Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Polizei ermittelt in fast 170 Todesfällen

Kriminalstatistik im Landkreis Polizei ermittelt in fast 170 Todesfällen

In ihrer Kriminalstatistik für den Kreis führt die Polizei Marburg-Biedenkopf einen deutlichen Anstieg bei den Straftaten gegen das Leben auf.

Voriger Artikel
Ein Coach für junge „Energiedetektive“
Nächster Artikel
Temperaturen bis knapp unter 20 Grad

Am Freitag legte die Polizei ihre Kriminalstatistik für Marburg-Biedenkopf vor. Sie registriert fürs Jahr 2016 mehr Straftaten als im Vorjahr, vor allem bei Sexualdelikten und Wohnungseinbrüchen.

Quelle: Archivbild

Marburg. 10 Fälle waren es 2015, im vergangenen Jahr dann 19. Im Vergleich der zurückliegenden zehn Jahre sei dies die höchste Zahl, teilte die Polizei mit. 18 dieser 19 Fälle wurden aufgeklärt. In 15 Fällen handelte es sich um einen Versuch. In einem Fall ermittelten die Kripo wegen versuchten Mordes und in fünfzehn Fällen wegen Totschlags, dabei ging es in vierzehn Fällen um versuchten Totschlag. In drei Fällen liegt der Verdacht der fahrlässigen ­Tötung vor.

„Immer dann, wenn zunächst unklar ist, ob ein Mensch aufgrund einer natürlichen Ursache verstorben ist oder er möglicherweise einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen ist, werden Ermittlungen eingeleitet“, erklärt die Polizei. Die Regionale Kriminalitätsinspektion Marburg und der Kriminaldauerdienst ermittelten in 169 ­Todesfällen mit detaillierten Leichenschauen, die nicht zu einem Strafverfahren führten. Als herausragender Fall sind die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Tod von Säuglingen zu erwähnen. Bei diesem Verfahren gab es 140 Vernehmungen,  diverse Krankenakten wurden sichergestellt. Darüber hinaus kam es zur Exhumierung eines Säuglings, des Marburger Frühchens.

In ihrer Kriminalstatistik für 2016 registrierte die Polizei 236 Einbrüche, im Jahr davor waren es 189. 22 Prozent dieser Fälle wurden aufgeklärt. Polizeidirektor Manfred Kaletsch hob hervor, dass es im Kreis gleichwohl nach wie vor wenige Einbrüche gebe verglichen mit anderen Regionen. „Wir werden selbstverständlich trotzdem alle Anstrengungen unternehmen, diesem Kriminalitätsphänomen zu begegnen“, sagt Kaletsch.

Mehr Einbrüche, aber auch mehr Aufklärung

Die um vier Prozentpunkte  verbesserte Aufklärungsquote bei den Einbrüchen liegt knapp über dem Durchschnitt in Hessen (21,1 Prozent), hebt die Polizei hervor und verweist darauf, dass mehr als 50 Prozent aller­ Einbrüche sogenannte Einbruchs-Versuche waren, die die Täter schließlich abbrachen.

Im Jahr 2016 gab es mit 825 Rauschgiftdelikten 20 Taten mehr als im Vorjahr – die Zahl führt die Polizei auf Schwerpunktkontrollen an sogenannten szenetypischen Orten zurück. Dazu gab es mehrere größere Verfahren gegen Rauschgifthändler, die Folgeverfahren nach sich zogen. Im Jahr 2016 gab es vier Rauschgift­tote – halb so viele wie im Vorjahr, aber doppelt so viele wie 2014. Die Polizei beklagt im Landkreis einen Anstieg der Widerstände­ gegen Vollstreckungsbeamte. Die Zahl wachse seit 2013 stetig und landete bei nunmehr 46 Taten. „Die Gewaltbereitschaft nimmt zu, die Hemmschwelle ab“, sagt Gerhard Keller, Leiter der Polizeistation Marburg.

Zahl der Straftaten in Marburg nimmt zu

Erst kürzlich sahen sich die Beamten bei einem Einsatz in Stadtallendorf mit „völlig enthemmten Jugendlichen“ konfrontiert. „Das Beleidigen und Bespucken wie auch jegliche körperliche Gewalt gegen Polizeibeamte, Rettungskräfte oder Feuerwehrleute ist nicht hinnehmbar und muss konsequent verfolgt und bestraft werden“, sagt Keller.

In Marburg, der größten Stadt im Landkreis, stieg die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten von 4 979 auf jetzt 5 175 ­Taten an, teilt die Polizei mit. „Wir werden alles daran setzen, dem ­Anstieg der Kriminalität entgegenzuwirken“, sagt Keller und kündigt mehr Polizeiarbeit an den Brennpunkten an.

Die Bürger fordert er auf: „Zeigen Sie weiterhin Zivilcourage, melden Sie verdächtige­ ­Beobachtungen unverzüglich,­ bringen Sie sich dabei aber nicht in Gefahr. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig die Polizei anrufen.“

von Carina Becker-Werner

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr