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Rätseln als Rostschutz fürs Gedächtnis

Denksport für Senioren Rätseln als Rostschutz fürs Gedächtnis

Beim Denksport mit Elisabeth Schick aus Stadtallendorf erleben Senioren neue Herausforderungen. Ihr Ziel: Fit bleiben im Kopf.

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Sieben Frauen und ein Mann trainieren ihr Gedächtnis im Grundtreff in Wittelsberg mit Worträtseln.

Quelle: Nadine Weigel

Wittelsberg. „Wer rastet, der rostet – das ist wirklich so“, sagt Elisabeth Schick. Die 70-Jährige gibt Senioren in Wittelsberg, Stadtallendorf, Schweinsberg und Niederklein regelmäßig Rätsel auf. Rätsel, die das Gedächtnis in Schwung bringen.

Für viele der acht Teilnehmer im Grundtreff in Wittelsberg ist das Gedächtnistraining noch Neuland, es ist auch erst der zweite Termin des neuen Kurses, der bis Ende des Jahres regulär alle zwei Wochen läuft. „Neue Teilnehmer können immer hinzustoßen, nicht nur hier, sondern in allen meinen Gruppen“, erklärt Schick. „Klar merkt man, dass das etwas bringt. Bei Teilnehmern, die schon länger dabei sind, habe ich durchaus den Eindruck, dass das Gedächtnis besser wird.“

Schmalzige Pilcherfilme

Bei Schicks Wortreihen sind Allgemeinbildung und logisches Denkvermögen gefragt. Düsseldorf, Koblenz, Köln, Duisburg und Frankfurt. Welche Stadt ragt heraus? „Frankfurt – es ist die einzige Stadt, die in Hessen liegt“, schlägt Renate Herbener (77) aus Wittelsberg vor. „Richtig“, sagt Elisabeth Schick, „außerdem liegt Frankfurt als einzige dieser Städte nicht am Rhein, sondern am Main.“

In der nächsten Rätselreihe­ fällt Rosamunde Pilcher als einzige Autorin umgeben von Schauspielerinnen wie Liz Taylor und Senta Berger auf. Die Teilnehmer erkennen es sofort  – und denken an die Romanverfilmungen. „Ach, die Pilcher, diese Filme sind doch immer so schmalzig“, findet Ingrid Peil (66) aus Dreihausen.

Während des einstündigen Gruppentreffens kann man ­beobachten, wie die Senioren, sieben Frauen und ein Mann im Alter von 63 bis 83, nach und nach „auftauen“. Über den „Heimwerkermarkt“ und das „Einwohnermeldeamt“ bis hin zum „Schreinermeister“ finden sie von Runde zu Runde mehr Begriffe heraus, die sich im ­ursprünglichen Begriff verstecken. „Wer hätte gedacht, dass es so viele sind“, wundert sich Renate Herbener und notiert, was der „Schreinermeister“ hergibt: Schrei, Schrein, Schreiner, Ei, rein, Reiner, ein, eine, einer, er, meist, ist, Meister...

Jedes Training ist besser als nichts

„Kreuzworträtsel sind ja nicht schlecht, aber das allein genügt nicht, wenn man das Gedächtnis wirklich trainieren will“, sagt Elisabeth Schick. „Kreativität und Fantasie müssen schließlich auch angeregt werden.“ Wort-in-Wort-Anagramme oder auch Lückentexte, wie sie mancher noch aus seiner Schulzeit kennen mag, seien dafür gut geeignet. Sie schulten auch Wahrnehmung, Konzentration, Merkfähigkeit und logisches Denken, sagt die 70-Jährige.

„Und dann muss auch ein bisschen Spaß dabei sein – schließlich wollen wir etwas für Körper, Seele und die Psyche tun, alles soll angesprochen werden.“ Um das Gedächtnis in Schwung zu bringen, sei „jedes Training besser als nichts“, sagt der Stadtallendorfer Hausarzt Dr. Ortwin Schuchardt im Gespräch mit der OP.

Arzt rät zu Bewegung und Kommunikation

Studien im Seniorenheim zeigten allerdings deutlich, dass beispielsweise regelmäßige Sudoko-Rätsel einen weitaus geringeren Nutzen brächten als Spaziergänge und Gespräche, „oder das Spielen mit Kindern, das fordert Senioren, das hält fit“. Bewegung sei elementar, um das Gedächtnis auf Touren zu bringen. „Dazu kommt die soziale Interaktion, Kontakt zu anderen Menschen. Der Austausch miteinander, das ist überaus wichtig für die geistige Fitness“, betont Schuchardt.

Die Senioren in Wittelsberg sind da schon auf dem richtigen Weg. Die 83-jährige Irmgard Stieler aus Hachborn hält sich im Gymnastikkurs und beim Tanzen fit, „da gehe ich jede Woche hin“. Auch vom Gedächtnistraining verspricht sie sich etwas. „Manchmal unterhalte ich mich mit Leuten und ihre Namen fallen mir nicht ein – oder ich verliere den Faden und weiß nicht mehr, was ich sagen wollte. Das ist schon etwas peinlich“, erzählt sie.

„Man merkt, dass das Gedächtnis im Alter nachlässt“, findet auch Renate Herbener. „Wenn ich den Tag abends nochmal Revue passieren lasse, ist das kein Problem, aber manchmal frage­ ich mich, was tags zuvor so alles los war und komme dann ganz schön ins Grübeln.“ Die 77-Jährige bestätigt aus eigener Lebenserfahrung die Einschätzung des Arztes. „Begegnungen und Gespräche mit anderen Menschen sind der beste Weg, um geistig fit zu bleiben. Und man sollte sich ­bewegen, das ist gut für die Durchblutung.“

Vielen fällt Gedächtnisverlust gar nicht auf

Noch in jüngeren Jahren und beim Gedächtnistraining der bislang einzige Mann in der Runde ist Helmut Stüwe (63). „Seit zwei Monaten bin ich in Rente, erzählt der frühere OP-Pfleger, „jetzt suche ich mir neue Gebiete, die mich interessieren könnten – mal schauen, ob mir das Training hier  etwas bringt“.

Für die Übungsleiterin selbst ist die Vorbereitung zu ihren Kursen das beste Training. „Da sitze ich dann sonntagsnachmittags zu Hause und denke mir diese Sachen aus“, berichtet Elisabeth Schick über die Entstehung der Rätsel und ­Lückentexte.

Doch ab welchem Alter lässt das Gedächtnis eigentlich nach? Das sei eine „sehr individuelle Sache“, erklärt Mediziner Schuchardt. „Und es wird auch sehr individuell empfunden.“

Menschen, die großen Wert auf geistige Fitness legten und im Laufe ihres Lebens ein hohes Niveau an Konzentrations-, Denk- und Merkfähigkeit kultivierten, spürten im Alter eher, wenn ihre Fähigkeiten sich verringerten. „Aber zumeist merken es Menschen in der Familie oder im Bekanntenkreis, vielen fällt es selbst gar nicht so auf.“

von Carina Becker-Werner

Gedächtnistraining mit Elisabeth Schick
  • montags in Stadtallendorf, 12.50 bis 13.50 Uhr im Gemeinschaftszentrum
  • jeden zweiten Dienstag in Schweinsberg im Bürgerhaus, 9 bis 10 Uhr (nächster Termin ist der 26. September),
  • jeden zweiten Mittwoch in Niederklein im Bürgerhaus, 10.30 bis 11.30 Uhr (nächster Termin ist der 27. September)
  • jeden zweiten Mittwoch in Wittelsberg im Grundtreff, 16 bis 17 Uhr (nächster Termin ist der 4. Oktober)

Kontakt: Elisabeth Schick, Telefonnummer 0 64 29 / 2 71  (abends).

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