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Mit jedem Schilderpfosten per du

Radverkehrsplaner Thomas Meyer Mit jedem Schilderpfosten per du

Radeln statt Autofahren: Im Zeichen des Klimaschutzes will der Landkreis das Fahrrad als Verkehrsmittel attraktiver machen - und hat dafür Thomas Meyer als Radverkehrsplaner eingestellt.

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Thomas Meyer ist der Mann fürs Fahrrad. Der Landkreis beschäftigt den 51-Jährigen seit Januar als Radverkehrsplaner.Foto: Nadine Weigel; Grafik: Nikola Ohlen, Ricarda Schick

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Auto adé! Rauf aufs Rad und los zur Arbeit, zur Uni, zum Einkaufen... Was für viele­ Menschen in der Stadt und in stadtnahen Wohnorten zum Alltag gehört, ist in den ländlicheren Gebieten eher noch der Ausnahmezustand. „Aber seit einigen Jahren wächst die Bedeutung des Fahrrads als Verkehrsmittel, auch in Mittelhessen“, sagt Radverkehrsplaner Thomas Meyer und verweist darauf, dass der Anteil des Radverkehrs in der Region nach einer Erhebung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs aus dem Jahr 2012 gerade einmal bei vier Prozent lag. Das soll sich ändern - dem Klima zu Liebe. „Das Potenzial ist da, zumal E-Bikes und Pedelecs inzwischen weit verbreitet sind“, sagt Meyer.

Es muss sich trotzdem eine­ Menge tun, wenn das Fahrrad im Landkreis zum Alltagsverkehrsmittel werden soll - angefangen mit der Einstellung der Menschen, aber auch, was die Infrastruktur angeht. „Wir fangen nicht bei Null an“, sagt Thomas Meyer über das Wegenetz. Für die drei nebeneinandergelegenen Kommunen Ebsdorfergrund, Fronhausen und Amöneburg gebe es schon eine Planung aus einem Guss.

Der östliche Kreisteil stehe­ in den Startlöchern, um ein Konzept für den Radverkehr aufzustellen. Stadtallendorf verfüge über ein gut entwickeltes Netz, „im Zuge des Hessentags ist dort viel passiert“. Im oberen Lahntal ­habe sich die Durchgängigkeit durch den Lahntalradweg bereits erheblich verbessert. Und in Biedenkopf gebe es seit zwei Jahren im Stadtgebiet eine Beschilderung für den Radverkehr, zählt Meyer positive Beispiele aus dem Kreisgebiet auf.

Seit Anfang dieses Jahres ist der 51-Jährige aus Oberrosphe im Auftrag des Landkreises in Vollzeit der Mann fürs Fahrrad. Er knüpft nahtlos an seine vorherigen beruflichen Erfahrungen an. Für die hiesigen Tourismusämter war er sieben Jahre lang für die Beschilderung von Radwegen verantwortlich, hat das Wegenetz für Marburg und die Kreise Marburg-Biedenkopf, Gießen und Lahn-Dill entwickelt. In der ­Region ist ihm somit kein Radweg unbekannt. „Die Lücken zu schließen, das ist eine langfristige Aufgabe“, macht Meyer deutlich, dass fehlende Verbindungen zwischen Dörfern, Gemeinden und Städten in der Region nicht über Nacht gelingen werden.

 „Es wird 10 bis 15 Jahre dauern, bis wir soweit sind, dass es ein durchgängig ausgeschildertes Radwegenetz gibt“, ist der Planer überzeugt. Dabei ­betont Meyer, dass Alltags- wie auch Freizeitradler voraussichtlich auch noch nach dieser Zeit auf Trassen unterwegs sein werden, die zwar als Weg für den Radverkehr ausgeschildert sind, aber deshalb noch lange keine originären Radwege sind. Der Grund liegt auf der Hand: Der Neubau von einem Kilometer Radwege koste 120000 Euro, sagt Meyer.

Bis zu den Wintermonaten dieses Jahres, so hofft der 51-Jährige, könnte ein Gesamtkonzept für das Wegenetz in Marburg-Biedenkopf stehen. „Eine gemeinsame Planung wird auch hilfreich sein, um an Fördermittel zu kommen.“ Langfristiges Ziel des Landkreises ist es, die Lückenschlüsse zwischen Dörfern und Kommunen kreisweit so hinzukriegen, dass Radfahrer nicht mehr auf die Nutzung der Gemeinde-, Kreis- und Bundesstraßen angewiesen sind.

 65.000 Euro für die Radverkehrsplanung

„Ein paar Schilder reichen nicht, um ein durchgängiges Radwegenetz zu schaffen“, betont Meyer. Er weiß, wovon er spricht. In den Jahren 2014 und 2015, damals im Auftrag des Tourismusamts, zog er für einen Netzentwuf von Kommune zu Kommune. „Ich habe geschaut, was die wichtigen Verbindungen sein könnten und wie sie auf hochwertigen Wegen zwischen den Ortsteilen hergestellt werden könnten.“ Dazu hat Meyer die vorhandenen Wege bewertet, Hindernisse wie Poller, Sperrschilder und Schranken erfasst und alles kartografisch dokumentiert. Eine ziemliche Si­sy­phus­ar­beit.

Zusammen mit den Erkenntnissen aus den Bürgerdialogen des Landkreises zum Radverkehr fließt Meyers Erfassung in die Wegeplanung ein. Ein Ingenieurbüro aus dem Kreis Gießen hat gerade den Auftrag zur Planung eines Netzentwurfs übernommen. Im Kreishaushalt stehen fürs laufende Jahr pauschal 65.000 Euro für die Radverkehrsplanung zur Verfügung.

Der Netzentwurf soll als Grundlage für den weiteren Dialog mit den Kommunen und für den politischen Entscheidungsprozess dienen. Schließlich wird die Baulast fürs Wegenetz auch überwiegend bei den Städten und ­Gemeinden liegen, wie Meyer verdeutlicht. „Der Kreis hilft bei der Planung und beim Beantragen von Fördermitteln.“

Info-Tafeln noch in diesem Jahr fertig

Ein schon lange geforderter Lückenschluss rückt indes zwischen Kirchhain und Stadtallendorf näher. Dort müssen Radfahrer unterwegs von der einen Stadt zur anderen derzeit ein Stück auf der mit 6000 Autos am Tag stark befahrenen B454 zurücklegen. Die Straßenverkehrsbehörde plant den Lückenschluss aktuell im Auftrag des Kreises. Meyer ist optimistisch, dass der neue Radweg ab 2019 gebaut wird.

Zurzeit arbeitet der Planer an noch einer neuen Radroute, die von Neustadt über Gilserberg nach Gemünden/Wohra führen wird und vorwiegend touristischen Zwecken dienen soll. Der Wiera-Wohra-Radweg soll auf einer Länge von 20 Kilometern verlaufen. Das bedeutet für Meyer viel Koordinationsarbeit: zwei Regierungspräsidien, drei Kreise, drei Gemeinden und drei Leader-Regionen sind beteiligt. Der 51-Jährige setzt darauf, dass die Route inklusive Schildern, Rastplätzen und touristischen Info-Tafeln in diesem Jahr fertig wird. Kostenpunkt: etwa 30.000 Euro.

von Carina Becker-Werner

 
 

Perfgrundtour: Neue Route verbindet Länder

Am Sonntag, 11. Juni 2017, bietet der Landkreis Marburg-Biedenkopf Radfahrern gleich zwei Gelegenheiten, um gemeinsam auf Touren zu kommen. Die Eröffnung der Perfgrundtour lädt dazu ein, einen Teil der insgesamt 30 Kilometer langen neuen Strecke, die Marburg-Biedenkopf und Siegen-Wittgenstein miteinander verbindet, gemeinsam zu erkunden.

Nach einer Begrüßung um 10 Uhr auf dem Wilhelmsplatz in Bad Laasphe durch Bürgermeister Torsten Spillmann und Landrätin Kirsten Fründt beginnt die Fahrt um etwa 10.30 Uhr und führt über einen Teilabschnitt von etwa 8,5 Kilometer von Bad Laasphe über Wallau zum Perfstausee. Der Ausflug, dem sich auch Landrätin Fründt anschließt, markiert den ­Beginn der Radverkehrswoche des Landkreises aus Anlass des 200. Geburtstags des Fahrrads. Radlern, die an diesem Tag etwas länger unterwegs sein wollen, bietet die Volkshochschule des Landkreises die Möglichkeit, die Drei-Täler-Tour mit ihren etwa 45 Kilometern gemeinsam zu befahren. Los geht es um 10 Uhr am Marburger Hauptbahnhof. Mit dem Zug geht es in Richtung Biedenkopf. Am dortigen Bahnhof können sich Interessierte um 11 Uhr noch der Tour anschließen.

Von Biedenkopf aus führt der Weg dann aus dem oberen Lahntal über Weifenbach auf die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser. Von dort geht es westlich von Hatzfeld ins Edertal, wo der Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse weiterführt. Über eindrucksvolle Brücken hinweg und durch einen Tunnel verläuft die Route weiter nach Battenberg, um dann Laisa zu erklimmen. Nach einer Kaffeepause rollen die Räder das Wollmartal hinab nach Münchhausen. Von dort aus geht‘s mit der Bahn zurück nach Marburg. Die Tour endet gegen 17.30 Uhr.

Auf den etwa 45 Kilometern mit einem großen und einem mittleren Anstieg (Schwierigkeitsgrad 3) stehen die Entdeckung regional-geschichtlicher Besonderheiten und das gemeinsame Fahrerlebnis ohne Leistungsdruck im Vordergrund. Geeignet ist die Fahrt für Kinder ab 12 Jahren, so dass sie sich auch für Familien anbietet. Kinder unter 14 fahren kostenlos mit. Für alle anderen Teilnehmer gilt eine Gebühr in Höhe von 10 Euro.

Weitere Infos zur Drei-Täler-Tour unter www.vhs.marburg-biedenkopf.de

 
 
200 Jahre Fahrrad

In der Montagausgabe gibt‘s noch mehr Interessantes rund ums Fahrrad. Zum 200. ­Geburtstag zeigt die OP technische Entwicklungen aus Vergangenheit und Gegenwart auf. Und der frühere Radrennfahrer Georg ­Kaiser aus Cyriaxweimar erinnert sich anFahrradgeschichte in ­Marburg.

 
 
Radel verpflichtet: Die Themenwoche

Am 12. Juni 1817 meldete der badische Freiherr Karl von Drais seine Laufmaschine – die Urform des Fahrrades – zum Patent an. 200 Jahre später widmet der Landkreis dem Fahrrad eine Themenwoche: Zwischen Sonntag, 11. Juni, und Samstag, 17. Juni, lädt der Landkreis Marburg-Biedenkopf dazu ein, sich über die Entwicklung in Sachen Radverkehr zu informieren.

Das Programm:

Sonntag, 11. Juni: Perfgrundtour – ab 10 Uhr Eröffnung einer neuen, Landesgrenzen überschreitenden Radroute mit Start in Bad Laasphe auf dem Wilhelmsplatz und 8,5-Kilometer-Tour zum Perfstausee

Montag, 12. Juni: Bürgerkonferenz zum Radverkehr im Landratsamt, Im Lichtenholz 60, in Marburg ab 18 Uhr – mit Präsentation der Ergebnisse aus dem Bürgerbeteiligungsprozesses zum Radverkehr

Dienstag, 13. ­Juni: Informationsveranstaltung zum Radverkehrsforum Marburg-Biedenkopf im Landratsamt, ab 17 Uhr mit Vortrag von Radverkehrsplaner Thomas Meyer: Wie werden Bürger in das Radverkehrsforum des Landkreises eingebunden?

Mittwoch, 14. Juni: Kreissportabzeichen „Radsport“ – Breitensportveranstaltung des Sportkreises Marburg-Biedenkopf von 17 bis 19.30 Uhr. Im Rahmen des Deutschen Sportabzeichens werden altersgerecht die Strecken von 5 Kilometern (bis 9 Jahre), 10 Kilometern (bis 17 Jahre) und 20 Kilometern (ab 18 Jahre) angeboten (weitere Informationen zum Erwerb des Sportabzeichens online unter www.deutsches-sportabzeichen.de). Fahrrad und Helm müssen mitgebracht werden. E-Fahrräder sind nicht zugelassen. Start: Cölbe am Orts­aus-/-eingang Richtung Kirchhain, Nähe Lahnbrücke

Samstag, 17. Juni: Klimafreundlich unterwegs – Erster Mobilitäts-Info-Mitmach-Tag von 11 bis 18 Uhr im und am Landratsamt

Weitere Informationen auch online unter www.klimaschutz.marburg-biedenkopf.de

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