Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Marburg bekommt Autobahn-Anbindung

Verkehr Marburg bekommt Autobahn-Anbindung

Die A485 soll vom Gießener Nordkreuz bis Marburg, bis kurz vor Cappel verlängert werden. Kommunen entlang der B3 unterstützen die Initiative des Magistrats, das Land signalisiert Einverständnis.

Voriger Artikel
Betrüger versprechen Gewinn
Nächster Artikel
Museen riskieren „Kopf und Kragen“

Die A 485 könnte künftig an Marburgs südlichen Stadtgrenzen, nicht mehr Höhe Gießen-Nord enden. Der Magistrat hat von B 3-Anrainer-Kommunen „positive Signale“ erhalten – die entscheidende Grundlage für die Zustimmung des Landes.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die rund 30 Kilometer lange Autobahnlücke zwischen Gießen-Nord und der Marburger Stadtautobahn könnte bald geschlossen werden. Entsprechende OP-Informationen hat Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) bestätigt. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Umwidmung der Straße geschehen kann“, sagt er auf OP-Anfrage.

Das Landes-Verkehrsministerium hat nach OP-Informationen ein prinzipielles Okay bereits zugesichert, macht seine­ Zustimmung zur Aufstufung der B3 zum verlängerten Autobahn-Abschnitt der A485 vor allem von der Haltung der betroffenen Kommunen abhängig. Und von allen B3-Anrainern zwischen Gießen und der Universitätsstadt gibt es nach wochenlangen Gesprächen laut Spies „positive Signale“. Das deckt sich mit OP-Recherchen in Mittelhessen.

„Eine solche Autobahnanbindung Richtung Marburg hat ja auch eine Sogwirkung“, sagt Claudia Schnabel, Bürgermeisterin von Fronhausen. Allerdings müssten auch mögliche Nachteile in den Gremien durchgesprochen werden. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich bei der Nutzung der B3 bei einer Umklassifizierung etwas ändert“, sagt sie. Allerdings wären die Ortsteile Bellnhausen und Sichertshausen eventuell in der baulichen Entwicklung eingeschränkt, denn da gebe es bei Autobahnen andere Vorgaben, andere Abstandsregelungen als bei Bundesstraßen.

„Wir werden alle zusammen zu einem Ergebnis kommen.“

„Grundsätzlich haben wir nichts dagegen“, sagt Peter Gefeller, Bürgermeister von Staufenberg. Der Vorstoß der Universitätsstadt sei für ihn „völlig nachvollziehbar“ - und auch Staufenberg als Anrainer-Kommune bekäme dann gleich zwei Autobahnanschlüsse. Gefeller beschäftigt vor allen Dingen das Thema Lärmschutz: „Da haben wir Defizite. Teilweise sind Anwohner nur durch ihren Garten von der B3 getrennt“, erklärt er. „Im Vorhaben Marburgs sehen wir daher auch eine Chance für unseren Lärmschutz.“

Eine Autobahnanbindung würde eine „höhere deutschlandweite Anerkennung“ Marburgs und der Nachbarkommunen mit sich bringen, sagt auch Peter­ ­Eidam, Bürgermeister von Weimar. Jedoch: Für die Bürger seiner Gemeinde leiste die B3 „jetzt schon alles, was wichtig ist - Wirtschaftsräume und Lebensräume werden gut erschlossen“. Und für alle anliegenden Kommunen brächte eine solche Umwidmung auch „Restriktionen mit sich“, sagt er wie Schnabel in Bezug auf die Bauabstands-Regelung. Bei der B3 reicht ein Abstand bei der Bebauung von 20 Metern.“ Bei einer Autobahn würde sich der Mindestabstand für neue Bauprojekte erweitern. Dennoch sei er offen, plane ein neues Gespräch mit Marburg und Fronhausen. „Wir werden alle zusammen zu einem Ergebnis kommen.“

„Generell ist es uns egal, wenn der Schritt unserer Stadt keine Nachteile bringt“, sagt Lollars Bürgermeister Bernd Wieczorek, der etwa durch die auf der A485­ fällige Lkw-Mautpflicht eine Zunahme der Ausweichverkehre fürchtet. Jedoch: Als vierspurige Bundesstraße ist die B3 bereits heute mautpflichtig, und selbst wenn nicht, wäre sie es nach einer Gesetzesänderung ab ­Juli 2018. Wieczorek fürchtet zudem, auf einer Bundesautobahn keine Geschwindigkeitskontrollen mehr durchführen zu können - eine unbegründete­ Sorge, da Kommunen auch auf Bundesautobahnen blitzen dürfen. Auf einen entsprechenden Erlass der Landesregierung verweist die Marburger Polizei auf OP-Anfrage: „Örtlichen Ordnungsbehörden sind Geschwindigkeitskontrollen auch auf der A485 erlaubt“, sagt Martin Ahlich, Polizeisprecher.

Letztlich geht es um einen Schilderwechsel

Spies will Restzweifel ausräumen: Es gebe keine Steigerung der Verkehrsmenge, keine Verbreiterung der Straße und auch eine Anpassung des Tempolimits auf der Stadtautobahn werde es nicht geben, da die A485 an deren Einmündung vor Cappel enden soll. Auch die Auswirkungen der Abstandsregelungs-Änderung, die Fronhausen und Weimar ansprechen, ist laut Spies „nur theoretischer Natur“, da keine­ der B3-Kommunen Wohnsiedlungen dicht an der Straße plane.

„Desto weiter eine Kommune von Gießen weg ist, desto größer ist der Nutzen einer solchen Umwidmung“, sagt Spies in ­Bezug auf die Gründung neuer­ Gewerbegebiete. Die Marburger Ansiedelungspolitik will sich verstärkt um überregional tätige Unternehmen bemühen - auf Kooperations-Gewerbeflächen mit Nachbarorten wie ­etwa im Ebsdorfergrund. „Fakt ist: Wir alle haben bisher keinen Autobahnanschluss, und das ist es, was Investoren auf Karten ­sehen. Die Verkehrsanbindung schreckt sie ab.“ Niemand lasse sich erklären, dass die B3 „hier autobahngleich ausgebaut ist, der Schritt zur Umwidmung ist nötig. Marburg soll als Name zählen. Davon, von diesem Infrastruktur-Vorteil profitiert die ganze Region “.

Sollten beim Land die schriftliche Zustimmungen der B3-Anrainer-Kommunen vorliegen - was laut Ministerium noch nicht der Fall sei - gebe es laut einem Sprecher eine „detaillierte Prüfung“ durch die für die Entscheidung zuständige obere Landesstraßenbaubehörde. „Das sollte dann aber nur Formsache sein, letztlich geht es nur noch um das Auswechseln von Schildern“, sagt Spies.

von Björn Wisker
und Patricia Grähling

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr