchte am frühen Mittwochmorgen 54 Wohnungen, Geschäftsräume und zwei Moscheen in Hessen. Schwerpunkt war das Rhein-Main-Gebiet. HIer wurden 33 Objekte durchsucht. Die Verdächtigen werden beschuldigt, eine ausländische terroristische Vereinigung unterstützt und eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben.

Gegen den Tunesier hatte das Oberlandesgericht Frankfurt bereits am vergangenen Donnerstag Haftbefehl erlassen. Er habe sich am frühen Mittwochmorgen in Frankfurt widerstandslos festnehmen lassen und sitzt inzwischen in Haft.

Rund 1100 Polizeibeamte waren im Einsatz, sie durchsuchten Wohnungen, Geschäftsräume und Moscheen in Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Limburg und Wiesbaden sowie in den Kreisen Offenbach, Groß-Gerau, Marburg-Biedenkopf und Main-Taunus. Die "Bild"-Zeitung hatte zuerst über den Einsatz berichtet.

Verhaftungen auch in Berlin

Die Vorbereitungen auf den umfangreichen Einsatz hätten vier Monate in Anspruch genommen, teilte Max Weis, Pressesprecher des LKA Hessen mit.

Der hessische Innenminister Peter Beuth sagte, die Polizei habe frühzeitig eingegriffen. "Mit den Maßnahmen senden wir eine deutliche Botschaft an die radikalen Islamisten in Hessen: Wir haben die Szene fest im Blick", sagte der CDU-Politiker. "Wir dulden in unserem Land keine verblendeten Fanatiker, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ablehnen, die unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit Hassbotschaften verbreiten und zum Kampf gegen Andersgläubige aufrufen."

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und das hessische Landeskriminalamt wollen in einer Pressekonferenz um 10 Uhr in Wiesbaden Details zu den Ermittlungen bekannt geben.

Am Dienstagabend waren in Berlin drei Terrorverdächtige verhaftet worden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr