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Überschallknall erschüttert die Region

Bundeswehrjets durchbrechen Schallmauer Überschallknall erschüttert die Region

Kein Grund zur Sorge. Die Polizei bestätigt, gegen 19 Uhr haben zwei sogenannte Überschallknalle die Region erschüttert.

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Gegen 19 Uhr erschütterten zwei sogenannte Überschallknalle die Region. Foto: Bernd Wüstneck

Quelle: Bernd Wüstneck

Marburg. Kurz vor 19 Uhr erschüttern zwei laute explosionsartige Geräusche den Landkreis - binnen weniger Minuten gehen Dutzende Notrufe bei den Rettungskräften ein. Doch auch die wissen zunächst nicht, was geschehen sein könnte.

Ob Stadtallendorf, Neustadt, Marburg, Niederweimar oder Lahntal, Gladenbach oder Biedenkopf - im gesamten Landkreis sind die beiden Knalle mit offenbar gleicher Intensität und Lautstärke zu hören. Häuser erzittern, Fensterscheiben vibrieren, die Menschen sind schockiert. In Niederweimar etwa spielten Kinder auf der Straße - nach den unmittelbar aufeinander folgenden Knallen halten sie sich die Ohren zu, ein Kind fängt an zu weinen, ein Junge fragt seinen Vater: "Papa, was war das?" Der Vater sieht genauso schockiert aus, kann nur mit den Schultern zucken und sagen: "Ich weiß es nicht."

Dann, nach rund 20 Minuten, gibt die Polizei Entwarnung: Sowohl der Lage- und Führungsdienst in Gießen als auch die Polizei Stadtallendorf haben bei der Deutschen Flugsicherung angerufen. Und dort bestätigt man den Polizisten: Die Knallgeräusche waren in ganz Hessen zu hören - verursacht wurden sie von Jets, die die Schallmauer durchbrochen haben. Es handelte sich also um einen sogenannten "Überschallknall".

Die beiden Bundeswehrjets waren in Neuburg an der Donau gestartet und sind über Fulda und Marburg in Richtung Ruhrgebiet geflogen. Dies teilt Thomas Müller von der Leitstelle der Polizei Mittelhessen in Gießen mit. Schäden wurden der Polizei bislang nicht gemeldet. Eine dreistellige Anzahl an Notrufen gingen alleine bei der Polizei ein. Die Anrufer berichteten von klirrenden Gläsern im Schrank und starken Erschütterungen. Nach Angaben eines Sprechers der Offenbacher Polizei war der Knall besonders gut zu hören, weil wenig Wolken am Himmel gewesen seien.

von Andreas Schmidt und Philipp Lauer

Hintergrund zum Thema Schallgeschwindigkeit
Schallgeschwindigkeit: Sie bezeichnet das Tempo, mit dem sich Schallwellen ausbreiten - abhängig von Druck, Dichte und Temperatur. In der Luft beträgt sie bei 20 Grad Celsius in der Regel 343 Meter pro Sekunde oder knapp 1235 Stundenkilometer.
Machzahl: Sie beschreibt das Verhältnis der Geschwindigkeit eines Objekts zur Schallgeschwindigkeit. In der Luftfahrt dient sie als Maßeinheit zur Angabe der Fluggeschwindigkeit. Benannt ist sie nach dem österreichischen Physiker und Philosophen Ernst Mach. Er hatte die theoretischen Grundlagen für die Überschallgeschwindigkeit im 19. Jahrhundert erforscht und beschrieben.
Schallmauer: Bewegt sich ein Flugzeug schneller als der Schall, überholt es die eigenen Druckwellen (Schockwelle). Das ist als Überschallknall weit zu hören. Die Schallmauer variiert nach Höhe und Temperatur.
Überschallgeschwindigkeit: Sie erreichen zum Beispiel Flugzeuge, wenn sie sich schneller bewegen als der Schall. Mit dem Düsenflugzeug Bell X-1 durchbrach der US-Pilot Charles Yeager 1947 zum ersten Mal die Schallmauer, auch Mach-1 genannt. In 12 800 Metern erreichte er über der kalifornischen Mojave-Wüste eine Geschwindigkeit von 1078 Stundenkilometern oder 1,015 Mach.
Concorde: Einziger Überschalljet der zivilen Luftfahrt war die Concorde. Der schnittige Flieger war mit 2,2-facher Schallgeschwindigkeit unterwegs und brauchte für den Flug über den Atlantik von Europa nach New York nur rund dreieinhalb Stunden. Im Juli 2000 gab es dem Start in Paris den schwersten Unfall der Concorde-Geschichte. Beim Absturz einer Maschine starben 113 Menschen, darunter 97 Deutsche. Ihren letzten Flug mit zahlenden Passagieren absolvierte die Concorde im Oktober 2003, danach wurden die Flüge aus Kostengründen eingestellt.
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