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Milchbauern fordern Mengenregulierung

Diskussion im Kreisausschuss Milchbauern fordern Mengenregulierung

Eine Debatte zur wirtschaftlichen Situation in der Milchviehhaltung mit Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbands, stand im Mittelpunkt der Versammlung der Milcherzeuger.

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Karsten Schmal (von links) mit den Mitgliedern des neu gewählten Kreis-Milchausschusses Tobias Hewecker, Wolfgang Rauch, Heinz-Wilhelm Trümner, Matthias Pitzer, Karin Lölkes, Karl-Heinz ­Weber und Dieter Müller.

Quelle: Manfred Schubert

Kirchhain. Trotz ihrer seit Jahren drückenden wirtschaftlichen Lage und wiederkehrenden Krisen haben die verbliebenen heimischen Milchbauern noch nicht aufgegeben. Derzeit erhalten sie 30 bis 32 Cent pro Kilogramm Milch, das ergebe einen Stundenlohn von etwa drei Euro, erklärte ein Versammlungsteilnehmer. Nur noch 145 Milchviehhalter gibt es im Kreis Marburg-Biedenkopf, 2007 waren es noch 358. Möglichst kein weiterer Betrieb solle aufhören müssen, betonte Kreis-Milchausschussvorsitzender Heinz-Wilhelm Trümner. Wie das zu erreichen sei, darüber diskutierten die Milchbauern.

Zur Versammlung der Milcherzeuger, bei der auch der Kreis-Milchausschuss neu gewählt wurde, hatte der Kreisbauernverband den Präsidenten des Hessischen Bauernverbands, Karsten Schmal, eingeladen, der im September zum Milchpräsidenten des Deutschen Bauernverbands gewählt wurde.

Vorstand

Vorsitzender: Heinz-Wilhelm Trümner (Schiffelbach),
Stellvertreter: Dieter Müller (Bortshausen),
Schriftführer: Tobias Hewecker (Wolferode),
Beisitzer: Karl-Heinz Weber (Amöneburg) und Wolfgang Rauch (Burgholz),
Bio-Landwirt: Matthias Pitzer (Bottenhorn).
Karin Lölkes gehört dem Vorstand kraft Amtes als Vorsitzende des Kreisbauernverbands Marburg-Kirchhain-Biedenkopf an.

In der Gaststätte „Zur Sonne“ diskutierte Schmal mit den 45 Teilnehmern intensiv über die wirtschaftliche Situation in der Milchviehhaltung. Trümner legte dabei Wert darauf, dass nicht nur „hin und her diskutiert“ werde, sondern diesmal auch konkrete Forderungen festgehalten wurden. Einstimmig beschlossen die Versammlungsteilnehmer, das im März von vier Milchorganisationen in Mecklenburg-Vorpommern erarbeitete „Positionspapier zum Milchmarkt ab 2017“, zum Auftrag an Schmal zu übergeben.

In diesem wird unter anderem gefordert, eine Branchenorganisation zu gründen. Unerlässlich sei eine flächendeckende Pflicht zum Abschluss schuldrechtlicher Milchkaufverträge­ mit konkreten Angaben zu Mengen, Preisfindungs- und Preissicherungsmechanismen, Qualitäten und Laufzeiten, von denen auch genossenschaftlich organisierte Verarbeiter und Erzeuger nicht ausgenommen sein dürfen. Weiter soll das Instrument der Intervention im Milchsektor reformiert werden, damit die derzeit gelagerten Milchmengen den Markt erst erreichen, wenn die beiden ersten Forderungen umgesetzt seien. Und das Sicherheitsnetz für zukünftige Marktstörungen soll dauerhaft erweitert werden, um künftige europaweite Krisen zu vermeiden.

Schmal erklärte, als Milchpräsident Deutschlands könne er diesem Papier heute nicht zustimmen, es sei im Bauernverband in der Diskussion, aber er nehme den Auftrag mit. Zu Beginn der Debatte hatte er ausgeführt, dass die Mengenregulierung auf europäischer Ebene eine interessante Diskussionsgrundlage, wenn auch allein rechtlich nicht einfach, sei. Und mit Ausscheiden der ähnlich denkenden Briten werde die deutsche Position schwieriger.

Meinungen der Bauern gehen weit auseinander

„Was die Bauern wünschen, das ist schon sehr unterschiedlich in dieser Republik. Was die Nordostdeutschen im Milchbereich toll finden, das wollen die Bayern und die Baden Württemberger auf keinen Fall. Das führt dazu, dass uns der Lebensmitteleinzelhandel innerhalb weniger Wochen Dinge überstülpt – die Entscheidungswege dort sind viel kürzer“, verdeutlichte Schmal. Das Problem der Molkereien sei, dass sie überhaupt nichts absprechen, sondern sich nur untereinander bekämpfen würden.

Dem Bauernverband werde immer vorgeworfen, er mache nichts, „aber in Berlin sind wir den Genossenschaften so auf die Füße getreten, dass wir vor die Tür gesetzt wurden. Ich bin jetzt nicht mehr dabei bei der Interessengemeinschaft Milch. Wer neu auf diesem Posten ist, musst auch Tiefschläge einstecken“.

Darum, zumindest in Hessen, die Interessen der Milchbauern besser vertreten zu können, ging es Trümner. Daher hätten er und die meisten Milchausschussmitglieder sich auch erneut zur Wahl gestellt, um für die Interessen aller Milcherzeuger zu kämpfen. „Mir fehlt im Bauernverband die Demokratie und die Möglichkeit, etwas von unten nach oben zu diskutieren“, kritisierte Trümner. Der Milchausschuss werde in den meisten Kreisverbänden nicht gewählt, sondern bestellt, und der Hessische Milchausschuss mit Delegierten und nicht von den Milcherzeugern Gewählten, besetzt.

von Manfred Schubert

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