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Kreisausschuss benennt zehn auserwählte Radfahrer

Neues Gremium Kreisausschuss benennt zehn auserwählte Radfahrer

Gemeinsam mit der Verwaltung sollen zehn Radfahrer aus der Region ab September ein Forum bilden. Bis zum 16. Juli kann man sich für eine Mitarbeit bewerben.

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Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Während einer Veranstaltung des Landkreises innerhalb der Radverkehrs-Themenwoche kündigte der Kreis-Radverkehrsplaner Thomas Meyer am Dienstagabend das bevorstehende Bewerbungs- und Benennungsverfahren an. Das zu gründende Gremium solle sich je zur Hälfte aus Bürgern und Verwaltungsmitarbeitern zusammensetzen und künftig zweimal jährlich tagen, Arbeitsgruppen mit spezieller Ausrichtung auch öfters.

Ziel der gemeinsamen Arbeit von Bürgern und Verwaltung sei es, die Radverkehrsentwicklung im Landkreis zu begleiten und für die Politik als fachkundiges Gremium beratend zur Verfügung zu stehen. Das Forum solle auch „Partner für die hessische Ebene“ sein und „von der Landesebene in die Region einen kurzen Weg“ darstellen. Beteiligt sein sollen je drei Bürger aus den drei Leader-Regionen Lahn-Dill-Bergland, Marburger Land und Burgwald-Ederbergland sowie ein Bürger aus der Stadt Marburg. Der Kreisausschuss werde die Bürger benennen und dabei auf eine ausgewogene Besetzung achten, sodass die einzelnen Kreisgebiete sowie Männer und Frauen möglichst gleichermaßen beteiligt würden, so Meyer. Von den Bewerbern wolle der Kreis neben Alter und Wohnort erfahren, wie häufig diese ihr Fahrrad nutzten, ob regelmäßig im Alltagsverkehr oder in der Freizeit. Bewerben könne man sich ab der kommenden Woche im Internet unter www.mein-marburg-­biedenkopf.de

Mit der Einrichtung eines Radverkehrsforums komme der Kreis einer zentralen Forderung aus den Bürgerdialogen zum Radverkehr nach, sagte Meyer im Sitzungssaal des Kreishauses vor gut 20 Zuhörern, von denen knapp die Hälfte zur Verwaltung gehörte. Die konstituierende Sitzung solle am 5. September stattfinden.

Claudia Grumann, Vertreterin des Hessischen Verkehrsministeriums, stellte die Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen vor, der aktuell 88 Städte, 66 Gemeinden, 12 Landkreise und 48 weitere Beteiligte wie Radverkehrsverbände, Hochschulen und Planungsbüros angehören. Ziel der Arbeit ist eine vernetzte Radverkehrsentwicklung auf hessischer Ebene. Kampagnen zur Radverkehrsförderung und Aktionstage gehörten zum Programm. Über die Arbeitsgemeinschaft informieren kann man sich im Internet unter: www.mobileshessen2020.de/Nahmobilitaet

Grumann würdigte, dass die Politik im hiesigen Landkreis selbst die Initiative ergriffen habe, die Radverkehrsentwicklung „seriös und strategisch“ zusammen mit den Bürgern voranzutreiben, „statt wie andernorts nur dem Gequengel der Radverkehrsakteure nachzugeben“. „Man muss die Leute auch locken, es muss komfortabler werden, das Rad im Alltag zu nutzen und nicht nur in der Freizeit“, sagte Grumann und betonte: „Dafür braucht es flotte Verbindungen, wo man nicht ständig stoppen muss - und auch die Arbeitgeber müssen sich darauf einstellen, dass mehr Beschäftigte mit dem Fahrrad kommen.“ Es gebe bereits Beispiele dafür, dass Firmen Umkleide- und Duschräume für die radelnden Angestellten vorhielten.

In der anschließenden Diskussion gab es viel Kritik zur mangelnden Radverkehrsentwicklung - im Allgemeinen und im Besonderen. Reinhard Ahrens, Gemeindevertreter der Grünen in der Gemeinde Weimar, gehörte zu den Teilnehmern, die Beispiele aus ihren Kommunen beitrugen.

Er beklagte das zögerliche Vorgehen der Gemeinde Weimar, wo auf einem durchgängigen Radweg auf 300 Metern die Schwarzdecke fehle und als Argument selbst für solch kleine, überschaubare Projekte stets die Argumentation des mangelnden Geldes herhalten müsse. Ahrens war der Meinung, dass neben den Kommunen auch Bund und Land mehr für die Radverkehrsentwicklung tun müssten, „da sollten in Hessen schon einmal 50 bis 60 Millionen Euro im Jahr bereitstehen, wenn sich etwas bewegen soll“. Den Kommunen riet er, im Kleinen anzufangen und schrittweise vorzugehen.

Nachgehakt: Mobilität in Kennzahlen

  • 9 von 10 Hessen sind täglich unterwegs – das sind 5,4 Millionen Männer, Frauen und Kinder.
  • 76 Prozent der zurückgelegten Wege in Hessen sind kürzer als 10 Kilometer, 27 Prozent sind kürzer als 1 Kilometer, 49 Prozent messen zwischen 1 und 10 Kilometern – insgesamt sind also 76 Prozent der Wege kürzer als 10 Kilometer.
  • Radfahrer sind auf Kurzstrecken meist schneller: Jede zweite Autofahrt ist kürzer als 5 Kilometer, jede dritte kürzer als 3 Kilometer. Auf solchen Entfernungen ist das Rad meist schneller.
  • 58 Prozent der zurückgelegten Wege werden mit dem Auto absolviert, 26 Prozent zu Fuß, 9 Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln, 7 Prozent mit dem Rad.

Quelle: Hessisches Verkehrsministerium

Faktencheck: Investitionen in Radwegebau

Diese Summen stellten das Land Hessen und der Bund in den vergangenen fünf Jahren für die Radverkehrsinfrastruktur in Hessen zur Verfügung (Summen in Millionen Euro):

Land Bund

2012: 3,328

2013: 1,248

2014: 1,696

2015: 3,157

2016: 3,344

2012: 9,014

2013: 6,546

2014: 6,485

2015: 7,951

2016: 7,095

Quelle: Claudia Grumann, Verkehrsministerium Hessen

von Carina Becker-Werner

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